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11.10.2026
Die Moral von der Geschicht‘
Die Rothosen trotzen beim spektakulären Auswärtssieg in Hoffenheim kollektiv allen Widrigkeiten und nehmen daraus Energie für die kommenden Aufgaben mit.
Wenn alles ganz normal läuft, dann würde es schwierig werden. Das hatte HSV-Cheftrainer Merlin Polzin vor dem Auswärtsspiel bei der TSG 1899 Hoffenheim gesagt. Immerhin sahen die Hamburger in der vergangenen Saison keinen Stich gegen die Kraichgauer und holten in beiden Duellen keinen einzigen Zähler (1:4 in Sinsheim, 1:2 im Volksparkstadion). Dementsprechend wusste Polzin, wovon er sprach. „Wir müssen sehr klar sein und ein Stück weit anders auftreten, als wir uns den HSV-Fußball idealerweise vorstellen“, betonte der 35-Jährige im Vorfeld der Partie. Was er zu dem Zeitpunkt noch nicht wusste: der Plan würde „perfekt“ aufgehen. Das war seine Beschreibung für einen Sonnabendnachmittag (10. Oktober), der bei Weitem nicht normal war. Das zog sich von den Rängen auf den Platz und in die entgegengesetzte Richtung.
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10.000 HSV-Fans empfingen schon vor dem Anpfiff die Rothosen lautstark zum Aufwärmen und setzten den Ton. Später versetzte Miro Muheim mit seinem 3:2-Siegtreffer in der vierten Minute der Nachspielzeit den Gästeblock in Ekstase. Hand in Hand zu drei Punkten. „Es war eine tolle Leistung gemeinsam mit allen, die uns im Stadion unterstützt haben“, sagte Polzin über die Magie an diesem 10. Oktober. Vor dem irren Finish hatte erst Yussuf Poulsen den HSV in der 12. Minute in Führung gebracht, dann unterlief Sebastiaan Bornauw (45.+6) ein Eigentor und Bambase Conte (53.) traf für Hoffenheim. Zwei Dämpfer für den HSV, der den viel größeren dieses Tages in der 41. Minute wegstecken musste: Kapitän Nicolai Remberg musste mit einem Kreuzbandriss ausgewechselt werden. „Wenn du deinen Kapitän und absoluten Stammspieler verlierst, dann wird es natürlich schwierig“, erklärte Poulsen. „Mit Rambo haben wir eine Säule verloren“, sagte Muheim. Allerdings hatte Polzin ja Klarheit gefordert und die war in diesem Moment mehr denn je gefragt. „Wir haben es als Mannschaft aufgefangen“, betonte Daniel Heuer Fernandes.
Die Hamburger kämpften sich wieder rein in die Partie und knüpften an die starke Anfangsphase an. Dann sah Bernardo in der 65. Minute die Gelb-Rote Karte, wodurch Hoffenheim nur noch zu zehnt war. Muheim nannte es einen „Knackpunkt“. Bei Polzin klang es ähnlich: „Wir haben es geschafft, spätestens nach der Gelb-Roten Karte das Momentum für uns zu nutzen, klar zu bleiben und die Dinge in Überzahl umzusetzen, an denen wir in der Vorbereitung gearbeitet haben.“ Klar sein. Da war es wieder. So sorgte erst der eingewechselte Terem Moffi in der 83. Minute für den 2:2-Ausgleich und kurz danach der ebenfalls eingewechselte Muheim für den viel umjubelten Siegtreffer. Beide erzielten ihre ersten Tore in der Bundesliga.
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Mit Blick auf die drei HSV-Torschützen sprach Polzin von „vielen kleinen Geschichten“. Das Trio hatte schließlich zuletzt aus körperlichen Gründen seine Päckchen zu tragen. Muheim absolvierte sein erstes Pflichtspiel in dieser Saison, Moffi musste beim Freundschaftsspiel gegen den FC Kopenhagen (2:0) in der Vorwoche kürzertreten und Poulsen wurde in jenem Spiel verletzungsbedingt früh ausgewechselt. Nun hatten sie allen Grund zum Strahlen. Ebenso wie Alexander Rössing-Lelesiit, der 260 Tage nach seiner Syndesmose-Verletzung im Stadtderby beim FC St. Pauli am 23. Januar sein Comeback feierte. Der Norweger kam in der 76. Minute in die Partie und stand mit auf dem Rasen, als der HSV die Partie drehte.
Die Comeback-Geschichten stehen sinnbildlich für die Willenskraft eines HSV-Teams, das sich von der schweren Verletzung ihres Kapitäns und einem zwischenzeitlichen Rückstand nicht aus der Bahn werfen ließ. „Die ganze Mannschaft hat eine super Moral gezeigt und am Ende aufgrund der letzten 20 Minuten auch verdient gewonnen“, sagte Poulsen. Geht es nach Heuer Fernandes, könnte die Bestätigung in die eigenen Kräfte über das Spiel in Hoffenheim hinaus nachwirken: „Das sollte uns Rückenwind für die nächsten Partien geben.“ Der HSV hat den misslungenen Saisonstart abgeschüttelt und steht jetzt bei zwei Siegen in Folge. Zählt man die Kopenhagen-Partie dazu, sind es sogar drei. So gehen die Rothosen mit breiter Brust ins Heimspiel gegen den VfB Stuttgart am kommenden Sonnabend (17. Oktober, Anpfiff: 15.30 Uhr).
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