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Interview

29.06.22

Benes: „Davon möchte ich unbedingt ein Teil sein“

Im Trainingslager-Interview spricht Rothosen-Neuzugang Laszlo Benes über seine ersten HSV-Eindrücke in der Steiermark, seine Zeit in Mönchengladbach inklusive zweier Leih-Stationen und seine besondere Verbindung zu Tim Walter.

Wenn alles normal läuft, wird er heute Nachmittag erstmals im HSV-Trikot auflaufen: Laszlo Benes brennt genauso wie seine Teamkollegen auf das erste Testspiel der laufenden Sommervorbereitung. Gegen Hajduk Split (Anstoß: 17.30 Uhr in Fürstenfeld, live und kostenfrei bei HSVtv und YouTube) könnte der 24-jährige Slowake dann sein vielfältiges Skillset, das er in den Trainingseinheiten in der Steiermark schon mehrfach angedeutet hat, erstmals auch in der Wettkampf-Praxis auf den Platz bringen. Geformt wurde das interessante Spielerprofil in seiner Heimat, in Ungarn und von 2016 bis 2022 in Mönchengladbach. Aber auch auf zwei halbjährigen Leihstationen in Kiel und Augsburg sammelte der 7-malige Nationalspieler wertvolle Erfahrungen. Über seinen spannenden Karriereweg, die ersten HSV-Eindrücke, die bereits zweite Zusammenarbeit mit Tim Walter und seine ambitionierten Ziele sprach Laszlo „Laci“ Benes im ausführlichen Trainingslager-Interview, das zwischen zwei Trainingseinheiten im Teamhotel "Das Sonnreich" geführt wurde.

Laci, wie nimmst du die ersten Tage hier im Trainingslager wahr?

Die ersten Eindrücke sind sehr positiv. Ich habe die Mannschaft bereits etwas kennengelernt und möchte die Zeit im Trainingslager dafür weiterhin nutzen. Es gefällt mir sehr gut, die Jungs sind echt super.

Bei Borussia Mönchengladbach hast du auf einem sehr hohen Niveau gespielt und trainiert. Wie sind diesbezüglich deine ersten sportlichen Eindrücke beim HSV?

Die Vorbereitung hat es bisher richtig in sich: Wir trainieren wirklich sehr intensiv, häufig zweimal am Tag. Das habe ich in der Form in der Vergangenheit nicht immer so erlebt. Doch wir werden dadurch nur besser, so dass ich davon ausgehe, dass wir als Mannschaft topfit in die neue Saison starten werden.

Gehen wir vom Hier und Jetzt einmal zurück in die Vergangenheit: Du bist nach deiner ersten vollen Herrensaison im Sommer 2016 als 18-Jähriger aus dem slowakischen Zilina nach Mönchengladbach gewechselt. Was hat dir dieser Schritt bedeutet und wie groß war zugleich der Kulturschock für dich?

Der Wechsel hat mir damals sehr viel bedeutet: Es war ein Traum, in die Bundesliga zu wechseln, dann noch zu einem Verein, der große Ziele hat. Natürlich war der Anfang nicht einfach, da ich die deutsche Sprache nicht sprechen konnte und mein Englisch auch nicht gut war. Zudem war ich sehr weit weg von meiner Familie. Aber im Fußball findet man über die Teamkollegen immer schnell Anschluss. Das ist mir gelungen.

Was hast du in dieser Phase über dich gelernt?

Unterm Strich bin ich erwachsen geworden. Ich habe mich erstmals fernab meiner Heimat selbständig zurechtfinden müssen. Mein Landsmann Igor Demo, der früher selbst für Borussia Mönchengladbach gespielt hat, hat mich damals begleitet und war mir eine große Hilfe bei der Eingewöhnung.

Insgesamt hast du sechs Jahre bei den „Fohlen“ unter Vertrag gestanden, hast mit Ausnahme von zwei halbjährigen Leihen auch immer dort gespielt. Was nimmst du aus der Zeit am Niederrhein mit?

Ich habe fußballerisch und menschlich unglaublich viel gelernt. Ich habe sechs Jahre in einem sehr gut geführten Verein gespielt, kann auf die Erfahrung aus 64 Bundesligaspielen und Einsätzen in der Europa League und Champions League zurückgreifen. Es war eine schöne und lehrreiche Zeit. Und jetzt beginnt für mich beim HSV ein neues Kapitel. 

