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Interview

25.08.17

Thomas Johrden: „Es ist immer etwas Besonderes, den Stadtrivalen zu besiegen“

Thomas Johrden ist seit dieser Saison Co-Trainer von Daniel Petrowsky in der U19. Er selbst war sieben Jahre Teil eines Nachwuchsleistungszentrums. Später spielte er vier Jahre für die SV Drochtersen/Assel - Der heutige Gegner der U21. Mit HSV.de hat der 30-Jährige über seine neue Aufgabe, das U19-Derby gegen St. Pauli und die Magie von Drochtersen gesprochen.

HSV.de: Du hast als Aktiver vier Jahre für Drochtersen/Assel gespielt. Bist mit dem Club in die Regionalliga aufgestiegen. Heute trifft die U21 des HSV auf den selbsternannten Dorfklub. Was macht den Verein aus? 

Thomas Johrden: Der Club ist schon etwas Besonderes. Da ist eine Region, die sehr hinter dem Verein steht. Wenn man als Spieler dort aufläuft, seine Leistung bringt und sich mit dem Verein identifiziert, wird diese Leistung so dermaßen honoriert – unabhängig vom Ergebnis. Außerdem ist schon sehr, sehr familiär. Jeder kennt jeden. Das macht den Verein so besonders.

Worauf muss sich die Zweite des HSV auf dem Feld einstellen? 

Der U21 wird kein Zentimeter geschenkt, das ist die Mentalität in Drochtersen. Es ist ein Freitagabendspiel, es ist für Drochtersen ein Derby. Die ganze Region ist sowieso sehr HSV-lastig. Man freut sich immer auf diese Spiele. Drochtersen wird alles in die Waagschale werfen, um dieses Spiel zu gewinnen. Es ist eben reiner Männerfußball, der sehr zweikampfbetont ist. 

Apropos Männerfußball. Diesem kommst du nun als Trainer auch immer näher. In der vergangenen Saison hast du als Assistenzcoach der U14 gearbeitet. Jetzt bist du Co-Trainer von Daniel Petrowsky in der U19. Wo siehst du die größten Unterschiede in der Arbeit mit den verschiedenen Altersklassen? 

Allein wenn man sich die Physis und die Athletik anguckt, da liegen Welten zwischen. Auch der gesamte athletische Bereich und die technischen Fähigkeiten sind weiter ausgeprägt. Aber so soll es ja auch sein. Das Spiel ist auch komplexer, weil es natürlich auch schneller ist. Das Schöne ist aber und da kommt es nicht auf das Alter der Jungs an: Es geht darum, die Jungs zu entwickeln. Auf und neben dem Platz. Und da muss man sich immer auf die unterschiedlichen Gegebenheiten und Merkmale einlassen. 

Ihr seid mit zwei Siegen und einer Niederlage in die Saison gestartet. Wie würdest du den Auftakt bewerten? 

Natürlich sind wir sehr zufrieden mit der Ausbeute von sechs aus möglichen neun Punkten. Noch positiver sehe ich aber die Entwicklung der Jungs. Es war stets eine Leistungssteigerung zu erkennen und das stimmt uns natürlich positiv. Wir hoffen, dass es so weitergeht. 

Heute Abend wartet das Derby gegen den FC St. Pauli. Mit welchen Gefühlen geht ihr als Mannschaft in das Spiel? 

Bei uns herrscht eine positive Anspannung und viel, viel Vorfreude auf das Spiel. So ein Derby ist ja immer mit Emotionen verbunden, gerade für die Jungs, die sich ja alle untereinander kennen. Da möchte keiner als Verlierer vom Platz gehen. Deswegen werden wir alles daransetzen, dieses Spiel zu gewinnen. Auch wenn es nur drei Punkte sind, ist es immer etwas Besonderes, den Stadtrivalen zu schlagen. 

Wie sehr hilft es dir in deiner Trainerarbeit besonders vor solchen Spielen, dass du als Spieler selbst Teil eines Leistungszentrums warst?

Das sind Erfahrungswerte, die durchaus positiv einzubringen sind.  Ich habe diese gesamten Prozesse als Spieler miterleben dürfen. Ich weiß, was die Spieler tagtäglich erwartet und worauf es letztendlich ankommt. Das Gute daran ist, dass ich mich dadurch in bestimmten Situation in die Jungs hineinversetzen kann. Das hilft. 

Was wissen die Jungs eigentlich von deiner Spielerlaufbahn? 

Der eine oder andere hat interessiert nachgefragt. Ich habe daraus auch kein Geheimnis gemacht. Ich habe es aus unterschiedlichen Gründen nicht zum Profi geschafft und mich schon früh dazu entschlossen, mir ein zweites Standbein aufzubauen. Dass es am Ende dann doch noch bis in die Regionalliga ging, war umso schöner. 

Du hast 2014 deine A-Lizenz gemacht. Welche Dinge musstest du in deiner Denkweise vom Spieler zum Trainer umstellen? 

Die Denkweise hat sich schon im Laufe der aktiven Zeit eingependelt. Ich habe parallel zu meiner aktiven Zeit schon die Trainerscheine gemacht und schon geschaut, wie zielführend die einzelnen Trainingseinheiten waren. Auch wenn man nur Spieler war. Aber das hat schon sehr geholfen, die Denkweise nicht von heute auf morgen verändern zu müssen. Denn ist schon ein Kontrastprogramm. Als Trainer ist es deine Aufgabe, Inhalte zielführend zu vermitteln und im Detail daran zu arbeiten. Als Spieler hinterfragst du nicht so viele Dinge. 

Wie funktioniert diese Detailarbeit im Zusammenspiel mit deinem Chefcoach Daniel Petrowsky?

Es ist ganz normal, dass man ein bisschen braucht, um sich kennenzulernen und anzupassen, wenn man neu zusammengestellt wird. Aber das hat bei uns sehr schnell geklappt. Wir haben gemerkt, dass wir auf einer Wellenlänge sind. Wir haben einen guten Austausch und eine gute Kommunikation. Es freut mich einfach, einem so erfahrenen Trainer zur Seite stehen zu können. 

Zum Abschluss: Bist du ein besserer Trainer oder Fußballer? 

Da ich beim Fußball als aktiver Spieler noch ein bisschen mehr Zeit hatte, würde ich sagen, dass wir uns zu diesem Thema noch einmal in zehn Jahren sprechen. Dann wissen wir mehr (lacht).