
Martin Adeline hat schon einiges durchgemacht. Mit zwölf Jahren ging der Franzose von zu Hause weg, um seinem Traum vom Profifußball nachzujagen. Als er an einem Punkt angelangt war, an dem es nicht rund lief, halfen ihm Theaterunterricht und Reisen, neue Energie zu finden. Wenn man ihm zuhört, vergisst man schnell, dass er erst 22 Jahre alt ist. Im großen A-Z-Interview stellt sich Adeline genauer vor.
Alltag: Mein Alltag sieht in der Regel so aus, dass ich mich morgens nach dem Aufstehen fertig mache und zum Training fahre. In Frankreich war ich gewohnt, dass schon um 14 Uhr Schluss war. Hier geht es meist zwei Stunden länger. Danach genieße ich es, einfach in meiner Wohnung zu sein und mich zu erholen. Es ist Vorbereitung, ich brauche das. (lacht) Entweder lese ich etwas oder schaue Fernsehen.
Bucket List: Ich will die ganze Welt sehen. Ich könnte wirklich überall hinfahren. Reisen ist meine Leidenschaft. Wenn ich Urlaub habe, bin ich unterwegs.
Credo: Jeder Tag ist eine neue Chance!
Derby: Ich habe schon viel darüber gehört – also vom Nordderby. Beim Essen wurde mir die eine oder andere Anekdote erzählt. Dabei habe ich gemerkt, wie wichtig es für die anderen ist. Und jetzt weiß ich, dass es auch wichtig für mich sein wird. Ich will dieses Spiel erleben.
Epernay: Das ist der Ort, an dem ich geboren wurde. Epernay ist eine kleine Stadt, die circa zwei Stunden mit dem Zug von Paris entfernt ist. Sie bedeutet mir sehr viel, weil meine Mutter und meine Freunde aus meiner Kindheit dort leben.

Fans: Ich habe gegen Everton zum ersten Mal im Volksparkstadion gespielt und es war ein schöner Moment, als ich mir beim Aufwärmen die Zeit genommen habe, meinen Blick durch das Stadion und über die Tribünen schweifen zu lassen. Ich habe direkt gespürt, dass die Fans uns helfen können. Ich habe aber auch erzählt bekommen, dass das noch nicht das wahre Erlebnis im Volkspark war, weshalb ich mich auf die Pflichtspiele zu Hause freue.
Globetrotter: Ich habe schon viele Länder bereist, es müssten zwischen 30 und 40 sein. Unter anderem war ich in Japan, Kolumbien, Mexiko, den USA und Namibia. Ich kann nicht sagen, welche Reise die schönste war, weil jedes Land für sich einzigartig ist. Jedes Land hat seine eigene Kultur und überall herrscht eine andere Atmosphäre.
HSV: Mich hat überzeugt, wie sehr Merlin Polzin und der gesamte Club mich haben wollten. Der HSV war einer der ersten Vereine, der mich für die Transferphase angefragt hatte. Ich habe mich danach mit dem Verein, seiner Historie und seiner Gegenwart beschäftigt. Bei TikTok habe ich „HSV“ eingegeben und ein Video von einem Fan gesehen, der das Stadion gefilmt hat. Ich dachte mir nur: Verrückt!
Interviews: Ich finde, dass Interviews eine gute Möglichkeit sind, um zu zeigen, dass wir Fußballer auch nur Menschen sind. Die allermeisten von uns mussten auf ihrem Weg Opfer bringen und beispielsweise schon in jungen Jahren ihre Heimat verlassen. In Interviews können wir unsere Geschichten von Disziplin und Leidenschaft teilen.
Jubel: Wenn ich ein Tor schieße, setzt mein Verstand aus. Ich raste völlig aus und bin einfach nur glücklich. Ich liebe, was der Fußball mit mir macht.
Kultur: Meine Mutter ist sehr kulturinteressiert, und so bin ich auch aufgewachsen. Seit ich klein war, bin ich häufig ins Museum, ins Theater oder ins Kino gegangen. Nach und nach habe ich verstanden, dass es auch Dinge außerhalb des Fußballs gibt, die mich erfüllen. Man muss sich darüber bewusst sein, dass Fußball nicht alles im Leben ist. Ich möchte mich mit Menschen auch über andere Themen austauschen und von ihnen etwas lernen. Tatsächlich habe ich in meinem ersten Jahr in Troyes Theaterunterricht genommen, weil ich beim Fußball nicht meine beste Phase hatte und etwas anderes erleben wollte. Ich wollte neue Energie sammeln, um mich auf dem Platz wieder besser entfalten zu können. Und tatsächlich hat das funktioniert.
Lieblingsessen: Ich muss gestehen, dass ich kein Lieblingsessen habe. Ich mag es einfach, wenn das Essen von hoher Qualität und sehr frisch ist.
Mutter: Sie hat einen großen Anteil daran, wer ich bin und wer ich sein möchte. Dafür bin ich ihr dankbar. Aber sie interessiert sich nicht für Fußball. (lacht) Es war nicht leicht für sie, als ich mit zwölf Jahren in die Jugend von Paris Saint-Germain gewechselt bin. Aber sie hat mich gehen lassen. Und jetzt bin ich hier. Sie kommt nicht ins Stadion, sondern schaut die Spiele im Fernsehen, weil sie dort einen Kommentator hat. So versteht sie besser, was passiert.
Naschereien: Wenn ich mich entscheiden müsste, würde ich Crêpe mit Nutella wählen. Der ist einfach so lecker! (lacht)

