
Interview
11.03.26
Davie Selke: „HSV oder Köln? Nur der HSV!“
Vor dem Duell seiner beiden ehemaligen Clubs am Sonnabend (14. März, 18.30 Uhr) im Volksparkstadion spricht Davie Selke im ausführlichen Interview über seine enge Verbindung zu den Rothosen und gibt private Einblicke aus seiner Zeit in Istanbul.
Davie Selke wirkt bestens gelaunt, als ihn die HSV.de-Redaktion via Videocall in Istanbul zum verabredeten Interview erreicht. Das erste „Moin“ geht dem ehemaligen HSV-Mittelstürmer nach wenigen Sekunden über die Lippen. Auch neun Monate nach seinem Abschied von den Rothosen ist der 31-Jährige noch bestens im Thema. „Ich verfolge den HSV sehr intensiv. Ich schaue mir gefühlt jedes Spiel an. Dafür habe hier in der Türkei extra ein TV-Abo abgeschlossen, um die HSV-Spiele schauen zu können. Auch wenn es manchmal aufgrund der Zeitverschiebung etwas schwierig ist, möchte ich die Spiele nicht verpassen“, untermauert der Torjäger, der mittlerweile für den türkischen Vertreter Basaksehir FK aufläuft, seine spezielle Verbindung zum HSV, die im Verlauf des Gesprächs mehrfach Erwähnung findet.
HSV.de: Davie, starten wir mit der wichtigsten Frage: Wie geht es dir? Was macht die Gesundheit?
Davie Selke: Moin, danke, mir geht es sehr gut. Ich habe jetzt endlich wieder meinen Rhythmus gefunden. In der Hinrunde hatte ich leider eine längere Verletzung, die hat mich schon deutlich mehr als zwei Monate rausgenommen. Danach hatte ich wieder an derselben Stelle in der Wade Schmerzen, so habe ich nie wirklich meinen Rhythmus gefunden. Aber mittlerweile bin ich körperlich stabil.
Seit Sommer 2025 spielst du für den Basaksehir FK. Wie ist das Leben in Istanbul?
Als Familie fühlen wir uns in Istanbul wohl. Wir haben schon unsere Zeit gebraucht. In Hamburg haben wir uns extrem wohl gefühlt, das Leben hier in Istanbul ist ein anderes. Daran mussten wir uns erst mal gewöhnen. Istanbul ist aber eine sehr lebenswerte Stadt, die Menschen sind alle sehr zuvorkommend und höflich. Uns wurde extrem geholfen, weil die Menschen im Verein auch wussten, dass es unsere erste Auslandsstation ist. Uns war es wichtig, dass es für unsere Tochter mit der Kita passt, das hatte eine hohe Priorität. Sie fühlt sich sehr wohl und verbessert dadurch auch ihr Englisch – sie ist zwar erst drei Jahre alt, spricht aber besseres Englisch als der Papa. (lacht) Als Familie verbringen wir viel Zeit am Wasser. Das ist schon etwas Besonderes, wenn das Meer durch die Stadt fließt. Der Bosporus ist beeindruckend. Da sind wir sehr gerne. Und bald sind wir auch zu viert. Wir sind sehr stolz und glücklich sagen zu können, dass wir unser zweites Kind erwarten.
Dazu gratulieren wir dir und deiner Frau ganz herzlich! Schauen wir auf deine sportliche Entwicklung: Du hattest deine Verletzung zu Saisonbeginn bereits erwähnt. Mittlerweile bist du richtig gut in Form: Sechs Tore in den vergangenen sechs Spielen. Wie hast du zur alten Stärke zurückgefunden?
Für mich ist es ganz wichtig, dass ich meinen Rhythmus finde. Den hatte ich aus Hamburg mitgenommen. Die Verletzung habe ich mir dann in der Qualifikation für die Conference League zugezogen, anschließend war ich erst mal mehrere Wochen raus. Umso wichtiger war es, dass ich in der Rückrunde in meinen Flow gekommen bin. Das hat super funktioniert. Ich bin sehr glücklich darüber, wie es für mich persönlich läuft und mit meiner Ausbeute, aber auch wie wir als Mannschaft auf dem Platz funktionieren. Wir haben eine gute Serie hingelegt (fünf Siege aus den vergangenen sieben Spiele; Anm. d. Red.). Nun gilt es, dass ich weiterhin fit bleibe, damit das eine oder andere Tor noch dazukommt. (zwinkert)
Insgesamt ist Basaksehir ein gut geführter Verein, der sehr gut strukturiert ist. Wir finden hier super Rahmenbedingungen vor. Für mich war es neu, einen Trainer zu haben, mit dem ich als Spieler noch zusammen auf dem Platz gestanden habe. Nuri Sahin macht einen super Job. Ich mag die Art und Weise, wie er Fußballspielen lässt. Er kennt mich als Mitspieler noch gut, wir haben eine gute Bindung zueinander und schätzen uns sehr. Ich genieße es, hier mit ihm zusammenzuarbeiten.

