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Spielbericht Chemnitzer FC - HSV

Spielbericht

11.08.19

8:7 n.E.! HSV kämpft sich in die nächste Pokalrunde

In Chemnitz mussten die Rothosen zweimal einem Rückstand hinterherlaufen und am Ende bis ins Elfmeterschießen. Hinterseer (61.) und Kittel (75.) glichen zunächst zweimal aus. Fein verwandelte am Ende den entscheidenden Elfmeter.

Der HSV steht in der zweiten Runde des DFB-Pokals. Die Rothosen gewannen am Sonntag (11. August) beim Chemnitzer FC nach Elfmeterschießen mit 8:7 (0:0/2:2/2:2). Nach einer torlosen ersten Hälfte, in der die Hecking-Elf zwar das deutliche Übergewicht hatte, aber die wenigen sich bietenden Chancen nicht nutzte, ging der Gastgeber mit seiner ersten Möglichkeit in Führung. Ein umstrittener Handelfmeter, verursacht durch (die Rippen von) Rick van Drongelen, verwandelte Dejan Bosiz in der 57. Minute. Lukas Hinterseer antwortete nur fünf Minuten später mit seinem ersten Pflichtspieltreffer im HSV-Dress (62.) zum 1:1. Matti Langer brachte den Drittligisten dann per Kopf im Anschluss an eine Ecke wieder in Front (68.), ehe Sonny Kittel mit einem direkten Freistoßtor, wiederum nur kurze Zeit später, erneut ausglich (75.) und den HSV damit in die Verlängerung brachte.

In dieser passierte nichts, so dass am Ende das Elfmeterschießen die Entscheidung bringen musste. Von den ersten fünf Hamburger Schützen scheiterte nur Khaled Narey am Chemnitzer Keeper Jakubov, Kittel, Hinterseer, Wintzheimer und Jairo verwandelten sicher. Bei den Hausherren konnte neben Clemens Schoppenhauer schließlich auch Sören Reddemann im vorletzten Versuch den Ball nicht im Kasten unterbringen, so dass der letzte Schuss - nachdem auch Rick van Drongelen traf - von Adrian Fein die Rothosen in die nächste Runde brachte. Das Ende eines echten Pokalkrimis.

David Kinsombi stand erstmals in dieser Saison in der Anfangsformation des HSV, war direkt ein Aktivposten und hatte mit diesem Kopfball die erste Chance des Spiels.
David Kinsombi stand erstmals in dieser Saison in der Anfangsformation des HSV, war direkt ein Aktivposten und hatte mit diesem Kopfball die erste Chance des Spiels.

Torlos in die Pause...

Dieter Hecking zeigte bereits mit seiner Aufstellung, welche Bedeutung er dem Pokalduell beim Drittligisten aus Chemnitz beimaß, denn der Coach des HSV schickte seine Siegermannschaft aus dem Nürnberg-Spiel ins Rennen. Einzig auf seinen Kapitän musste Hecking verzichten, da Hunt aufgrund von Leistenproblemen nicht zur Verfügung stand. Für ihn rückte Kinsombi in die Startelf und avancierte direkt zum Aktivposten, der in der Anfangsviertelstunde die ersten beiden Hamburger Torabschlüsse verzeichnete.

Das erste Mal gefährlich wurde es dann in der 21. Minute, als Hinterseer eine Jatta-Flanke haarscharf am langen Pfosten vorbeiköpfte, doch je länger die Partie dauerte, umso besser stellten sich die Hausherrn auf den HSV ein. Die Chemnitzer, die in der vergangenen Saison souverän die Regionalliga-Meisterschaft einfuhren und seitdem in der 3. Liga an den Start gehen, schafften es in der Folge sichtbar besser, in ihrem 5-4-1-System das Tempo aus dem Hamburger Angriffsspiel zu nehmen und die Rothosen vom eigenen Tor fernzuhalten. Einzig ein Dudziak-Schuss sorgte noch einmal für Gefahr, doch der rechte Pfosten verhinderte in der 38. Minute die Hamburger Pausenführung, die trotz der taktischen Disziplin des Chemnitzer FC angesichts von 66 Prozent HSV-Ballbesitz und 6:2-Torschüssen zugunsten der Rothosen absolut legitim gewesen wäre. So aber ging es nach 45 an Höhepunkten etwas armen Minuten torlos in die Halbzeitpause.

Mit einem schulbuchmäßigen Seitfallzieher erzielte Lukas Hinterseer seinen ersten HSV-Pflichtspieltreffer zum 1:1.
Mit einem schulbuchmäßigen Seitfallzieher erzielte Lukas Hinterseer seinen ersten HSV-Pflichtspieltreffer zum 1:1.

