
Interview
07.07.26
Kofi Amoako im großen A-Z: „15.30 Uhr ist eine romantische Uhrzeit“
Von A wie Abräumer über T wie Torhymne bis Z wie Ziele – der HSV-Neuzugang stellt sich und seine vielen Facetten im Interview genauer vor.
Abräumer: Die Beschreibung passt gut zu mir. Einfach gesagt erledige ich die „Drecksarbeit“ vor der Abwehr und gewinne die Bälle für die Konter. Das ist genau meine Stärke. Ich fühle mich in Zweikämpfen sehr wohl. Manchmal muss ich schmunzeln, wenn ich Szenen von meinen Zweikämpfen im Video anschaue, weil sie teilweise ziemlich hart aussehen. Aber ich bin immer fair! (lacht)
Bundesliga: Ich war beim VfL Wolfsburg noch Jugendspieler, als ich mein Bundesliga-Debüt gefeiert habe. Damals war das natürlich ein besonderer Moment, aber heute hat das Wort für mich noch einmal eine größere Bedeutung. Es ist ein anderes Gefühl, wenn dich ein Bundesligist aufgrund deiner Fähigkeiten verpflichtet. Außerdem ist 15.30 Uhr eine romantische Uhrzeit. Jeder in Deutschland weiß, was damit gemeint ist.
Claus: Claus Costa war die ausschlaggebende Person, die mich von meinem Wechsel überzeugt hat. Ich hatte sehr positive Gespräche mit ihm. Er hat genau wie ich in Osnabrück gespielt und dadurch hatten wir direkt eine besondere Verbindung. Ich habe zuvor noch nie einen Sportdirektor wie ihn kennengelernt. Er ist ein lockerer Typ und weiß einfach, wie ein Fußballer tickt. Ich habe mich zu 100 Prozent von ihm verstanden gefühlt.
DFB: Ich verbinde es mit sehr viel Stolz, für die Nationalmannschaft auflaufen zu dürfen. Ich kriege auch in der U20 immer noch Gänsehaut, wenn ich vor dem Spiel die Nationalhymne singe. Etwas Größeres gibt es nicht.

Einstandslied: Ich habe mich noch nicht entschieden, was ich beim HSV singen werde. Wahrscheinlich gehe ich in Richtung Schlager oder Pop – Hauptsache, es singt jemand mit. (lacht)
Frohnatur: Ich gehe immer mit einem Lächeln durch die Gegend und versuche auch andere damit anzustecken. Es bringt einfach nichts, sich lange von etwas runterziehen zu lassen – sei es von einem schlechten Spiel oder von einem schlechten Tag.
Ghana: Ghana ist das Land, aus dem meine Eltern stammen. Ich war zwar in meinem Leben erst zweimal dort, letztmals im Jahr 2017, aber würde gerne wieder dort hin. Vielleicht klappt es ja noch in diesem Jahr. Ghana ist einfach ein schönes Land mit tollen Leuten.
Hannover: Dort bin ich geboren und ich würde mich auch als waschechten Hannoveraner bezeichnen. Ich mag die Stadt echt gerne. Es gibt in Hannover etwa den „Roten Faden“, auf dem du alle wichtigen Sehenswürdigkeiten der Stadt erkunden kannst. Dazu gibt es noch den Maschsee. Letztlich bin ich in Hannover auch fußballerisch meine ersten Schritte gegangen. Ich war bei 96 das erste Mal im Stadion und habe dort in der Jugend gespielt.
Instrument: Ich hatte während meiner Zeit bei Dynamo Dresden die Idee, mit dem Klavierspielen anzufangen, aber das blieb nur eine Idee. (lacht) Ich hätte gedacht, dass ich eine Beschäftigung neben dem Fußball brauchen würde, aber ich habe so viel gespielt, dass ich nebenbei nichts mehr Neues lernen wollte. Aktuell versuche ich Dänisch zu lernen, weil meine Freundin von dort kommt. Bisher kenne ich aber erst ein paar Wörter.
