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Funke entzündet - Einheit weiter stärken!

Nachbericht

28.01.18

Funke entzündet - Einheit weiter stärken!

Mit dem ersten Punktgewinn nach einem Rückstand hat der Hamburger SV in Leipzig ein Lebenszeichen gesendet. Trainer Bernd Hollerbach und seine Schützlinge wollen auf diesen Teilerfolg aufbauen, um auch die nächste schwere Aufgabe zu bewältigen.   

Am Tag nach dem hart umkämpften Punktgewinn in Leipzig ging es für die Rothosen gesammelt aufs Trainingsgelände am Volksparkstadion. Ähnlich einsatzfreudig wie beim gestrigen Auftritt präsentierten sich die HSV-Profis auch bei der achten Trainingseinheit der Woche. Im Elf gegen Elf auf vier Mini-Toren wurde fleißig an den Basics gearbeitet - Spielverlagerung, Passspiel, Torabschluss. Nach 45 Minuten war für die gestrige Startelf die Einheit beendet, während die weiteren Akteure - namentlich Hahn, Holtby, Ito, Janjicic, Mavraj, Mickel, Pfeifer, Pollersbeck, Schipplock, Thoelke und Waldschmidt - eine zweite Schicht einlegten. In einer Überzahl-Spielform ging es ordentlich zur Sache, ehe nach insgesamt 90 Minuten auch für die letzten Rothosen der Arbeitstag verschwitzt zu Ende ging. Die Sonntags-Botschaft aus dem Volkspark war damit klar: Der Punkt in Leipzig war ein Lebenszeichen, schwere Wochen und damit intensive Arbeit stehen bevor! 

HSV.de blickt noch einmal auf das gestrige Spiel zurück, beleuchtet die Personallage und wagt einen Ausblick auf die kommende Woche.

Filip Kostic gab die meisten Torschüsse (4) der Rothosen ab. Sein wichtigster Schuss landete in der 29. Minute zum 1:1-Ausgleich im Netz.

Zum Spiel: Trainer-Debütant Bernd Hollerbach nahm im Vergleich zur letzten Partie gleich fünf personelle Änderungen in der Startelf vor und schickte seine Mannschaft in einem neuen, flexiblen 5-3-2-System ins Spiel. Die Hamburger wurden dennoch vom Vize-Meister eiskalt erwischt, als Außenverteidiger Bruma bereits in der 9. Minute per Kopf die 1:0-Führung erzielte. "Am Anfang hat man gemerkt, dass die letzten Wochen an dem Team genagt haben und Verunsicherung herrschte", erklärte Hollerbach am Tag nach der Partie. Sein Team konnte sich anders als im bisherigen Saisonverlauf von diesem Rückstand aber erholen und kam in der 29. Minute nach einer sehenswerten Kombination  durch Filip Kostic zum Ausgleich. "Das Tor war schön herausgespielt und hat die Fesseln gelöst. Danach haben wir befreiter aufgespielt", so der 48-Jährige. 

In der Tat agierten die Hamburger ab diesem Zeitpunkt und bis zum Schluss der Partie ebenbürtig. Immer wieder im Blickpunkt des Geschehens war dabei Torschütze Filip Kostic, für den Hollerbach neben Bobby Wood als zweite Spitze eine neue Position vorgesehen hatte: "Ich wollte ihn nicht nur auf dem Flügel beschränken, sondern als Freigeist agieren lassen. Er ist körperlich gut in Form, hat einen guten Abschluss und deshalb hat er in der Spitze gespielt." Körperlich in einem guten Zustand präsentierte sich nicht nur Kostic, sondern das gesamte Team. Als Einheit wollten die Rothosen auftreten und als Einheit spulten sie starke 118 Kilometer ab - 4.000 Meter mehr als der Gegner aus Leipzig. Dadurch konnte der HSV erstmals in dieser Saison nach einem Rückstand noch etwas Zählbares mitnehmen und sendete ein echtes Lebenszeichen im Kampf um den Klassenerhalt. 

Walace überzeugte in der Startelf mit kompromissloser Zweikampfführung und viel Präsenz.

Zur Personallage: Bernd Hollerbach musste sich in kurzer Zeit einen Überblick über sein neues Team verschaffen und viele offene Fragen klären - Kapitänsfrage, Torwartfrage, Personalfragen. Den zuvor wechselwilligen und aussortierten Brasilianer Walace konnte der 48-Jährige dabei zum Verbleib umstimmen und beorderte ihn zurück in die Startelf. "Ich bin ohne Vorurteile an die Personalie herangegangen. Wir hatten ein gutes Gespräch und er hat sich geöffnet. Ich kenne seine Problematik, seine Frau ist hochschwanger. Brasilianer sind Familienmenschen und diesbezüglich sehr sensibel. Wir haben entschieden, dass er rüber fliegen darf, wenn es mit der Geburt losgeht." Das entgegengebrachte Vertrauen zahlte der 22-Jährige am gestrigen Sonnabend zurück und erhielt ein Lob von seinem Coach. "Er war sehr präsent und hatte eine unheimliche Ausstrahlung."