...vier Treffer in Hälfte zwei...

Doch das Problem der Höhepunktarmut sollte sich nach dem Seitenwechsel erledigen. Und wie! Wobei die HSVer auf diese Flut an Aufregern gern verzichtet hätten, zumal sie es waren, die als Startschuss der vielen Höhepunkte zu Unrecht ins Hintertreffen gerieten, als Schiedsrichter Dr. Kampka nach einer knappen Stunde zur Überraschung aller Beteiligten gegen van Drongelen auf Handelfmeter entschied. Und damit nahm die wilde Fahrt ihren Lauf, dies war der Startschuss für einen klassischen Pokalfight.

Denn den Strafstoß verwandelte Bozic sicher zur Führung, so dass der HSV nun endgültig gefordert war - und nur fünf Minuten später durch einen wunderschönen Hinterseer-Treffer auch direkt zurückschlug (57., 62.) und in der Folge alles daran setzte, die Partie zu drehen. Aber der Chemnitzer FC als Pokal-Underdog ging in seiner Rolle nun voll und ganz auf, legte in der Defensive eine beherzte Abwehrarbeit an den Tag und schlug sogar vorn ein weiteres Mal zu: Langer machte nach einem Eckball per Kopf das 2:1, das der HSV aber wieder nur wenige Minuten später erneut ausgleichen konnte (68., 75.) - Kittel zauberte einen direkten Freistoß sehenswert unter die Latte und sorgte damit für eine packende Schlussviertelstunde, in der die Hausherrn das 2:2 aber erfolgreich über die Zeit und damit in die Verlängerung retteten.

Am Ende jubelte der HSV, der sich schlussendlich im Elfmeterschießen dieses typischen Pokalkrimis durchsetze. Adrian Fein traf als siebter Schütze. Erster Gratulant: Sonny Kittel.
Am Ende jubelte der HSV, der sich schlussendlich im Elfmeterschießen dieses typischen Pokalkrimis durchsetze. Adrian Fein traf als siebter Schütze. Erster Gratulant: Sonny Kittel.

...Jubel im Elfmeterschießen

In der 30-minütigen Extrazeit waren die Spielanteile eindeutig verteilt, denn der HSV setzte seine Druckphase fort und setzte den aufopferungsvoll kämpfenden CFC in dessen Hälfte fest. Das dritte Tor wollte aber trotz einiger Torabschlüsse nicht fallen, am dichtesten dran war zunächst Narey, der nur hauchzart den rechten Winkel verfehlte. So blieb es hochspannend bis in die Schlussphase der Verlängerung hinein, in der Jairo und Leibold noch einmal das 3:2 auf dem Fuß hatten, es aber um wenige Zentimeter verfehlten, so dass es ins Elfmeterschießen ging.

In dem verwandelte HSV-Mittelfeldmotor Fein um 21.17 Uhr den 14. und entscheidenden Elfmeter eiskalt zum 8:7-Siegtreffer, nachdem Heuer Fernandes zuvor einen Elfmeter gehalten und einen weiteren über die Latte geguckt hatte. Der Rest war große Freude über den Einzug in die zweite Runde, die die Rothosen mit den mitgereisten Hamburger Anhängern teilten, es darüber aber auch nicht verpassten, den großartig kämpfenden Chemnitzer Spielern zu einer starken Leistung und einem tollen Pokalabend zu gratulieren. Auch wenn sie selbst es sicherlich gern etwas weniger dramatisch und kürzer gehalten hätten - am Ende zählte für van Drongelen & Co. einzig das Weiterkommen. Der Termin für die Auslosung der 2. Runde des DFB-Pokals steht noch nicht fest.

Das Spiel im Stenogramm:

Chemnitzer FC: J. Jakubov - Reddemann, Sarmov, Schoppenhauer - Itter, Milde (116.Blumberg), M. Langer (84.Bohl), Tob. Müller, Bonga, Garcia (112.Tallig)- Bozic (74.Sturm)

Hamburger SV: Heuer Fernandes - Gyamerah (106. Wintzheimer), Jung, van Drongelen, Leibold - Fein, Dudziak (83.Jairo), Kinsombi (100.Amaechi) - Jatta (72.Narey), Hinterseer, Kittel

Tore: 1:0 Bosiz (57., HE), 1:1 Hinterseer (61.) , 2:1 Langer (68.), 2:2 Kittel (75.)