Jeremy: Das ist eigentlich mein Rufname. Ich sollte auch Jeremy Kofi und nicht andersherum heißen, aber auf dem Ausweis wurde es vertauscht. (schmunzelt) Als ich in der Jugend bei 96 war, sagte mein Trainer, dass Jeremy zum Rufen zu lang sei und fragte mich nach einem anderen Namen. Dann wurde es Kofi. In Dresden kam noch „Amo“ dazu, was ich am besten finde.
Kovac: Niko Kovac hat mich beim VfL Wolfsburg zu den Profis hochgeholt. Unter ihm durfte ich in der Bundesliga debütieren und wurde noch ein weiteres Mal eingewechselt. Leider lief es für uns als Team sportlich nicht so rund, weshalb er letztlich gehen musste. Ich habe ihn und seinen Bruder Robert aber als sehr korrekte Typen wahrgenommen. Ich bin gespannt, ob er mich am 1. Spieltag noch wiedererkennt, wenn wir in Dortmund zu Gast sind.

Leistungstests: Das gehört ehrlicherweise nicht unbedingt zu meinen Lieblingseinheiten, aber als Profi gehören diese Tests zum Start in die Saison einfach dazu und sind ein wichtiger Bestandteil der Vorbereitung.
Morgenroutine: Ich brauche morgens etwa 15 bis 20 Minuten, um richtig wach zu werden. Meist scrolle ich in der Zeit durch TikTok und schaue mir ein paar Videos an. Was ich auf keinen Fall brauche, ist Kaffee – der schmeckt mir einfach nicht. (lacht)
Neuzugang: Als Neuzugang steht man anfangs immer etwas mehr im Spotlight. Ich bin aktuell halt der Neue. Aber ich bin ein lockerer Typ und freue mich darauf, die anderen kennenzulernen. Ich habe generell kein Problem damit, mich an einem neuen Ort einzuleben. Vor allem in Hamburg wird es mir leicht fallen, weil ich schon oft hier war.
Onkel: (schmunzelt) Fabio Balde, den ich bereits kenne, nennt mich so. Wir haben uns eben vor dem Interview kurz gesehen und da hat er mich auch mit „Onkel“ begrüßt. Ich hatte in der Jugend schon früh einen ausgeprägten Körper und war physisch weiter als die meisten anderen Spieler. Aus diesem Grund dachten sich Fabio und Noel Aseko (FC Bayern München; d. Red.), mich Onkel zu nennen.
Pit: Ich habe Pit Reimers viel zu verdanken, weil ich unter ihm meinen Durchbruch gefeiert habe. Als wir uns in Osnabrück das erste Mal gesehen haben, war er noch nicht als neuer Trainer vorgestellt worden. Ich kannte ihn bis dahin also nicht, aber er mich schon, weil er mich mal in einem Spiel von Wolfsburgs U19 in Hamburg gesehen hatte. Das hat mir direkt ein gutes Gefühl gegeben. In seinem ersten Spiel hat er mich dann auch direkt eingesetzt. Er war bisher der coolste Trainer meiner Karriere, leider war es sportlich eine schwierige Zeit und er blieb nicht lange. Als ich in der vergangenen Saison mit Dresden gegen Paderborn gespielt habe, wo er jetzt Co-Trainer ist, haben wir uns wieder gesehen und ich habe ihm als Dank mein Trikot gegeben.
Quizzen: Wenn es sich um ein Fußball-Quiz handeln würde, würde ich mich gut schlagen. Im Fußball kenne ich mich aus. Ich spiele häufiger EA FC (Fußballsimulation; d. Red.), weshalb mir die meisten Namen ein Begriff sind. Sonst wäre Quizzen eher nichts für mich. Auch Gesellschaftsspiele mit ein paar Ausnahmen nicht.
