
HSV-Frauen
13.05.26
Annaleen Böhler: Zwischen Saisonfinale und Abitur
Die Verteidigerin hat den Klassenerhalt mit den HSV-Frauen und ihre Abschlussprüfungen fest im Blick. Im Interview spricht sie über das Saisonfinale, den Support der Fans und ihr Abitur.
Ganz besondere Tage für die HSV-Frauen und Innenverteidigerin Annaleen Böhler. Die 20-Jährige traf in den vergangenen beiden Auswärtsspielen in Nürnberg (1:0) und in Köln (1:2) jeweils per Kopf und trifft nun im Saisonfinale am Sonnabend (Anstoß um 14 Uhr, jetzt Tickets sichern) auf den deutschen Meister FC Bayern München – jenen Club, bei dessen zweiter Mannschaft sie von 2021 bis 2023 ihre ersten Schritte im Frauenfußball machte. Und damit nicht genug: Für die gebürtige Kielerin stehen dieser Tage mit ihren Abiturprüfungen weitere Großereignisse an. Wie sie das alles unter einem Hut bekommt und emotional verpackt, darüber sprach Böhler im Gespräch mit HSV.de.
HSV.de: Annaleen, der Sonntag wird zum großen HSV-Erlebnis im Volkspark. Dabei wird der bisherige Zuschauer-Rekord von 12.276 Besuchern bei einem Bundesliga-Spiel der HSV-Frauen geknackt werden. Was bedeutet euch der Support der HSV-Fans?
Annaleen Böhler: Das ist etwas ganz Großes. Der Support bedeutet uns sehr viel und gibt uns unglaublich viel Energie. Man merkt, dass die Menschen hinter uns stehen. Dafür sind wir sehr dankbar. Egal wo wir spielen – ob in München oder Freiburg – so viele Fans nehmen selbst die weitesten Wege auf sich. Wenn man aus dem Spielertunnel kommt und die Menschen sieht, hat man direkt ein Lächeln im Gesicht. Man möchte den Fans auch etwas zurückgeben für das, was sie in dieser Saison für uns getan haben.
Du hast zwischen 2021 und 2023 in der zweiten Mannschaft des FCB gespielt. Wie besonders ist es für dich, gegen die Münchnerinnen im Volkspark aufzulaufen?
Jedes Spiel mit dem HSV im Volksparkstadion ist besonders. Aber natürlich ist es für mich noch einmal spezieller, gegen meinen Ex-Verein zu spielen. Ich bin mit dem Wechsel in die zweite Mannschaft einen wichtigen Schritt gegangen und habe mich in der 2. Liga etabliert. Ich habe viel Spielzeit im professionellen Bereich gesammelt und konnte zudem sehen, wie die erste Mannschaft tagtäglich arbeitet. Zu ihnen habe ich damals aufgeschaut.
Der FC Bayern München ist erneut Meister geworden und ist der absolute Ligaprimus. Wie wollt ihr das Spiel angehen?
Wir wissen, dass Bayern ein extrem starkes Team mit enormer Qualität ist. Es wird darauf ankommen, dass wir an unsere 100 Prozent kommen. Wir schauen vor allem auf uns und wollen es Bayern so schwer wie möglich machen.

Am Sonntag werdet ihr auch vom gesamten Männerteam des HSV und dem Trainerstab unterstützt. Wie habt ihr diese Nachricht aufgenommen?
Die Nachricht hat uns sehr gefreut. Das ist etwas ganz Besonderes. Dabei spürt man den Zusammenhalt im Verein. Es ist schön zu sehen, dass das Männerteam uns unterstützen wird. Wir freuen uns darauf.
Inwieweit lauft ihr euch auf dem Gelände über den Weg?
Wir laufen uns immer mal wieder über den Weg – sei es beim Mittagessen oder auf dem Weg vom Stadion zum Campus. Es gibt immer wieder Momente, in denen man miteinander spricht. Man merkt, dass die Mannschaften eine Familie sind. Es gibt definitiv Schnittstellen.
Ein letztes Spiel wartet auf euch. Wie blickst du auf die bisherige Saison und speziell auf die jüngsten Partien zurück?
Wenn ich auf die Saison zurückblicke, war es eine sehr intensive Zeit mit vielen Höhen und Tiefen. Mit dem Start gegen Wolfsburg und dem 3:3-Unentschieden hätte kaum jemand gerechnet. Die 2:6-Niederlage in Freiburg war so etwas wie der Tiefpunkt. Dafür hat uns der 1:0-Auswärtssieg in Leipzig einen riesigen Aufschwung gegeben. In den letzten drei Spielen ist mit dem neuen Trainerteam zudem neue Energie reingekommen. Wir agieren auf dem Platz als Team. Jetzt wollen wir die Saison am Sonntag positiv zu Ende bringen.
Du konntest der Mannschaft zuletzt mit deinem 1:0-Siegtreffer in Nürnberg und dem zwischenzeitlichen 1:1-Ausgleich in Köln helfen.
Ich freue mich über jedes Tor, mit dem ich der Mannschaft helfen kann. Das sind pure Emotionen. Besonders gefreut hat mich, dass das Tor in Nürnberg am Ende den Sieg gebracht hat. Gegen Köln war es dagegen unfassbar schade, dass wir noch verloren haben.

Ihr musstet euch nach einem Last-Minute-Gegentor doch noch mit 1:2 geschlagen geben. Was könnt ihr dennoch Positives aus dem Spiel für euch mitnehmen?
Es war nicht unser bester Tag. Im Fußball ist es manchmal so. Wir nehmen daraus mit, dass wir an uns glauben. Obwohl wir kein gutes Spiel gezeigt haben, sind wir zurückgekommen und haben das 1:1 erzielt. Wir müssen daran festhalten, dass wir an uns glauben und etwas bewirken können – egal, wie wir spielen. Wir müssen über die 90 Minuten zu 100 Prozent konzentriert sein, damit wir nicht wie in Köln oder in anderen Spielen in der Saison in den letzten Minuten ein Gegentor bekommen.
Neben dem Fußball schreibst du aktuell dein Abitur. Wie sieht dein Alltag mit dem Profisport und der Schule aus?
Der Alltag ist schon intensiv: morgens in der Schule sein, dann schnell zum Training fahren und danach wieder in die Schule und noch einmal lernen. Das ist nicht einfach. Das richtige Umfeld und die Unterstützung jedes Einzelnen haben mir enorm geholfen. Es ist schön, beides unter einen Hut zu bringen.
Deine Mitspielerinnen Jonna und Lotta Wrede gehen auf dieselbe Schule wie du.
Ich habe die beiden oft von der Schule mit zum Training genommen, dadurch sind wir viel ins Gespräch gekommen. Wir tauschen uns generell sehr viel aus und ich bin gut mit ihnen befreundet. Gerade sind beide verletzt, und weil ich selbst in der Jugend häufiger verletzt war, kann ich ihnen mit meinen Erfahrungen vielleicht ein Stück weit helfen. Ich versuche grundsätzlich, für die jüngeren Spielerinnen ein offenes Ohr zu haben und sie auf ihrem Weg zu begleiten. Ich will sie bestmöglich unterstützen.
