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Saison

18.05.26

Sander Tangvik: Eine mehr als gelungene Premiere

Der Torhüter zeigte beim Auswärtsspiel in Leverkusen (1:1) in seinem ersten HSV-Einsatz eine eindrucksvolle Leistung – und schrieb zugleich Bundesliga-Geschichte.

Der Mensch wächst bekanntlich mit seinen Aufgaben. Und vermutlich hätte kaum eine größere auf HSV-Keeper Sander Tangvik in seinem allerersten Einsatz für die Rothosen zukommen können: In der 25. Minute stand ihm Patrik Schick von Bayer 04 Leverkusen bei einem Elfmeter gegenüber. Jener Patrik Schick, der mit 90 Toren in 170 Bundesliga-Spielen in die Partie gegangen war. Jener Patrik Schick, der bis dahin sieben seiner acht Strafstöße im deutschen Fußball-Oberhaus verwandelt hatte. Da standen sie beide also: Der erfahrene Goalgetter auf der einen Seite, der Neuling im HSV-Tor auf der anderen. Ein paar Schritte Anlauf, Schuss – abgewehrt! Tangvik hatte die richtige Ecke geahnt, war nach links gesprungen und hatte den Ball mit beiden Händen zur Seite abgewehrt.

Der 23-jährige Norweger ist damit der erste HSV-Keeper, der bei seiner Premiere in der höchsten deutschen Spielklasse einen Elfmeter hielt. Vor Tangvik parierten nur 16 Torhüter bei ihrem ersten Bundesliga-Einsatz einen Strafstoß. Zugleich hielt der gebürtige Trondheimer mit seiner Parade den HSV in der Partie, in der es zu diesem Zeitpunkt 0:0 gestanden hatte. Am Ende trennten sich die Clubs nach Toren von Fabio Vieira (61.) und Jarell Quansah (78.) mit einem 1:1-Unentschieden. Tangvik zeigte insgesamt sieben Paraden und war der gefeierte Mann des Tages.

„Ich freue mich sehr, dass Sander die Leistung, die er im Training zeigt, im Spiel bestätigen konnte. Es war eine super Leistung von ihm. Er hat ab dem ersten Training gezeigt, dass sich das Investment in ihn gelohnt hat. Er hat nicht nur ‚Ferro‘ (Daniel Heuer Fernandes; Anm. d. Red.) und die Mannschaft besser gemacht, sondern auch sich selbst. Von Tag zu Tag wurde er besser. Es war nur eine Frage der Zeit, bis wir das über das Trainingszentrum hinaus in Fußball-Deutschland registrieren“, sagte Cheftrainer Merlin Polzin. Unter anderem das Fachmagazin Kicker berief Tangvik in die Elf des Tages – als erst zehnten HSV-Spieler nach dem ersten Bundesliga-Einsatz. Mit Sascha Kirschstein zählt nur ein weiterer Torhüter dazu, der passenderweise ebenfalls bei einem Auswärtsspiel in Leverkusen debütierte (1:0-Sieg im November 2005).

Der Protagonist, der im vergangenen Januar vom Rosenborg BK zum HSV wechselte, zeigte sich überglücklich nach seiner mehr als gelungenen Premiere mit der Raute auf der Brust. „Du gibst nicht jeden Tag dein Bundesliga-Debüt und hast zudem einen guten Auftritt. Ich habe das Spiel sehr genossen, es fühlte sich gut an“, sagte er. Für diesen Moment habe er sehr hart gearbeitet. „Ich versuche immer so hart wie möglich zu arbeiten und ein guter Mitspieler zu sein, der ein Lächeln auf sein eigenes Gesicht und das der anderen zaubert“, beschrieb sich Tangvik. Und wie erlebte er seine Szene des Spiels? „Beim Elfmeter habe ich im Moment entschieden. Ich habe mir tatsächlich vorher im Hotel seine Elfmeter angeschaut“, erklärte er. Mehr könne er nicht verraten, schob er augenzwinkernd nach. 

Nun könnte ein besonderer Sommer auf Tangvik warten: Die Weltmeisterschaft in den USA, Mexiko und Kanada steht an. Der norwegische WM-Kader wird am Donnerstag (21. Mai) ab 20.25 Uhr live im Fernsehen verkündet. Tangvik wurde im vergangenen November das erste und bislang einzige Mal von Nationaltrainer Stale Solbakken nominiert. Bei den Länderspielen im März war er hingegangen nicht dabei. HSV-Coach Polzin verkündete bereits, dass Tangvik bereit sei, „etwas weniger Urlaub zu machen“. Nach seiner Einschätzung könne sich die norwegische Nationalmannschaft auf den Keeper verlassen. Tangviks Auftritt in Leverkusen bezeichnete er als „riesiges Ausrufezeichen“.