Elfmeterschießen: 3:2 Müller, 3:3 Kittel, 4:3 Sarmov, 4:4 Hinterseer, 5:4 Bonga, 5:4 Narey verschießt, 5:4 Schoppenhauer verschießt, 5:5 Wintzheimer, 6:5 Tallig, 6:6 Jairo, 7:6 Itter, 7:7 van Drongelen, 7:7 Reddemann verschießt, 7:8 Fein

Zuschauer: 15.000 (ausverkauft)

Schiedsrichter: Robert Kampka (Mainz)

Gelbe Karten: Itter (90.+5) / van Drongelen (56.), Gyamerah (91.), Fein (111.), Leibold (117.)

Gelb-Rote Karten: - / -

Rote Karten: - / -

 

Das Spiel im Zeitraffer:

Min.
8. Erste Chance für den HSV: Der für Hunt in die Startelf gerückte Kinsombi ist nach einer Flanke von Kittel zur Stelle, köpft aus rund sieben Meter aber zwei Meter über das Tor.
21. Nächste Kopfballchance. Diesmal von Hinterseer. Der Österreicher nimmt einen von der Grundlinie zurückgespielten Jatta-Ball mit dem Schädel, verzieht aber aus gut zehn Metern.
38. Größte Chance für die Rothosen: Kittel setzt sich einmal mehr auf der linken Außenbahn durch, seine flache Hereingabe nimmt Dudziak direkt und schießt aus halblinker Position an den rechten Außenpfosten.
52. Nach einer kurz ausgeführten Ecke und anschließender Kombination über Außen schließt Kinsombi aus elf Metern ab, die Kugel geht aber wieder um eine Meter am Kasten der Chemnitzer vorbei.
57. 1:0! Die Gastgeber gehen aus dem Nichts in Führung: Den ersten guten Schuss auf das Tor des HSV von Bonga wehrt van Drongelen mit der oberen seitlichen Rippe ab. Das Schiedsrichter-Gespann um Dr. Kampka hat es leider anders gesehen und entscheidet auf Handspiel und Elfmeter. Leider falsch! Das ist Bosiz egal, er verwandelt sicher vom Punkt.
61. 1:1! Die Antwort des HSV: Fein spielt einen Zuckerpass in den Strafraum. Hinterseer nimmt das Leder mit der Brust an und schießt aus der Drehung aus gut elf Metern ins Netz.
72. 2:1! Wieder die Führung für Chemnitz. Diesmal brauchen sie nicht die Hilfe des Schiedsrichters. Nach einer Ecke köpft Langer für den Drittligisten ein.
73. Fein kommt aus rund 20 Metern zum Schuss und knallt die Kugel mit voller Wucht auf den CFC-Kasten. Leider gerät sein Strahl zu zentral, so dass Jakubov das Geschoss abwehren kann.
75. 2:2! Und wieder die richtige Antwort des HSV! Kittel schweißt einen Freistoß aus 20 Metern über die Mauer unter die Latte des CFC-Gehäuses.
80. Beinahe das 3:2 für den HSV. Eine butterweiche Flanke von Leibold landet auf dem Kopf des eingewechselten Narey, dessen Versuch von Reddemann auf der Linie geklärt wird.
95. Gute Freistoß-Variante des HSV: Kittel führt von der linken Außenseite nicht wie erwartet direkt in den Fünfer aus, sondern an die Strafraumkante, wo Narey direkt abzieht. Das Leder geht per Aufsetzer knapp am Lattenkreuz vorbei.
120. Fast die Entscheidung in der letzten Minute für den HSV: Amaechi bedient Jairo am Strafraum. Der Spanier schlenzt am rechten oberen Eck nur Zentimeter vorbei.
121. Erste Chance von Chemnitz aus dem Spiel heraus: Reddemann schießt aus gut 18 Metern hauchdünn am langen Pfosten vorbei.
122. Letzte Möglichkeit in der Verlängerung: Leibold schießt aus gut 20 Metern, Jakubov hat ihn aber im Nachfassen. Es gibt Elfmeterschießen - und in dem behält der HSV am Ende das glücklichere Ende für sich.
Chemnitzer FC Statistik zum Spiel Hamburger SV
11 Torschüsse 24
32% Ballaktionen in % 68%
53% Zweikampfquote 47%
76% Passquote 90%
3 Ecken 11
2 Abseits 3
13 Fouls 14

Die Zusammenfassung des Spiels und die kompletten 90 Minuten als Re-Live seht ihr bei HSVtv!

(Kopie 4)