
Saison
29.01.26
Jacopo Sala: „Ich möchte meinem Sohn zeigen, wo sein Vater einst gespielt hat“
Jacopo Sala ist der letzte HSV-Torschütze bei einem Punktgewinn gegen den FC Bayern München. Im Interview erinnert sich der Italiener an seinen einzigen Treffer zurück. Zudem verrät er, wie verbunden er mit der Raute heute noch ist.
Die Mundwinkel gehen hoch, als Jacopo Sala das Volksparkstadion sieht. Ein Lächeln breitet sich in seinem Gesicht aus. Dem Italiener wird mehr als zwölf Jahre nach seinem Abschied vom Hamburger SV noch immer warm ums Herz, wenn er sein altes Wohnzimmer vor Augen hat. Sala ist per Videocall mit Blick ins Volksparkstadion zugeschaltet, um mit HSV.de über seine Zeit bei den Rothosen und einen ganz besonderen Moment zu sprechen: Sein Tor beim 1:1 gegen den FC Bayern München im Februar 2012. Der Mittelfeldspieler brachte den HSV mit einem Volley ins lange Eck in der 23. Minute in Führung, bevor Ivica Olic (71.) den Ausgleich erzielte. Es war Salas einziger Treffer für den Club – und zugleich der letzte des HSV bei einem Punktgewinn gegen den deutschen Rekordmeister.

HSV.de: Was geht dir durch den Kopf, wenn du an dein Tor gegen den FC Bayern München zurückdenkst?
Jacopo Sala: Ich bekomme heute noch Gänsehaut, wenn ich daran zurückdenke! Das war ein ganz besonderer Moment für mich und meine Familie. Es war mein erstes Tor im Herrenbereich – und das in einem ausverkauften Volksparkstadion sowie gegen die beste Mannschaft Deutschlands.
Wo ordnet sich dieser Treffer und das 1:1-Unentschieden in deiner Karriere ein?
Natürlich ganz oben! Was ich in diesem Moment gefühlt habe, ist unbeschreiblich. Das Stadion war komplett voll und ist ausgerastet. Wie gesagt, es war mein erstes Tor im Herrenbereich. Zudem war der Gegner unglaublich gut. Die Bayern hatten großartige Spieler wie Robben, Ribery, Schweinsteiger, Neuer, Müller, Kroos oder Alaba in ihren Reihen. Allein wenn ich daran denke, gegen wen ich getroffen habe, ist dieses Tor die schönste Erinnerung meiner Karriere.
Der HSV war deine erste Station im Herrenbereich, nachdem du dich im Sommer 2011 als 19-Jähriger für einen Wechsel von der zweiten Mannschaft des FC Chelsea ins Volksparkstadion entschieden hattest. Was war ausschlaggebend dafür?
Frank Arnesen war der Hauptgrund. Er wurde Sportchef beim HSV und erklärte mir, es wäre ein guter Schritt für mich, auch dorthin zu kommen. Der HSV sei ein großer Verein und ich könne mich weiterentwickeln. Ich hatte viel Vertrauen in Frank, aber er hatte ebenso viel Vertrauen in mich. Wir hatten eine gute Verbindung, weshalb ich mich für den HSV entschieden habe. Als ich ein Teil der HSV-Familie wurde, habe ich nachvollziehen können, was Frank zu mir meinte.
Der HSV hat mir geholfen, erwachsen zu werden und den Fußball besser zu verstehen.
In ebenjenem Sommer wechselten auch Michael Mancienne, Jeffrey Bruma, Slobodan Rajkovic und Gökhan Töre vom FC Chelsea zum Hamburger SV. Wie war der Moment, als ihr in der HSV-Kabine wieder vereint wart?
Das war natürlich keine gewöhnliche Situation. (lacht) Für mich war es aber eine gute Sache. Ich war jung und hatte es nicht so einfach mit der Sprache. Dass ich die anderen bereits vorher kannte, hat mir sehr geholfen, in Hamburg anzukommen. Wir konnten uns austauschen und Sachen gemeinsam unternehmen. Ich bin bis heute mit ihnen in Kontakt, wir schreiben ab und an bei Instagram. So ist es aber auch mit den anderen Mitspielern von damals. Beispielsweise hatte ich zu Tomas Rincon, Paolo Guerrero oder Heung-min Son eine gute Verbindung.
Du hast zwei Jahre beim HSV verbracht (21 Pflichtspiele). Wie blickst du auf deine Zeit bei den Rothosen zurück?
Ich habe nichts Schlechtes über die Zeit zu erzählen. Ich habe mich sehr wohl gefühlt. Der HSV hat mir geholfen, erwachsen zu werden und den Fußball besser zu verstehen. Zudem ist Hamburg eine wunderschöne Stadt. Ich möchte unbedingt wiederkommen und mir ein Spiel im Volksparkstadion anschauen. Ich möchte meinem Sohn zeigen, wo sein Vater einst gespielt hat.

Wie verbunden bist du heute noch mit der Raute?
Ich checke immer den Tabellenstand! Leider kann ich mir nicht so viele Spiele anschauen, weil nicht alle im italienischen Fernsehen übertragen werden. Aber ich bin up to date. Auch in der 2. Bundesliga habe ich nachgeguckt, wo der HSV steht. Jetzt gilt es darum, die Klasse zu halten. Der HSV gehört in die Bundesliga. Die Fans sind der Wahnsinn, auf sie kann man sich immer verlassen.
Nach deinem Abschied vom HSV warst du für zehn Jahre ein fester Bestandteil der italienischen Serie A. Dort hast du 154 Pflichtspiele für vier Vereine bestritten. Wie zufrieden bist du mit dem Verlauf deiner Profikarriere?
Das kann sich sehen lassen, oder? (lacht) Spaß beiseite, es fällt mir nicht leicht, darüber zu reden, weil ich sonst emotional werde. Ich bin nicht mehr aktiv, aber die Erinnerungen an die Zeit werden für immer bleiben. Es war eine tolle Reise. Leider hatte ich die eine oder andere Verletzung, aber ich habe immer mein Bestes gegeben. Ich bin wirklich zufrieden mit meiner Karriere.
Heute bist du Assistenztrainer beim italienischen Drittligisten Vis Pesaro. Warum hast du dich dafür entschieden?
Ich möchte eines Tages Trainer werden. Aber erst einmal geht es darum, zu lernen. Es ist eine große Umstellung, nicht mehr als Spieler, sondern als Trainer auf dem Platz zu stehen. Aber mir macht es bislang viel Spaß. Der Sportdirektor von Vis Pesaro ist ein guter Freund von mir und über ihn hatte ich die Möglichkeit, im vergangenen Sommer hierher zu kommen. Zudem hatten der Trainer und ich ein gutes Gespräch. Glücklicherweise war zu der Zeit eine Stelle in einem Stab frei. Wir werden sehen, wo die Reise hingeht. Vielleicht werde ich eines Tages HSV-Trainer. (lacht)