Das du erneut mit Tim Walter als Cheftrainer angehst. Mit dem Coach hast du schon von Januar bis Juni 2019 bei Holstein Kiel zusammengearbeitet. Wie hast du diese Zeit in Erinnerung?

Das war nur eine kurze Zeit, die Wintervorbereitung habe ich zum Beispiel gar nicht mehr absolviert. Das Wichtigste war damals für mich, viel zu spielen. Das ist mir gelungen. Wir hatten eine gute Mannschaft, in der ich viel Spaß am Fußballspielen hatte. Mir sind viele Scorerpunkte gelungen.

Wie erlebst du Tim Walter jetzt beim HSV im Vergleich zu eurer gemeinsamen Zeit an der Förde?

Ich denke, er ist immer noch der gleiche Tim Walter wie damals in Kiel. Er hat eine sehr eigene und klare Idee, wie seine Mannschaft Fußball spielen soll. Und diese zieht er knallhart durch. Das hat er immer wieder unter Beweis gestellt.

Neben der Leihe nach Kiel warst du 2020/21 auch ein halbes Jahr beim FC Augsburg. Warum kam danach kein dauerhaftes Engagement bei den Fuggerstädtern zustande?

Auch diese Leihe hat mir gutgetan, weil ich sehr viel gespielt habe. Das war für mich persönlich auch wichtig, da im Sommer die Europameisterschaft stattfand. Ich wusste, dass ich Spielpraxis benötige, damit ich bei der EM dabei sein kann. Das ist mir am Ende gelungen, auch wenn es nur zwei Einsätze über ein paar Minuten waren. Ein dauerhaftes Engagement in Augsburg war aber nicht vorgesehen. Ich hatte in Gladbach noch einen Vertrag und wollte mich dort dauerhaft durchsetzen.

Nach diesen abwechslungsreichen Jahren bist du jetzt fest zum HSV gewechselt. War es wichtig für dich, eine neue und vor allem dauerhafte sportliche Heimat zu finden?

Ja, ich wollte einen Club finden, bei dem ich permanent unter Vertrag stehe. Eine Leihe kann auf der einen Seite zwar eine Win-Win-Situation darstellen, doch auf der anderen Seite musst du dich immer in sehr kurzer Zeit komplett an ein neues Umfeld gewöhnen. Kaum hast du das geschafft, dann musst du auch schon wieder zurück. Ich freue mich deshalb jetzt sehr, dass ich beim HSV einen langfristigen Vertrag unterschrieben habe.

Beim HSV sollst du das Spiel aus dem zentralen Mittelfeld ankurbeln und bei Standards Verantwortung übernehmen. Entspricht das deinen Stärken und auf welcher Position spielst du am liebsten?

Ich spiele am liebsten auf der Achter-Position. Meine Stärken sind Standards und mein linker Fuß. Ich habe gern den Ball, suche den Abschluss und spiele Pässe in die Tiefe. 

Jonas Meffert kennst du aus deiner Zeit in Kiel, Ludovit Reis hat slowakische Wurzeln. Viel besser könnten die Voraussetzungen im Mittelfeld-Zentrum kaum sein, oder?

Es ist immer hilfreich, wenn du Spieler aus der Mannschaft bereits kennst. In Kiel hat das Zusammenspiel mit „Meffo“ bereits richtig gut funktioniert. Bei Ludo wusste ich gar nicht, dass er slowakische Wurzeln besitzt. (lacht) Das ist mir dann erst klar geworden, als wir uns auf Slowakisch unterhalten haben. Ich freue mich, mit beiden zusammenzuspielen.

Der HSV hat öffentlich kommuniziert, aufsteigen zu wollen. Passt diese Mentalität auch zu dir als Typ?

Auf jeden Fall! Als ich vom Interesse des HSV erfahren habe, stand die Relegation gegen Hertha BSC noch aus. Beim Rückspiel war ich dann selbst im Volksparkstadion und für mich war klar, dass ich unabhängig vom Ausgang dieses Spiels zu diesem Club wechseln möchte. Natürlich gibt es für diese Saison dann nur ein Ziel: den Aufstieg. Davon möchte ich unbedingt ein Teil sein.