
Mit einem herzlichen „Servus!“ meldet sich Ransford Königsdörffer am anderen Ende der Telefonleitung zu Wort. Moment mal, „Servus“? Ein „Tach!“ als gebürtiger und waschechter Berliner oder ein „Moin!“ nach seiner vierjährigen Zeit in Hamburg hätte man ja ebenso verstanden wie „Gude!“, die Grußformel in seiner neuen rheinhessischen Heimat. Aber Servus? „Das habe ich doch schon immer so gemacht, seit meiner Zeit in Dresden, wo man es ehrlicherweise auch nicht nutzt“, lacht Königsdörffer. Das stimmt. „Ransi“ ist sich mal wieder treu geblieben, so wie in den vergangenen vier Spielzeiten beim HSV, als er in 138 Spielen (33 Tore, neun Assists) viele Höhen und Tiefen durchlebte, und wie im Sommer 2026, als er sich ganz bewusst für ein neues Kapitel und den Wechsel zum 1. FSV Mainz 05 entschied. Nun kommt es am Sonntag bereits im Zuge des 2. Spieltags zur Rückkehr in den Volkspark und zum Wiedersehen mit seinen alten Kollegen. Auf beides blickt der 24-jährige Mittelstürmer, der erstmals in seiner Karriere auf einen Ex-Club trifft, mit viel Vorfreude und altbekannter Ehrlichkeit.

HSV.de: „Ransi“, wenn du an deine HSV-Zeit zurückdenkst: Welcher Moment schießt dir auf Anhieb in den Kopf?
Ransford Königsdörffer: Natürlich der Aufstieg, ist doch klar. Das war vermutlich der schönste Moment für den HSV in den vergangenen Jahren. Das Spiel gegen Ulm und die Feierlichkeiten danach sowie eine Woche später in Hamburg bleiben für mich unvergessen.
Nach dem Aufstieg hast du als einer der Ersten in der Kabine ein Interview gegeben und dabei wie ein kleiner Junge gestrahlt. Wie hat es sich angefühlt, es endlich geschafft zu haben?
Es war wie im Freudenrausch. Es war eine Erleichterung, es endlich geschafft zu haben, weil man vorher immer nur nah dran war. Jeder von uns ist damals mit dem Ziel zum HSV gekommen, aufzusteigen. Das hat leider nicht nur ein paar Mal zuvor nicht geklappt, sondern wurde uns auch einmal ganz kurz vor dem Ziel vor der Nase weggeschnappt. Umso krasser war das Gefühl.
Als du aus Dresden zum HSV gekommen bist, hättest du dir eine Reise mit so vielen Höhen – deine Tore gegen Hannover, Ulm oder Dortmund – aber auch Tiefen wie etwa dem dramatischen Nicht-Aufstieg in Sandhausen im ersten Jahr ausmalen können?
Um ehrlich zu sein: Nein. Ich dachte eher, dass es auf Anhieb im ersten Jahr mit dem Aufstieg klappen würde. Das hat bekanntlich um ein Haar fast geklappt, wenn in Sandhausen nicht höhere Kräfte gegen uns gewesen wären. Am Ende ist es aber positiv ausgegangen und man kann sich nicht beschweren. Auch wenn es länger gedauert hat, ist jeder mit dem Endergebnis happy.

Wenn du die vier Jahre beim HSV noch einmal vor deinem inneren Auge ablaufen lässt: Welche Momente sind neben dem Aufstieg besonders hängen geblieben?
Mein Treffer in Hannover ist bis heute das schönste Tor, das ich je geschossen habe. Auch das Tor gegen Dortmund war sehr besonders, weil es mein erster Bundesliga-Treffer war, zudem gegen einen derart großen Verein und nach all der Kritik. Ich hatte viele tolle Momente mit der Mannschaft. Auch intern. Ich habe alle richtig gern. Ich freue mich zum Beispiel, dass Fabio wieder da ist und es für ihn so geklappt hat. Und ich freue mich allgemein, alle am Wochenende wiederzusehen, auch wenn sich der Kader etwas verändert hat.
Was hast du über dich als Sportler und Mensch in deiner HSV-Zeit gelernt?
Dass man geduldig bleiben, auf sich hören und Kritik ausblenden sollte. Ich habe das eine oder andere abbekommen. Damit kann ich mittlerweile ganz gut umgehen. Früher fiel es mir schwerer, weil es für mich nicht so gewöhnlich war. Ich hatte keine großen Berührungen damit. Am Ende sollte man einfach immer selbst über sich urteilen können.
Inwiefern hat dich die Härte der Kritik genervt? Hast du sie bisweilen als ungerecht empfunden, da es ja auch für dich die erste Bundesliga-Saison in deiner Laufbahn war?
Was einige Leute manchmal vielleicht außer Acht lassen: Ich habe mich am meisten über mich selbst geärgert. Ich habe den Anspruch, so viele Tore wie möglich zu schießen und meine Leistungen zu zeigen. Ich habe fast jedes Spiel gespielt – was auch für sich spricht. Dass es mit den Toren nicht geklappt hat, ist halt so. Manchmal ist der Wurm drin. Dann kannst du machen, was du willst, es läuft einfach nicht. So ist Fußball. Wichtiger ist, weiterzuarbeiten, nicht aufzugeben und nicht den Kopf hängen zu lassen. Dann wirst du belohnt.

