
Interview
05.02.26
Muheim vor seinem 150. HSV-Spiel: „Das bedeutet mir unglaublich viel!“
Linksverteidiger Miro Muheim steht in Heidenheim vor seinem 150. Pflichtspiel mit der Raute auf der Brust. Im HSV.de-Interview spricht der Schweizer über diesen Meilenstein, das besondere Bayern-Spiel auf einer für ihn neuen Position und die Entwicklungsschritte der Mannschaft.
HSV.de: Miro, du stehst vor deinem 150. Pflichtspiel für den HSV. Was geht dir bei diesem Meilenstein durch den Kopf?
Miro Muheim: 150 ist wirklich eine krasse Zahl. Ich kann gar nicht glauben, dass es jetzt schon 150 Spiele sind. Ich bin sehr stolz darauf, diese Anzahl bald für den HSV erreicht zu haben. Als ich damals gewechselt bin, habe ich mir natürlich vorgenommen, die nächsten Schritte zu machen, aber dass ich diesen Meilenstein in den knapp viereinhalb Jahren erreiche, ist besonders.
Mit Bakery Jatta (225) und Daniel Heuer Fernandes (176) haben nur zwei Akteure des Kaders mehr HSV-Spiele absolviert. Was bedeuten dir diese Marke und ganz grundsätzlich dieser Verein?
Das bedeutet mir unglaublich viel! Ich kann mich mit der Stadt, dem Verein und den Fans unglaublich identifizieren. Der HSV ist ein massiver Club und in den vergangenenen Jahren auch zu einem Zuhause für mich geworden.

Dein 149. HSV-Spiel war ein ganz besonderes – das 2:2-Unentschieden gegen den Tabellenführer und Rekordmeister FC Bayern München. Wie blickst du mit etwas Abstand auf diesen magischen Abend im Volksparkstadion zurück?
Es war ein cooler Abend mit einer unglaublichen Stimmung im Stadion. Die Vorfreude vor dem Spiel war riesig und umso schöner ist unsere gezeigte Leistung zu bewerten. Wir können wirklich sehr zufrieden damit sein. Es hat Spaß gemacht, den Bayern so Paroli zu bieten und ihnen etwas weh zu tun.
Inwiefern macht es einen Unterschied, wenn man im Spielertunnel neben Spielern wie Kimmich, Olise oder Kane steht?
Man versucht in jedes Spiel mit der gleichen Einstellung zu gehen. Aber es wäre gelogen, wenn es nicht ein besonderer Reiz wäre, gegen solche Top-Spieler zu spielen und zeigen zu können, was man kann.
Du hast in dem Spiel in einer etwas veränderten Rolle gespielt: Wie hast du das wahrgenommen und wie hat sie dir gefallen?
Es war etwas Neues, weil ich im Mittelfeld war. Die Trainer haben das top vorbereitet und kommuniziert. Mir hat es sehr viel Spaß gemacht, weil ich auch mit dem Ball etwas offensiver agieren konnte, etwa, indem ich viele Bälle aus dem Zentrum nach vorne spielen konnte. Auch in der Verteidigung hat es Spaß gemacht. Unsere Idee war es, Olise aus dem Spiel zu nehmen, indem wir ihn doppeln, und das hat mit Willi (William Mikelbrencis, Anm. d. Red.) sehr gut geklappt.

Mit Ausnahme der abgesagten Partie gegen Bayer 04 Leverkusen habt ihr gegen alle Teams inzwischen mindestens einmal gespielt. Nun gab es die ersten drei Rückrundenspiele mit jeweils deutlichen Verbesserungen im Vergleich zum Hinspiel. Wie viel Mut gibt das für die kommenden Aufgaben?
Das sollte uns viel Mut geben. Wir haben uns echt weiterentwickelt. Diese Entwicklung ist sichtbar. Nun geht es darum, im Training noch weiter Gas zu geben und immer besser zu werden. Definitiv geben uns solche Spiele wie zuletzt gegen die Bayern sehr viel Energie für die kommenden Aufgaben.
Apropos kommende Aufgaben: Im Februar warten ausschließlich Duelle mit direkten Konkurrenten in der unteren Tabellenregion auf euch: Heidenheim, Union Berlin, Mainz. Worauf kommt es in diesen Spielen an?
Wir wollen gegen diese Mannschaft punkten. Das ist extrem wichtig. Wir müssen in diesen Partien den Kampf annehmen und dürfen nicht ungeduldig werden, wenn es mal länger 0:0 steht, sondern stets daran glauben, dass uns auch spät noch Treffer gelingen können. Gleichzeitig geht es darum, unsere Qualität auf den Platz zu bringen, wie wir es zuletzt gegen Bayern getan haben.
Die Qualität habt ihr bis dato vor allem in den Heimspielen abrufen können. Auswärts fehlt noch der Sieg. Inwiefern ist das ein Thema in der Kabine und habt ihr eine Erklärung dafür?
Ich denke, dass es auch sehr viel damit zu tun hat, wie stark uns unsere Fans in den Heimspielen pushen. Das ist unglaublich und diese Energie spürt man auf dem Platz. Für uns geht es darum, diese Energie, diesen Kampfeswillen auch auswärts auf den Platz zu bringen. Natürlich wollen wir in Heidenheim den ersten Auswärtssieg einfahren und ich bin überzeugt, dass uns das auch gelingen kann.

