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Nachwuchs

06.04.22

Mensah: "Wahnsinnig besonderes Erlebnis"

Nachwuchskeeper des HSV feiert Nationalmannschaftsdebüt für das Heimatland seiner Eltern. 

Steven Mensahs Terminkalender hat es aktuell in sich: Unter der Trainingswoche pendelt der etatmäßige U19-Torhüter zwischen der U21 und der A-Jugend, vereinzelt wurde er im Saisonverlauf zudem in das Training der Profimannschaft geworfen. Im März kam dann ein weiteres Highlight für den Schlussmann hinzu, als Mensah zum ersten Mal in seiner noch jungen Karriere in den Kader der A-Nationalmannschaft Togos berufen wurde. Mensah, dessen Eltern gebürtige Togoer und Togoerin sind, verbrachte die Länderspielpause mit dem Team in der Türkei und berichtet nun für HSV.de von seinen Eindrücken.

HSV.de: Steven, herzlichen Glückwunsch zu deiner ersten Nationalmannschaftsnominierung. Wie stark sind die Eindrücke nun wenige Tage nach deiner Rückkehr noch? 

Mensah: Die sind schon noch sehr präsent, auch wenn nach meiner Rückkehr direkt das Derby gegen St. Pauli anstand, was es ein bisschen überlagert hat. (lacht) Die Reise war ein wahnsinnig besonderes Erlebnis für mich. Körperlich und auch für den Kopf anstrengend, aber mit ganz vielen Glücksgefühlen verbunden. Davon werde ich noch eine ganze Weile lang zehren. 

Du hast mit der U23 gegen Tadschikistan (1:0) und Malawi (3:0) gespielt, warst aber auch als Ersatztorhüter im Kader der Profis dabei. Was war der Hintergrund? 

Wir waren insgesamt 38 Spieler, weil ein Teil des U23-Kaders auch für die A-Mannschaft eingeplant und deshalb auch bei dem Team dabei war. Wir sollten erstmal zusammenspielen, damit der Trainer einen ersten Eindruck bekommt. Insgesamt waren wir zehn Tage lang zusammen in Antalya, ich habe bei der U23 gespielt und saß bei der A-Nationalmannschaft auf der Bank. Trainiert wurde zusammen. Das war mit zwei Einheiten am Tag, dann einem Spiel und am nächsten Tag direkt wieder vollem Training körperlich echt anstrengend, aber eben auch richtig gut, um alle kennenzulernen.

Deine Eltern stammen beide gebürtig aus dem Togo, deine Familie lebt zu großen Teilen auch noch in dem westafrikanischen Land. Wie sind deine Verbindungen zum Fußballverband vor Ort gewesen: Hattest du bereits im Vorfeld Kontakt zum Trainerteam oder deinen Mitspielern?

Nein, erst jetzt im Zuge der Nominierung. Der Trainer hatte mich zwar schon ein paar mal beobachtet, aber wir kannten uns bisher noch nicht persönlich. Es ging in erster Linie darum, dass das Trainerteam nun einen direkten Eindruck von mir bekommen konnte und wir uns einmal kennengelernt haben. Ich kannte auch noch keine Spieler, insofern war das alles ziemlich aufregend für mich. Aber ich habe mich super gut aufgehoben gefühlt und war nach dem ersten Abendessen schon sehr viel entspannter. Alles ist sehr familiär, viele Spieler kennen die Familien der anderen und sind eng mtieinander verbunden. Das ist ein schönes Miteinander.

Was war für dich die größte Herausforderung? 

An Anfang war es vor allem das Hantieren mit den unterschiedlichen Sprachen, das ist echt verrückt. (lacht) In Togo wird Ewe gesprochen, das ist die Landessprache. Gleichzeitig auch viel Französisch. Unser Trainer Paulo Duarte ist Portugiese, entsprechend hat er viele Trainingsanweisungen auf Englisch erteilt, die dann von unserem Teammanager ins Französische übersetzt wurden. Im Torwarttraining war es ähnlich: Der Torwarttrainer spricht kein Englisch, ich kein Französisch. Also haben meine Mitspieler immer für mich vom Französischen auf Ewe übersetzt. Dieser Mix aus drei verschiedenen Sprachen ist schon spannend, es funktioniert aber erstaunlich gut.

Wie hast du das Fußballspiel als solches wahrgenommen?

Taktisch war es etwas komplett anderes als das, was wir hier beim HSV spielen. Sowohl, was die Ausrichtung der Feldspieler angeht, als auch die Position des Torhüters. Das Verständnis ist da ein anderes: In der Nationalmannschaft ist der Torhüter schlicht dafür da, sein Tor sauber zu halten. Er ist im Fünfmeterraum und auf der Linie gefordert. Aber er nimmt nicht am Spielaufbau teil, ist nicht als Anspielposition oder zusätzlicher Feldspieler vorgesehen. Darauf musste ich mich im ersten Spiel einstellen, das ging dann aber gut.

Richten wir den Blick abschließend nach vorne: Wie geht es nun für dich weiter? 

Ganz genau weiß ich das auch noch nicht. Insgesamt bin ich mit der Reise sehr zufrieden und wünsche mir natürlich, dass das nicht die letzte war. Ende Mai steht der Lehrgang für die Qualifikation für den Afrika-Cup an, da hoffe ich, wieder dabei sein zu dürfen. Bis dahin haben wir mit der U19 noch drei wichtige Ligaspiele und die Pokalpartie vor uns. Darauf liegt jetzt mein Fokus. Alles andere sehen wir dann im Mai.