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06.10.2026
Comebacker Fernando Dickes: Wieder eins mit dem Tor
Der 18-jährige Keeper stand beim Freundschaftsspiel gegen den FC Kopenhagen (2:0) nach überstandener Schulterverletzung wieder zwischen den Pfosten. Die Geschichte hinter seiner 218-tägigen Leidenszeit.
Erst den linken Pfosten berühren, dann die Latte, den rechten Pfosten und zum Ende erneut die Latte. Dieses Ritual führt Torwart Fernando Dickes bei jedem Spiel durch. „Ich denke mir dann immer, dass mir die Latte und der Pfosten Halt geben und ich ein Stück weit eins mit dem Tor werde“, sagt der 18-jährige Keeper im Gespräch mit der HSV.de-Redaktion. Am vergangenen Sonntag (4. Oktober) stand er beim Freundschaftsspiel gegen den FC Kopenhagen (2:0) für die zweite Halbzeit wieder im Tor. 218 Tage musste er auf diesen Moment warten. Dickes hatte zuvor am 28. Februar das letzte Mal für die U19 der Rothosen im Tor gestanden und danach im Training eine Schulterverletzung erlitten. Eine Operation war notwendig. Und für Dickes begann ein langer Weg zurück zwischen die Pfosten.
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„Es war wie ein Schlag ins Gesicht, als mir gesagt wurde, dass eine Operation notwendig sei und ich danach ein halbes Jahr ausfallen würde. Was folgte, war eine harte Zeit“, sagt Dickes. Der junge Schlussmann, der im Sommer 2025 aus der Jugend von RB Leipzig zum HSV wechselte und einen Profivertrag unterschrieb, ging nach dem Eingriff den Weg zu seinem Comeback an. „Nach der Operation war mein Arm sechs Wochen lang angelegt, weil ich eine Schulterbandage tragen musste. Als sie wieder ab war, tat jede Bewegung weh, selbst als der Arm einfach nur herunterhing“, berichtet der gebürtige Hallenser. Es habe viele Tage gegeben, „in denen das Ziel noch weit weg erschien“. Stück für Stück ging es weiter. Oder wie er sagt: Zentimeter für Zentimeter. „Ich musste jeden Tag an der Beweglichkeit arbeiten. Es hat unglaublich wehgetan, in der Physiotherapie überhaupt nur einen Zentimeter voranzukommen“, betont Dickes. „Das war eine sehr anspruchsvolle Zeit, weil es körperlich und mental sehr anstrengend war. Trotzdem musste ich positiv bleiben und durfte das große Ziel nicht aus den Augen verlieren.“ Unterstützung habe er vor allem von seiner Familie aus seiner Heimat Halle, den Physiotherapeuten vom Athleticum im Volkspark und natürlich von der HSV-Familie erhalten. Ständig sei er aus der Mannschaft gefragt worden, wie es der Schulter gehe. Zudem habe er dauerhaft im Austausch mit Torwarttrainer Sven Höh gestanden.
In der Vorbereitung trug Dickes schon wieder die Trainingsklamotten und stand auch auf dem Platz. Mehr als individuelles Training war dann aber noch nicht möglich. Schließlich durfte er sich erst sechs Monate nach der Operation wieder auf die Schulter fallen lassen. Das entsprechende Go sei der „letzte große Schritt“ auf dem Weg zum Comeback gewesen. Aber auch hier galt: Eins nach dem anderen. Angefangen mit der Weichbodenmatte, auf der sich auf die linke Seite warf. Weiter ging es im Schwimmbad, wo er sich mit der Schulter voran ins Wasser stürzte. Später auf dem Platz sollte er sich zunächst nur zur Seite abrollen, bevor Schüsse hinzukamen, deren Härte sukzessive gesteigert wurde. „Durch die Wiederholungen habe ich mir im Training das Selbstvertrauen zurückgeholt. Ich habe gemerkt, dass die Schulter hält und ich mich wieder bedenkenlos auf sie fallen lassen kann“, sagt Dickes.
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Damit war er wieder bereit. Und am vergangenen Sonntag teilte ihm Torwarttrainer Sven Höh kurz vor dem Anpfiff mit, dass er in der zweiten Halbzeit im Kasten stehen würde. „Ich habe danach mit Nicolai Remberg gesprochen, der mir gesagt hat, dass ich das Spiel genießen soll. Dann dachte ich mir: Spiel‘ dein Spiel, genieß‘ es. Es ist egal, ob 50.000 oder 500 Menschen zuschauen, denn das Spiel ist das Gleiche“, sagt Dickes. Dann stand er also da: An der Seitenlinie im gelben Trikot mit der Rückennummer 41. Die Auswechseltafel ging hoch und Dickes machte sich auf den Weg in Richtung Tor. Was natürlich nicht fehlen durfte: sein Ritual. Linker Pfosten, Latte, rechter Pfosten, Latte. Als wäre er nie weg gewesen.
„Ich habe mich in der Halbzeit warmgemacht und nicht viel nachgedacht. Ich war fokussiert. Ab dem Moment, als es losging, habe ich es genossen. Ich bin dankbar dafür, dass mir die Möglichkeit gegeben wurde. Es war sehr besonders für mich, weil ich nach mehr als sieben Monate mein Comeback feiern konnte und dann noch vor dieser Kulisse“, sagt der 1,91 Meter große Schlussmann. Und die Schulter? „Die war kein Thema mehr für mich. Du bist nicht bereit, wenn du im Spiel noch darüber nachdenkst“, betont er.
In seinem vierten Testspieleinsatz blieb Dickes zum ersten Mal ohne Gegentor. Entsprechend zufrieden war der Youngster, der seine Leistung als solide bezeichnete, wenngleich er nicht viel zu tun gehabt hätte. „Ich bin mit voller Überzeugung zurück“, betont der Torwart, für den es erst einmal in der U21 weitergeht. Die Regionalliga-Mannschaft der Rothosen spielt am Sonnabend (10. Oktober) um 14 Uhr beim FSV Schönlingen. „Ich freue mich einfach darauf, wieder spielen zu können und das machen zu können, was am meisten Spaß macht. Ich habe so lange darauf hingearbeitet“, sagt er noch. Dickes ist wieder da, wo er hingehört. Im Tor. Eins mit den Pfosten und der Latte.
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