In der laufenden Bundesliga-Saison hat der HSV-Kader einen neuen Anstrich erhalten. Was denkst du über Leistungsträger wie Luka Vuskovic, Fabio Vieira oder Sambi Lokonga, die anders als du ihre ersten Spiele mit der Raute auf der Brust absolvieren?
Zum einen bringen sie eine unglaubliche Qualität mit und zum anderen einen besonderen Arbeitswillen, jeden Tag besser werden zu wollen. Auch neben dem Platz sind sie für die Mannschaft ausgesprochen wichtig und haben sich sehr gut integriert. Sie versuchen überall zu helfen. Es sind Top-Jungs, die wir dazu bekommen haben.
Wie trägst du als Führungsspieler zur Integration der Neuzugänge bei?
Ich versuche, ihnen das Gefühl zu geben, sich bei uns wohlfühlen zu können. Sei es in der Kabine, aber auch im privaten Umfeld. Es geht bei der Integration auch darum, neben dem Platz Zeit miteinander zu verbringen, mal gemeinsam Essen zu gehen und viel zu reden. In meinen Augen ist es extrem wichtig, sich in einer Gruppe wohlzufühlen, um Leistung erbringen zu können.
Wie schaust du auf die jüngsten, zahlreichen Veränderungen im Winter mit 13 Transferbewegungen?
Es ist sicherlich eine Menge. Wir haben im Sommer schon die Erfahrung mit vielen Zu- und Abgängen gemacht. Durch diese Erfahrung macht es uns die Situation jetzt etwas leichter. Von dem Gerüst unserer Mannschaft sind aber ja noch sehr viele Spieler hier, die jetzt auch dabei helfen, die neuen Spieler in das vorhandene System mit einzubauen. Diesbezüglich machen das Trainerteam und die Analyse auch einen Top-Job: Ich denke, dass die neuen Spieler sehr schnell verstehen, wie wir Fußball spielen wollen und was unsere Idee ist.

Du bist der HSV-Feldspieler mit den meisten Minuten in dieser Bundesliga-Saison – 1.643 sind es an der Zahl. Zudem führst du viele teaminterne Statistiken an und bist auch ligaweit vorn dabei. Wie ist dir persönlich der Übergang von der 2. Liga zur Bundesliga so nahtlos gelungen?
Das hängt in erster Linie von der Mannschaft, den Mitspielern und den Trainern ab. Zu Beginn mussten wir uns sicherlich auch alle an die neue Liga und ein neues Spielsystem gewöhnen, aber mit der Hilfe aller Akteure und einer intensiven und langen Vorbereitung haben wir eine Menge investiert und ein gutes Gefühl dafür entwickelt, wie wir auch in der Bundesliga performen können. Dennoch gibt es als Mannschaft und individuell immer noch Dinge, an denen wir arbeiten wollen und müssen. Ich möchte mich nicht auf guten Leistungen ausruhen, sondern dafür sorgen, dass es noch besser wird und wir als Mannschaft noch erfolgreicher sind.
Abschließend: Was erwartest du für „dein“ Spiel Nummer 150 in Heidenheim?
Uns erwartet ein schwieriges Auswärtsspiel gegen eine laufstarke und kämpferisch gute Mannschaft. Das hat man zuletzt gegen Dortmund gesehen, als sie viele gute Phasen im Spiel hatten. Wir müssen geduldig sein, müssen gegen ihre Konter eine gute Absicherung haben, und zugleich nach vorn Ideen finden, um sie zu knacken.
Vielleicht ja mit deinem ersten Bundesliga-Tor?
(lacht) In meinem 150. HSV-Spiel mein erstes Bundesliga-Tor zu schießen, wäre natürlich überragend und ein Traum. Ab und zu denke ich schon daran, dass mir das erste Bundesliga-Tor noch fehlt. Ich würde es so langsam gern schießen.
