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David Bates: "Es ist wichtig, den ersten Ton zu setzen"

Interview

07.03.19

David Bates: "Es ist wichtig, den ersten Ton zu setzen"

Im Interview mit HSV.de spricht der schottische Innenverteidiger über das Old Firm in Glasgow, die besondere Atmosphäre bei Derbys und seine Einstellung zu diesen Spielen.

Wenn einer im HSV-Kader über Derbys sprechen kann, dann ist es David Bates. Dreimal stand der schottische Innenverteidiger bei einem der traditionsreichsten Aufeinandertreffen zweier Stadtrivalen auf dem Feld: Das Old Firm zwischen Celtic Glasgow und den Glasgow Rangers elektrisiert ganz Schottland und ist auch weit über die Grenzen der Insel hinaus bestens bekannt. Im April 2017 durfte Bates im Alter von 20 Jahren beim Duell im Celtic Park vor knapp 50.000 Zuschauern das erste Mal hautnah über 90 Minuten dabei sein. Es war das Halbfinale im SFA Cup und die Rangers verloren mit 0:2. Dennoch wird der mittlerweile 22-jährige Abwehrspieler diesen Auftritt nicht vergessen. „Es sind Spiele, für die du als Fußballer lebst“, sagt er über die besondere Atmosphäre, die auf dem Feld und den Rängen herrscht. Im Interview mit HSV.de äußert sich Bates zudem zu seinen Anfängen in Schottland, seiner Einstellung in den Derbys und seinen Erwartungen an das Aufeinandertreffen mit St. Pauli.

David Bates im Zweikampf gegen einen Celtic-Spieler im Glasgower Derby.
Old-Firm-erfahren: David Bates stand in drei Partien zwischen Glasgow Rangers und Celtic Glasgow auf dem Feld.

David, was war dein erstes richtiges Fußball-Derby, an das du dich erinnern kannst?

David Bates: Das war bei einem meiner ersten Clubs in Schottland. Als ich an Brechin City ausgeliehen war, gab es das Spiel gegen Forfar Athletic. Das kann man auf kleiner Ebene als ein Derby bezeichnen.

Weil es dort hart zur Sache ging?

Die beiden kleinen Städte liegen etwa 20 Kilometer auseinander. Zum Duell kommen immer eine Menge Fans. Damals waren es über 600, was für die 3. Liga sehr viel ist. Bei dem Spiel war eine Menge los, aber richtig intensiv waren natürlich die Duelle zwischen den Rangers und Celtic.

Dreimal hast du mit den Rangers gegen Celtic das Old-Firm-Derby in Glasgow gespielt, das erste Mal 2017. Was waren das für Spiele und welche Erinnerungen hast du daran?

Es sind harte Spiele und immer eine sehr intensive Atmosphäre. Gefühlt hört das gesamte Land in diesen 90 Minuten auf zu arbeiten und alle schauen dieses Spiel. Sobald die Woche am Montag nach dem vorherigen Spieltag beginnt, gibt es wirklich kein anderes Thema mehr, alles steigert sich und wird auf diese 90 Minuten aufgebaut. Alle fiebern diesem Duell entgegen.

Du hast uns erzählt, dass dein Vater dich früher auch zu Spielen der Rangers mitgenommen hat. War dabei auch ein Derby?

Mein erstes Glasgow-Derby live im Stadion war erst als ich bei den Rangers meinen ersten Vertrag unterschrieben hatte. Da bin ich mit meinem Vater dort gewesen als ich verletzt war. Als Kind hat er mich zwar oft mitgenommen, aber wir waren nie beim Derby im Stadion.

Weil es zu gefährlich war?

Nein, zum einen ist es sehr schwer an Tickets zu kommen, zum anderen habe ich immer selber Fußball gespielt, so dass keine Zeit dafür da war. Die besondere Atmosphäre hat man aber dennoch mitbekommen. Jeder spricht darüber.

Magst du diese Atmosphäre?

Du merkst einfach, wie wichtig diese Spiele für die Fans sind. Alle sind total heiß auf die Partie. Ich mag das. Das sind die Spiele, für die du Fußballer geworden bist.

David Bates im Zweikampf mit Dimitrios Diamantakos.
Das Hinspiel endete mit 0:0, dennoch war die Atmosphäre laut Bates, hier im Zweikampf mit Dimitrios Diamantako, beeindruckend.

Jetzt hast du im Hinspiel das Hamburger Derby erlebt. Kann man die beiden vergleichen?

Es ist schon ähnlich, zumal die Fans vom HSV Kontakte zu den Rangers und die von St. Pauli zu Celtic haben. Es ist die gleiche Art der Atmosphäre. Auch hier steigert es sich von Tag zu Tag. Alle fiebern diesem Spiel entgegen.

Wann hast du das erste Mal von der Bedeutung des Hamburger Derby Kenntnis genommen?

Als ich die Gespräche mit dem HSV geführt habe, stand zwar noch nicht fest, in welcher Liga der Verein in der nächsten Saison spielen würde, aber ich habe mich ja bewusst für den HSV entschieden. Deshalb habe ich mich mit meiner Familie auch damit auseinandergesetzt, wie es wäre, in der zweiten Liga zu spielen. Damals haben wir schon über ein mögliches Derby gegen St. Pauli gesprochen.

Hat dich etwas überrascht als du es jetzt live erlebt hast?

Es ist schon sehr intensiv. Vor dem Hinspiel waren über 2.000 Fans bei unserem Abschlusstraining. Das habe ich vorher noch nicht erlebt und das erlebt man auch nicht jeden Tag. Wir wollen ihnen den Sieg schenken, damit sie am Montag erhobenen Kopfes zur Arbeit gehen können.

Was erwartest du für das Rückspiel, das Hinspiel endete ja mit einem 0:0?

Im Hinspiel hatten beide Seiten nicht viele Chancen. Es wird auch diesmal ein schweres Spiel. Die Liga ist insgesamt sehr hart, das sieht man jede Woche. Noch schwerer ist es natürlich auswärts, wenn man in den anderen Stadien spielt, aber unsere Fans werden auch da sein, uns lautstark unterstützen und uns helfen. In diesem Spiel wird es sicherlich auch auf Kleinigkeiten ankommen.

Liegen dir Derbys mit deiner Art Fußball zu spielen?

In einem Derby ist es wichtig, den Ton anzugeben und den ersten zu setzen. „Set the tone“, wie wir in Schottland sagen. Beim ersten Zweikampf, beim ersten Kopfball, beim ersten Pass muss du zeigen, dass du da bist. Das ist in jedem Spiel wichtig, aber gerade in diesen Spielen musst du die Zuschauer damit auf deine Seite reißen. Jeder muss an diesem Tag seine Top-Leistung abrufen. Du brauchst aber keine Extra-Motivation für dieses Spiel. Wenn du aufwachst und weißt, es ist der Derby-Tag, dann bist du heiß - und ich ganz besonders.

Kommt jemand aus deiner Familie zum Derby?

Mein Vater kommt rübergeflogen. Er ist ja regelmäßig bei unseren Spielen. Dieses Match lässt er sich natürlich nicht entgehen. Er mag diese Spiele genauso wie ich. Er war auch schon oft in Schottland bei den Derbys. Es wird sogar bei uns live im TV gezeigt. Das werden alle verfolgen. Meine ganze Familie wird zuhause vor dem Fernseher zuschauen.

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