Im Tor löste Christian Mathenia seinen Konkurrenten Julian Pollersbeck, der zuletzt in Augsburg und Köln erstmals für den HSV zwischen den Pfosten stand, wieder ab und wird auch in Zukunft das Tor hüten. "In der jetzigen Situation haben wir uns für einen erfahrenen Torhüter entschieden, der in einer vergleichbaren Lage in der Vorsaison seinen Mann gestanden hat", erklärte Hollerbach und fand gleichzeitig positive Worte für Pollersbeck: "Ich habe ihm heute gesagt, dass ich gestern gesehen habe, wie er die Mannschaft trotzdem unterstützt hat und sich vorbildlich verhalten hat. Die Jungs auf der Bank haben alle gejubelt und waren in der Kabine glücklich. Nur mit diesem Zusammenhalt werden wir es schaffen." 

"Nur mit diesem Zusammenhalt werden wir es schaffen."

Zusammenhalt ist auch das richtige Stichwort für die kommenden Tage und Wochen. Am Mittwoch schließt das Transferfenster und im Hinblick auf mögliche Verstärkungen oder Abgänge gab Trainer Bernd Hollerbach eine nüchterne und realistische Einschätzung ab: "Der Sportdirektor kennt meine Wünsche, aber es ist auch wirtschaftlich abhängig, ob wir etwas machen können. Ich arbeite jetzt mit den Jungs, die da sind und da versuchen wir das Beste herauszuholen. Und hier möchte ich auch ungern noch einen Spieler abgeben." Unter Umständen kann der neue Trainer dabei in der kommende Woche auch wieder auf Defensivspezialist Albin Ekdal setzen. Der schwedische Nationalspieler absolvierte heute am Rande des Teamtrainings eine individuelle Einheit unter der Anleitung von Reha-Trainer Sebastian Capel. "Es hat sich gut angefühlt. Wir haben erstmals wieder mit dem Ball trainiert", erklärte Ekdal, der sehr zeitnah wieder ins Mannschaftstraining einsteigen könnte. 

Die HSVer zeigten zuletzt eine engagierte Trainingsleistung. Diesen Einsatz will Hollerbach auch ab Dienstag wieder sehen.

Der Ausblick: Der Hamburger SV hat nach dem verpatzten Rückrundenstart in Augsburg (0:1) und gegen Köln (0:2) mit dem 1:1-Unentschieden in Leipzig unter Neu-Trainer Bernd Hollerbach wieder einen Funken Hoffnung entzündet - mehr aber auch nicht. Darüber sind sich alle Beteiligten im Umfeld der Rothosen einig. "Es ist schön, dass wir bei der zweitbesten Heimmannschaft der Liga einen Punkt mitnehmen konnten. Das ist allerdings kein Grund, um jetzt juhu zu schreien", hatte Hollerbach schon gestern im Anschluss an das Spiel in der Pressekonferenz treffend gesagt. Und so passte es ins Bild, dass der ehemalige Bundesliga-Spieler am heutigen Sonntagvormittag das komplette Team zu einer kernigen Einheit aufs Grün bat. "Wir stecken in einer schwierigen Situation, weil wir auf andere Teams angewiesen sind und es nicht in der eigenen Hand haben. Es mag abgedroschen klingen, aber wir müssen erstmal von Spiel zu Spiel denken. Wenn wir dann unsere Punkte holen, werden wir am Ende über den Strich stehen." 

Das nächste Spiel wartet dabei exakt in einer Woche auf die Rothosen. Am Sonntag (4. Februar, Anstoß: 18:00 Uhr) ist Aufsteiger Hannover 96 zum kleinen Nordderby im Volksparkstadion zu Gast. Auch auf diese Aufgabe werden sich die Hamburger wie zuletzt mit einer intensiven Trainingswoche vorbereiten, die dieses Mal nach einem trainingsfreien Montag am Dienstag beginnen wird. "Die Jungs haben in der letzten Woche richtig Gas gegeben. Jeder war bemüht. Es war nicht einfach, den Kader zu benennen. Nächste Woche kann es schon wieder anders aussehen. Jeder Spieler ist wichtig und wird gebraucht. Das wissen die Jungs", setzt Hollerbach auf gesunden Konkurrenzkampf und eine geschlossene Einheit, die weiter gestärkt werden soll. "Wir glauben an uns. Der Glaube ist wichtig. Wir müssen als Verein ganz eng zusammenstehen!"  

 

Die Presserunde mit Trainer Bernd Hollerbach nach dem Spiel in Leipzig seht ihr bei HSVtv.