Ohrwurm: Die einzige Musik, die mich glücklich macht, ist Kompa. Das ist eine Musikrichtung, die in französischen Überseegebieten wie Martinique, Guadeloupe und Reunion verbreitet ist. Die Menschen auf diesen Inseln lieben es zu tanzen und zu feiern.
PSG: Für einen jungen Spieler gibt es kaum einen besseren Ort als PSG. Dort habe ich so viel über Fußball gelernt und den Fußball erst richtig verstanden. Ich bin dem Club für diese Erfahrung dankbar. Wenn ich aber wählen dürfte, ob ich es noch einmal machen würde, müsste ich länger darüber nachdenken. Das liegt nicht an PSG, sondern daran, dass ich mit zwölf Jahren mein Zuhause verlassen habe. Aber wenn wir ehrlich sind: Wenn PSG dich haben will, kannst du eigentlich nicht Nein sagen.
Quasselstrippe: Das ist ganz klar Emir Sahiti! (lacht) Er redet wirklich von allen am meisten in der Kabine, er ist ein guter Kerl.
Rollentausch: Wenn ich meinen Job für einen Tag wechseln könnte, wäre ich Schauspieler. (lacht) Ich würde dann gerne in einem Drama mitspielen. Wer weiß, vielleicht ja eines Tages …
Sprachen: Ich spreche Französisch und Englisch und ein bisschen Spanisch. Und jetzt muss ich Deutsch lernen. Ich habe eine Notiz auf meinem Handy mit allen deutschen Wörtern, die ich kenne. (zückt sein Handy) Mein erstes Wort war „Ei“, weil ich im Hotel war und etwas essen wollte. Mein zweites Wort war „Entschuldigung“, dann kamen Farben dazu: Rot, Blau und so weiter. Mein neuestes Wort ist „Strom“.
Troyes: Viele Leute denken, ich hätte erst dort meinen Durchbruch gefeiert. Aber nur durch die Jahre und Erfahrungen davor konnte ich diese Leistungen abrufen. Im Fußball muss vieles zusammenkommen, um erfolgreich sein zu können. Du musst das Glück haben, ein gutes Team, einen guten Trainer und die richtige Einstellung vorzufinden.
Mein erstes Jahr war ein Reinfall. Ich war müde davon, im Fußball immer wieder schlechte Phasen zu erleben. Vier Jahre lang hat in meiner Karriere nichts so richtig geklappt. Ich war nicht in guter Verfassung. Nach dem ersten Jahr bin ich auf Reisen gegangen, um den Kopf freizubekommen und an Dinge abseits des Fußballs zu denken. Ich war fünf Wochen einfach weg. Das hat mir sehr geholfen. Es war die beste Entscheidung. Ich habe meinen Kopf frei bekommen und bin in einer ganz anderen Verfassung zurückgekommen. Seitdem konnte ich es wieder mehr genießen, auf dem Platz zu stehen. Ich war voller Selbstvertrauen.

Umkleidekabine: Beim HSV fällt mir auf, welch hohen Stellenwert die Kabine hat. Hier wird sehr darauf geachtet, dass sie für alle dieselbe Bedeutung hat. Es passieren viele tolle Dinge – sei es ein Ständchen zum Geburtstag oder der Empfang von Sander Tangvik und Miro Muheim nach ihrer Rückkehr von der Weltmeisterschaft. Außerdem ist deutlich zu spüren, wie gut die Mitarbeiter rund um die Mannschaft arbeiten.
Vorbild: Wenn ich an Deutschland denke, denke ich an Thomas Müller. Er will immer gewinnen und ist voller Hingabe für den Fußball. Er hat eine ganz eine besondere Mentalität. Es ist einfach die Art und Weise, wie er über den Fußball denkt und ihn lebt.
Wohlfühlort: Es müsste kein bestimmter Ort sein, aber etwas Ruhiges und einfach Zeit mit meiner Mutter. Wir sehen uns im Jahr leider nicht so oft. Deshalb würde ich so etwas sehr genießen.
X-Faktor: Es ist wichtig, dass alle Spieler in die gleiche Richtung denken und dasselbe Ziel verfolgen. Das ist allerdings nicht so einfach, wie man vielleicht denkt. Es gibt viele Spieler mit unterschiedlichen Hintergründen, und daraus eine Einheit zu formen, ist eine Herausforderung. Aber hier wird viel dafür getan, dass wir als Gruppe zusammenwachsen.
YouTube & Social Media: Ich nutze am meisten YouTube und Instagram. Ich habe auch TikTok, aber ich möchte mir abgewöhnen, dort so häufig reinzuschauen. Es gibt einfach Besseres im Leben.
Zinedine Zidane: Er war auch ein Grund dafür, dass ich die Rückennummer 5 gewählt habe. Er ist einfach eine Legende des französischen Fußballs. Ich habe mich aber auch für die Rückennummer entschieden, weil ich sie schon in Troyes getragen habe, als es dort gut für mich lief. Nun möchte ich mit ihr auch beim HSV erfolgreich sein.
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