skip_navigation

Interview

19.03.26

Zum Ende des Ramadan: HSV-Profis berichten über das Fasten im Fußballalltag

Der Ramadan endet – doch welche Rolle spielt er im Profifußball? Die HSV-Profis Magou Doucoure und Warmed Omari geben Einblicke, wie sie den Ramadan zwischen Training und Spieltag erleben, welche Herausforderungen das Fasten im Profisport mit sich bringt und welche Bedeutung das Zuckerfest für sie hat.

Mit dem Sonnenuntergang des heutigen Tages (19. März) endet der Ramadan – der Fastenmonat der Muslime und eine Zeit der bewussten Lebensführung. Während des Ramadans verzichten Gläubige von der Morgendämmerung bis zum Sonnenuntergang auf Essen, Trinken und andere Genüsse, um Selbstdisziplin zu üben und sich auf das Wesentliche zu besinnen – körperlich wie geistig. Am Ende des Ramadans feiern Muslime das Zuckerfest, ein dreitägiges Fest, das Freude, Dankbarkeit und Gemeinschaft symbolisiert. 

Auch im Umfeld des HSV nehmen Menschen am Ramadan teil. Welche Bedeutung das Fasten für Profisportler im Alltag hat, beleuchtet die HSV.de-Redaktion im Gespräch mit den HSV-Profis Magou Doucoure und Warmed Omari. 

HSV.de: Der Ramadan geht zu Ende – wie schaut ihr persönlich auf diese besondere Zeit zurück?

Magou Doucoure: Der Ramadan ist für mich ein Monat, in dem man versucht, innerlich zur Ruhe zu kommen, mehr zu reflektieren und sich wieder stärker mit seinem Glauben zu verbinden. Für mich geht es im Ramadan vor allem um Spiritualität, Disziplin und Dankbarkeit. Es geht nicht nur darum, auf Essen und Trinken zu verzichten, sondern auch daran zu arbeiten, ein besserer Mensch zu werden – geduldiger zu sein, bewusster zu leben und das wertzuschätzen, was man hat. Vor allem mit den Anforderungen des Profifußballs ist es eine wichtige Phase, die dem Alltag einen ganz anderen Rhythmus gibt.

Warmed Omari: Für uns als Muslime ist der Ramadan und das Fasten eine besondere Zeit, in der wir unserem Gott nahe sind. Wir genießen diese Zeit mit unserer Familie, essen gemeinsam und nutzen die Momente, um ihnen besonders nah zu sein. 

Wie bewältigt ihr in dieser Zeit den Alltag als Profi? Und inwieweit haben sich in dieser Zeit Routinen in eurem sportlichen Alltag verändert? 

Doucoure: Natürlich verändert sich der tägliche Rhythmus ein wenig, weil die Mahlzeiten zu anderen Zeiten stattfinden. Man muss sehr organisiert sein, was Schlaf, Flüssigkeitszufuhr und Ernährung beim Fastenbrechen angeht. Aber mit guter Planung und Unterstützung durch den Staff des Vereins ist das auf jeden Fall machbar.

An Spieltagen ist die Vorbereitung etwas anders, vor allem in Bezug auf Ernährung und Flüssigkeitszufuhr. Wenn ich das Fasten unterbreche, wie etwa im Spiel gegen Bremen, dann achte ich darauf, so zu essen und zu trinken, dass mein Körper sich gut erholt und ich genug Energie für das Spiel habe. Es geht darum, die richtige Balance zu finden, damit ich auf dem Platz meine beste Leistung bringen kann. Insgesamt habe ich im Laufe der Jahre gelernt, damit umzugehen, und mit guter Vorbereitung ist es definitiv möglich, auch während des Ramadans auf hohem Niveau zu spielen. 

Omari: Um ehrlich zu sein – manchmal ist es sehr schwierig, da man schon sehr früh morgens isst und der Körper den Tag über dann keine Nahrung mehr bekommt. Aber es ist auch eine Chance, weil man sich in bestimmten Bereichen verbessern kann und gezwungen ist, diszipliniert und professionell zu handeln. Ich muss ein besserer Spieler werden, damit mein Körper alles leisten kann. Auch meine täglichen Routinen haben sich verändert: Ich esse viel früher als normalerweise und muss genau darauf achten, was ich zu mir nehme, um weiterhin leistungsfähig und fit zu bleiben. Das ist manchmal schwierig, weil man früh aufstehen muss, um zu essen. Der Tagesablauf ändert sich dadurch.

Wie habt ihr die Belastung in Trainingseinheiten und Spielen während des Fastens erlebt?

Doucoure: Als Sportler lernt man, sehr genau auf seinen Körper zu hören. Die ersten Tage können manchmal etwas Anpassung erfordern, aber insgesamt bin ich daran gewöhnt. Ich konzentriere mich darauf, meine Energie über den Tag gut einzuteilen und mich am Abend richtig zu regenerieren.

Omari: Es ist jedes Jahr eine Herausforderung, zu spielen, ohne zu essen, und den Körper voll einzusetzen. Aber inzwischen mache ich das schon seit einigen Jahren und mittlerweile klappt es gut. Der Club unterstützt uns dabei und erlaubt es uns, während des Ramadans zu handeln.
Es gibt auch andere Spieler, die fasten und wir können uns dann gut austauschen. Es hilft mir, zu wissen, dass wir beim Training dasselbe durchmachen, und wir unterstützen uns gegenseitig.

Was bedeutet euch der Moment, wenn der Ramadan endet?

Doucoure: Das Ende des Ramadan ist immer ein schöner Moment. Es ist eine Zeit des Feierns, der Dankbarkeit und des Zusammenseins mit der Familie und geliebten Menschen. Es ist auch ein Moment, um darüber nachzudenken, was man in diesem Monat gelernt hat, und zu versuchen, diese Werte auch danach weiter im Leben zu tragen.

Omari: Es ist definitiv besonders. Man isst und trinkt wieder regelmäßig und ist es schön, weil man weiß, dass man etwas Gutes für sich getan hat und seine Religion praktiziert. Wenn der Ramadan vorbei ist, kehrt man wieder in seine gewohnten Routinen zurück, doch die Erfahrungen aus der Zeit bleiben. Jeder Tag kann wie im Ramadan sein – nur ohne Fasten.