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20.09.2026
Déjà-vu
Die Rothosen trotzen im Heimspiel gegen Köln dem missglückten Saisonstart und feiern am 4. Bundesliga-Spieltag wie schon im Vorjahr den ersten Sieg. Mit Klarheit und Vertrauen in das eigene Handeln.
Die HSV-Fans dürften am gestrigen Sonnabend (19. September) ins Grübeln gekommen sein, ob sie diesen Tag im Volksparkstadion nicht schon einmal erlebt haben. Ein Déjà-vu? Zu verdächtig sind die Ähnlichkeiten. Aber nein, hier kam es zu keiner Wiederholung. Dennoch sind gewisse Parallelen nicht von der Hand zu weisen. Der Hamburger SV hat zu Hause gegen den 1. FC Köln mit 2:1 gewonnen und am 4. Spieltag zum ersten Mal in der neuen Bundesliga-Saison sowohl getroffen als auch (drei) Punkte eingefahren. 364 Tage zuvor klang das ziemlich ähnlich. Da war nur der Gegner ein anderer: der 1. FC Heidenheim.
Damals hatte der Verteidiger Luka Vuskovic die Rothosen mit seinem 1:0-Führungstreffer in der 42. Minute auf die Siegerstraße gebracht, ehe Stürmer Rayan Philippe in der 59. Minute nachlegte. In der dritten Minute der Nachspielzeit erzielte Adam Kölle das 1:2 aus Sicht der Gäste. Nun ereignete sich eine ähnliche Geschichte. Denn: Verteidiger Nicolas Capaldo brachte den HSV gegen Köln in der 44. Minute (Vuskovic grüßt) in Führung, Stürmer Yussuf Poulsen stellte in der 50. Minute auf 2:0. Kurz vor dem Abpfiff, genauer gesagt in der 90. Minute, traf Ragnar Ache zum Anschluss. Fast schon erschreckend, wie die beiden Spielverläufe schablonenartig übereinandergelegt werden könnten. Poulsen brachte es anschließend auf den Punkt. „Wir hatten vor einem Jahr genau die gleichen Gespräche, Diskussionen und Themen wie jetzt nach drei Spieltagen. Auch damals habe ich gesagt, dass es einfach Zeit braucht, wenn du so viele neue Spieler hast. Wir sind ruhig geblieben und wir bleiben auch dieses Mal ruhig“, sprach der 32-jährige Däne über die holprigen Saisonstarts in diesem und dem vergangenen Jahr.
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Hinter den Rothosen liegt ein Sommer mit 22 Bewegungen am Kader (10 Zugänge, 12 Abgänge). Davon stießen die drei Spieler Zakaria El Ouahdi, David Möller Wolfe und Rückkehrer Fabio Vieira am letzten Transfertag am 1. September zum Team. „Im Mannschaftssport ist es immer wichtig, dass das eine Rädchen ins andere greift. Hier haben wir aktuell noch Nachholbedarf“, hatte Sportdirektor Claus Costa nach der 0:5-Niederlage bei RB Leipzig in der Vorwoche angemerkt und damit auf eine Findungsphase des Teams hingewiesen. Und doch waren sie sich beim HSV einig, dass diese Pleite mit dem gleichen Ergebnis in der Woche zuvor gegen den 1. FSV Mainz 05 nicht so recht zu vergleichen war. „Ich habe die volle Überzeugung, dass wir auf dem richtigen Weg sind und die nächsten Schritte gehen werden. Es ist meine Aufgabe, den Prozess und nicht das Ergebnis zu sehen“, merkte Cheftrainer Merlin Polzin trotz dreier Niederlagen und eines Torverhältnisses von 0:12 an. Der gebürtige Hamburger wollte sich nicht vom Weg abbringen lassen. Auch aus Überzeugung wurden die Verträge mit Polzin und seinen Assistenten vor dem Heimspiel gegen den 1. FC Köln verlängert. Dass der Coach recht behalten sollte, zeigte sich am Sonnabend. An dem Tag ging der Plan voll auf.
Die Rothosen kümmerten sich zunächst um ihre defensive Stabilität, wodurch die Gäste im ersten Durchgang bis zu 75 Prozent Ballbesitz erreichten. Das führte auch dazu, dass die Domstädter das eine oder andere Mal gefährlich vors Tor kamen, und es war Daniel Heuer Fernandes beziehungsweise seinem rechten Arm zu verdanken, dass der Kopfball von Thijs Dallinga aus kurzer Distanz nicht im Netz landete (38.). Die Hamburger ließen sich davon nicht beirren und noch weniger aus der Ruhe bringen, denn sie vertrauten ihrer Herangehensweise. „Wir waren in der ersten Hälfte stabil, haben wenige Großchancen zugelassen. Es war wichtig, erstmal defensiv stabil zu stehen. Das war in der Vorsaison eine unserer größten Stärken. Wir wollten eine bessere Defensivstruktur als in den letzten Wochen“, erklärte Poulsen. Belohnt wurde der HSV kurz vor der Halbzeitpause mit dem Führungstor durch Capaldo. Gefallen war es nach einem Standard. Wieder eine Parallele. Damals war es bei Vuskovic infolge eines Freistoßes, diesmal nach einer Ecke. „Wir sind froh, dass wir durch einen Standard den Dosenöffner gefunden haben, weil wir im Vorwege viel darüber geredet haben. Danach war zu sehen, was ein nächster Treffer bewirken kann“, erklärte Heuer Fernandes.
Die Rothosen erhöhten durch den zum zweiten Durchgang eingewechselten Poulsen sowie dessen vierten Ballkontakt auf 2:0 und drängten danach auf die vorzeitige Entscheidung. Ein Kopfball von Nicolai Remberg (55.), ein Abschluss von Poulsen (69.), ein Freistoß von Fabio Vieira (79.) und ein weiterer Versuch von Poulsen (88.) fanden jedoch nicht ihren Weg ins Tor. Stattdessen verkürzte Ache spät auf 1:2 aus Sicht der Kölner. Dass das nichts am Ausgang ändern würde, dürften die HSV-Fans vorausgesehen haben, die sich an den 20. September 2025 erinnert fühlten. Da wären wir wieder beim Déjà-vu. Der doppelte Vorlagengeber Albert Grönbaek sprach nach dem Abpfiff von „Erleichterung“. Andere wiederum fühlten sich bestätigt. „Das gibt uns Vertrauen in das, was wir tagtäglich tun“, sagte Heuer Fernandes. „Es war heute ein sehr großer Schritt in die richtige Richtung“, meinte Poulsen. Im vergangenen Jahr spielten die Rothosen nach einem Heimsieg am 4. Spieltag eine gute Saison und erreichten ihr Ziel vorzeitig. Nun, ein Jahr später, soll zum selben Zeitpunkt eine neue Geschichte an Fahrt aufnehmen.
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