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18.10.2026
Muheim vs. BaWü reloaded
Der Schweizer zeichnet zum zweiten Mal in Serie gegen Bundesligisten aus Baden-Württemberg für einen emotionalen Siegtreffer verantwortlich und steht damit sinnbildlich für den zuletzt gezeigten Turnaround der Polzin-Elf mit drei Ligasiegen in Folge.
Als hätte Miro Muheim in Hoffenheim nicht schon für genug Irrsinn gesorgt, setzte er am Sonnabend noch einen drauf. Weiter, schneller, lauter – lässt sich die Steigerung binnen einer Woche kurz und knapp zusammenfassen. Die Nummer 28 hatte in der Vorwoche für ein leichtes Beben in Sinsheim gesorgt, als sein Abschluss von der Strafraumkante mit 105 Kilometern pro Stunde in der vierten Minute der Nachspielzeit zum 3:2-Auswärtssieg einschlug und die Herzen von 10.000 mitgereisten HSV-Fans höherschlugen. Nun waren es beim 1:0 gegen den VfB Stuttgart fast sechsmal so viele im Volksparkstadion. Nach Zuspiel von Zakaria El Ouahdi legte sich Muheim in der 88. Minute das Spielgerät mustergültig vor und drückte ab. Aus 25 Metern und mit 117 km/h setzte er den Ball raketenartig in die rechte Seite. Keeper Dennis Seimen blieb keine Chance. Muheim zündete die Massen an, als würde gerade Silvester gefeiert werden. Sein explosionsartiger Jubel mit einem Sprung und einem lauten Schrei passte rein in das stimmungsvolle Tollhaus namens Volksparkstadion.
Muheim war die Unwirklichkeit nahezu ins Gesicht geschrieben. Beim Abpfiff blieb ihm nicht mehr viel übrig, außer die Hände über dem Kopf zusammenzuschlagen. In dem Moment sei „die ganze Anspannung abgefallen“. Auch noch in den Minuten danach habe er nicht begreifen können, was kurz zuvor passiert ist. Schon wieder. Schon wieder er. Zweimal in Folge sorgte er nun für den Siegtreffer. Wie die Tore fielen, ist mehr als die Kirsche auf der Sahnetorte. „Er hat einen unglaublichen Huf und sorgt immer für Gefahr“, freute sich Daniel Heuer Fernandes mit seinem Teamkollegen. Yussuf Poulsen verriet derweil, dass er sich schon bei Muheims Ballannahme zum Jubeln bereitgemacht hätte. So viel Vertrauen hat er in den linken Fuß des Schweizers, der nicht erst am Sonnabend und in der Woche zuvor für Kunststücke verantwortlich war.
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Derweil dürfte sich der VfB Stuttgart wie im falschen Film vorgekommen sein. Denn schließlich hatten die Schwaben im November 2025 schon einmal ein ähnliches Drama erlebt, als Fabio Vieira in der vierten Minute der Nachspielzeit den 2:1-Siegtreffer für den HSV erzielte und für einen der spektakulärsten Momente der vergangenen Saison sorgte. Die Parallelen zwischen den Spielverläufen sind ein wenig erschreckend. In beiden Partien waren die favorisierten Stuttgarter die spielbestimmende Mannschaft, die immer wieder gefährlich vors Tor kam. Doch scheiterten sie am eigenen Unvermögen und am herausragend parierenden Heuer Fernandes. Seine größte Glanztat zeigte er in der 58. Minute nach einer Direktabnahme von Deniz Undav. Ebenjener Undav traf in der 39. Minute nur den Pfosten. Auch Ermedin Demirovic (27., 53.) und Dzenan Pejcinovic (85.) ließen Hochkaräter liegen. Die Rothosen hielten die Druckphasen der Stuttgarter aus und kamen selbst zu guten Möglichkeiten. Poulsen traf die Latte und kurz darauf aus spitzem Winkel mit dem Kopf den Außenpfosten (53., 58.). In der ersten Halbzeit wäre beinahe ein Kopfball von Sebastiaan Bornauw unter Mithilfe von Fabio Vieira im Tor gelandet (26.). Als alles auf eine Punkteteilung hindeutete, schlug Muheim in der Schlussphase doch noch zu. Die Hamburger feierten ihren dritten Bundesliga-Sieg in Folge – zuletzt hatte es das in der Saison 2010/11 unter Armin Veh gegeben.
Der VfB erzielte übrigens zum ersten Mal seit über anderthalb Jahren kein Auswärtstor. Auch dafür kann sich der Defensivverbund der Rothosen selbst auf die Schulter klopfen. „Es ist schön zu sehen, wie die ganze Mannschaft kämpft. Wir hatten mehrere Spieler mit Krämpfen in der Schlussphase, die trotzdem bis zum Ende weitergemacht haben. Das ist genau die Mentalität, die wir brauchen, um gegen solche Mannschaften zu gewinnen. Es zeichnet uns aus, dass wir alle füreinander da sind“, sagte Angreifer Poulsen. Dabei musste der HSV bekanntlich auf seinen personifizierten Staubsauger vor der Abwehr verzichten: Nicolai Remberg. „We’ll never let you down“, steht auf einem Zettel, den die Mannschaft an den Spind des Kapitäns gehängt hat. Vor Anpfiff wärmten sich die Spieler im Remberg-Trikot mit der Rückennummer 21 auf. Danach hielten sie es hoch, als würden sie sagen wollen: Dieser Sieg war auch für dich, „Rambo“!
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Längst ist der misslungene Saisonstart mit drei sieg- und torlosen Partien Geschichte. Der Wind hat sich gedreht. Der HSV hat sich von den ersten Ergebnissen nicht aus der Bahn werfen lassen und darauf vertraut, dass der Umschwung kommen würde, wenn die Rädchen ineinandergreifen zu beginnen. „Man hat gemerkt, dass wir immer besser in die Abläufe finden und wir immer besser wissen, wie wir zusammenspielen müssen“, meinte Bornauw, seines Zeichens einer von acht Neuzugängen in der vergangenen Sommer-Transferperiode, zu denen sich noch zwei Festverpflichtungen gesellen. Cheftrainer Merlin Polzin sieht sich nach Sonnabend einmal mehr darin bestätigt, „dass der HSV mit seiner Art in der Bundesliga bestehen kann“.
Zumal der gebürtige Hamburger und sein Trainerstab den zur Vorsaison verstärkten Kader zuletzt perfekt einzusetzen wissen. Beispiele gefällig? Den Ausfall von Remberg kompensierten im zentralen Mittelfeld neben dem positionsfremd eingesetzten Muheim die beiden auffälligen französischen Neuzugänge Bilal Nadir und Martin Adeline. Zudem bereiteten mit Comebacker Albert Grönbaek und El Ouahdi zwei Einwechselspieler den Treffer zum 1:0 vor, womit das Trainerteam ebenso wie in Hoffenheim, als Terem Moffi und Muheim als Joker stachen, ein goldenes Händchen bewies und den Sieg von der Bank einwechselte.
Die nächste Aufgabe wartet am kommenden Sonnabend (24. Oktober) um 15.30 Uhr beim Aufsteiger SC Paderborn. Könnte zum ersten Mal seit mehr als 17 Jahren der vierte Bundesliga-Sieg in Folge gelingen? Abwarten, was Muheim und Co. dann bereithalten.
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