Rückennummer: Ich hätte die 6 genommen, wenn sie frei gewesen wäre, aber mit Sambi belegt sie schon ein sehr guter Spieler. Meine Alternative ist die 22. Einerseits bin ich Fan von Jude Bellingham, der diese Nummer in Dortmund getragen hat. Andererseits ist Lars Bünning ein sehr guter Kumpel von mir, mit dem ich gemeinsam in Dresden gespielt habe. Leider hat er vor Kurzem mit der Hirnblutung einen schweren Schicksalsschlag erlitten. Er kommt aus der Nähe von Hamburg, ist HSV-Fan – und als ich gesehen habe, dass er mal beim 1. FC Kaiserslautern die Nummer 22 hatte, war für mich klar, dass ich sie nehmen muss.

Sammelkarte: Ich finde es cool, dass der HSV die Neuzugänge in dieser Saison auf diese Weise vorstellt. Ich hätte meine Sammelkarte am liebsten gleich behalten. Als Kind habe ich immer gesammelt, bin mit einem Euro zum Kiosk gegangen und habe gehofft, dass ich Cristiano Ronaldo oder Messi ziehe. Heute sammle ich aber nicht mehr – Geldverschwendung. (lacht)
Torhymne: Ich feiere die HSV-Torhymne sehr. Das war schon immer so. Ich erinnere mich noch daran, dass wir früher bei Hallenturnieren häufig gegen den HSV gespielt haben und dieser Sound oft kam. Das fand ich überragend. Später im Herrenbereich habe ich Mitspieler kennengelernt, die mir erzählt haben, dass sie schmunzeln mussten, wenn sie im Volkspark ein Gegentor kassiert haben – einfach wegen der Hymne.
Urlaubsort: Auf meiner Bucket-List steht Japan ganz oben, weil ich Anime-Fan bin. Thailand könnte ich mir auch gut vorstellen. In diesem Sommer war ich erst auf Kos, dann in Barcelona und danach in Marbella. Dort habe ich zufällig Jordan (Torunarigha; d. Red.) getroffen. Ich fand es auch auf Santorini sehr schön. Dort war ich 2024 mit meiner Freundin.
Vorbild: Mein Lieblingsspieler war früher Lars Stindl, als er noch für Hannover 96 gespielt hat. Umso besonderer war es, dass er später bei der U20 des DFB mein Co-Trainer war. Ich habe ihm natürlich erzählt, dass ich als Kind ein großer Fan von ihm war. Das war schon ein besonderer Moment.
Werdegang: Zuletzt ging es für mich immer einen Schritt weiter nach oben. Im Sommer 2024 habe ich mich von Wolfsburg in die 3. Liga nach Osnabrück verleihen lassen, um mehr zu spielen. Das hat geklappt. Anschließend ging es für mich weiter in die 2. Bundesliga nach Dresden, wo ich wieder viel gespielt habe. Bei beiden Stationen habe ich gemerkt, dass ich mich erst einmal durchsetzen musste. Ich hatte noch lange den Jugendfußball im Kopf und musste mich an den Herrenbereich gewöhnen. Doch je mehr Minuten ich gesammelt habe, desto mehr habe ich gemerkt, dass ich auf diesem Niveau bestehen kann. Jetzt bin ich beim HSV und möchte wieder den nächsten Schritt gehen und zeigen, wo ich stehe.
xGoals: Ich weiß, dass Daten generell wichtig für Coaches und Athletiktrainer sind. Ich selbst gucke mir immer gern die Laufdaten an, weil es mich interessiert, ob mich mein Gefühl im Spiel täuscht oder nicht. Darüber hinaus spielen Statistiken keine allzu große Rolle für mich. Ich höre eher auf mein Gefühl.
Yoga: Yoga ist nicht wirklich mein Ding. Ich habe nicht so viel Spaß dabei, auch wenn es gut für den Körper ist. Pilates habe ich auch schon ausprobiert. Man unterschätzt, wie anstrengend es ist. (schmunzelt) Ich bin allerdings lieber klassisch im Kraftraum unterwegs.
Ziele: Ich denke nicht so sehr langfristig, sondern Schritt für Schritt. Nach den vergangenen Stationen möchte ich nun bei einem Verein länger bleiben. Ich will mich beim HSV durchsetzen. Höhere Ziele kann man sich immer noch später setzen.