Im Sommer hast du die bewusste Entscheidung getroffen, etwas Neues zu machen. Wie kam es dazu?
Ich habe mich beim HSV sehr wohl gefühlt, aber ich wollte eine Veränderung. Ich hatte das Gefühl, dass es gut für mich sein könnte, etwas Neues zu sehen und neue Eindrücke zu bekommen. Das hat sich so ergeben. Zu Mainz hatte ich relativ früh Kontakt. Ich habe mich mit dem Trainer und der Mannschaft beschäftigt. Das hat gut zu mir gepasst. Ich bin glücklich mit der Entscheidung. Es ist ein neuer Lebensabschnitt für mich, in dem ich eine neue Stadt und neue Menschen kennenlerne.
Apropos neues Umfeld: Wie war es, jetzt der Neue zu sein, und wer hat dir Orientierung gegeben?
Es war schön, aber auch ungewohnt. Ich bin sonst jedes Jahr zum Trainingsauftakt gekommen und kannte eigentlich jeden gefühlt. Jetzt war es eine andere Situation. So etwas wollte ich aber auch. Ich wollte ein neues Umfeld kennenlernen und wissen, wie es ist, in eine neue Mannschaft zu gehen. Ich wurde hier gut aufgenommen: Mit Marco (Richter, d. Red.) war noch ein alter Weggefährte da, zudem verstehe ich mich sehr gut mit Silvan Widmer, Philipp Tietz, Stefan Posh und Fabio Gruber. Trotzdem vermisse ich auch die Leute beim HSV und habe noch immer Kontakt zu dem einen oder anderen, etwa mit den Trainern um Merlin, Loic und Richi. Jetzt sehen wir uns am Wochenende wieder.
Welche Ziele hast du dir gesteckt, gerade mit Blick auf dein zweites Bundesliga-Jahr?
Ich will viel spielen und im besten Fall eine erfolgreichere Saison als die vergangene spielen. Ich habe aber keine konkreten Ziele für mich definiert. Ich will erst einmal ankommen und mein Bestes geben. Dann wird etwas Gutes entstehen.
Hast du dir in der Vergangenheit konkrete Ziele gesteckt in Form von Toren, oder bringt das nichts?
Grundsätzlich würde ich das niemals öffentlich sagen. Ich habe mir natürlich auch mal Gedanken dazu gemacht, wie viele Tore ich schießen möchte und so weiter. Am Ende setzt du dich damit aber nur zu sehr selbst unter Druck. Ich sehe es eher so: Go with the flow, step by step. Ich nehme mir für jedes Spiel etwas vor und es ist ja klar, dass du immer Scorer erzielen willst.
Wie bewertest du euren Start in die Spielzeit 2026/27 mit dem 9:0 beim VfB Krieschow im DFB-Pokal und dem 0:0 gegen Paderborn in der Bundesliga?
Im DFB-Pokal war es eine Pflichtaufgabe, es hat Spaß gemacht und es war gut für mich, im ersten Spiel zu treffen. Zum Bundesliga-Start: Am Ende haben wir nicht verloren, aber wir wollten natürlich gewinnen. Es war schwer gegen einen Aufsteiger. Du weißt noch nicht genau, wie sie spielen. Für Paderborn war es wichtig, dass erst einmal die Null steht. Das kennen wir vom HSV aus der vergangenen Saison. Wir hatten unsere Chancen, aber nicht die Zielstrebigkeit an dem Tag. Gegen den HSV wollen wir es jetzt natürlich besser machen. (schmunzelt)
“Es gibt diese Videos von Spielern, die in die falsche Kabine laufen. Das könnte mir auch passieren. (lacht)”

Du sprichst es an: Am Wochenende steht für dich bereits die frühe Rückkehr zum HSV an: Wie komisch wird es sein, im Volkspark in die Gästekabine zu gehen?
Es gibt diese Videos von Spielern, die in die falsche Kabine laufen. Das könnte mir auch passieren. (lacht) Es wird mit Sicherheit komisch sein. Ich kenne mich dort aber gut aus: Ich weiß, wie die Gegebenheiten sind, wie der Platz ist und wie die Fans wahrscheinlich sein werden. Ich kann mich also gut darauf einstellen.
Welche Erwartungen hast du an deine Rückkehr?
Es wird cool, gegen die alten Teamkollegen zu spielen. Ich habe in meiner Karriere noch nie gegen einen ehemaligen Verein gespielt. Das wird etwas komplett Neues für mich sein. Ich freue mich einfach darauf, auch wenn ich ehrlicherweise auch mit dem einen oder anderen Pfiff und gewissem Gegenwind rechne. Aber damit muss ich umgehen und im besten Fall einen Ansporn daraus ziehen. Natürlich möchte ich im Idealfall das Spiel gewinnen und selbst treffen.
Und auf wen freust du dich am meisten vom HSV?
Auf Rambo, wir haben noch sehr viel Kontakt miteinander und verstehen uns gut. Ich hoffe, dass er mich nicht umgrätschen wird. (lacht)
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