Blicken wir ein wenig zurück: Im vergangenen Sommer hast du den HSV nach dem Aufstieg nach einer Saison verlassen. Wie intensiv verfolgst du die Rothosen und mit wem stehst du noch in Kontakt?
Ich verfolge den HSV sehr intensiv. Ich schaue mir gefühlt jedes Spiel an. Dafür habe hier in der Türkei extra ein TV-Abo abgeschlossen, um die HSV-Spiele schauen zu können. Auch wenn es manchmal aufgrund der Zeitverschiebung etwas schwierig ist, möchte ich die Spiele nicht verpassen. Ich fiebere jetzt aus einer anderen Perspektive mit.
Kontakt pflege ich noch zu vielen. Beispielsweise mit Tom Mickel, Fadli, Ransi, Miro, Fabio, Otto oder Ferro und mit sehr vielen aus dem Staff, da könnte ich fast alle aufzählen. Es ist nach wie vor ein ganz besonderer Verein für mich und ich habe mit den Menschen etwas Außergewöhnliches erleben dürfen. Wir sind durchgehend in Kontakt, darüber freue ich mich. Auch wenn ich kein Spieler des Vereins mehr bin, bin ich HSV-Fan!
Mit ein wenig Abstand: Wie bewertest du die Zeit beim HSV und wo ordnest du sie in deiner Karriere ein? Du hast in deiner Karriere ja bisher viel erleben dürfen.
Ich habe das schon mal gesagt: Es mag sich für den einen oder anderen möglicherweise etwas skurril anhören, weil es eben nur eine Saison war, aber das Jahr beim HSV steht für mich über allem, was ich bisher in meiner Karriere erlebt habe. Das, was wir alle gemeinsam erleben durften, lässt sich in Worten nicht beschreiben. Es war so intensiv. Wenn ich mich in diesem Moment beispielsweise an die Aufstiegsfeier mit der Tour um die Alster erinnere, bekomme ich Gänsehaut. Die Wertschätzung, die ich von den HSV-Fans und den Menschen in der Stadt bekommen habe, hat mir unfassbar viel bedeutet. Deswegen kann ich guten Gewissens sagen: Der HSV ist mein Verein und war meine schönste Station im Fußball! Ich wusste schon vor dem Wechsel, dass es ein Privileg sein wird, für den Verein zu spielen. Das habe ich eine Saison auf dem Platz erleben dürfen und lebe es jetzt aus der Ferne.
Am Wochenende kommt es für dich wohl zu einem ganz besonderen Topspiel im Volksparkstadion: 18.30 Uhr, Flutlicht, Bundesliga, HSV gegen den 1. FC Köln. Was gibt dir diese Begegnung?
Das klingt einfach nach einem richtig geilen Fußballspiel! Es treffen zwei brutale Fanlager aufeinander, ich durfte ja beide erleben. Der FC ist einfach positiv verrückt, in Köln und im Drumherum eine absolute Nummer. Im Kölner Stadion herrscht auch immer eine besondere Stimmung. Das gilt auch für Hamburg. Das Volksparkstadion entwickelt eine Wucht, die ich so bisher nicht kannte. Es treffen zwei tolle Vereine aufeinander.

Es ist das Duell der Aufsteiger. Was erwartest du für eine Partie?
Es wird ein intensives, ein hitziges Spiel. Tabellarisch für beide Teams auch extrem wichtig. Der 1. FC Köln ist eine Mannschaft, die immer wieder überraschen kann und meiner Meinung nach immer einen guten Plan an der Hand hat. Auf der anderen Seite steht die Entwicklung des HSV, die für mich sehr beeindruckend ist. Die Jungs machen in ihren Leistungen einen sehr stabilen Eindruck auf mich. Vor allem im Volksparkstadion ist der HSV extrem schwer zu bespielen. Für die Fans wird es sicherlich ein interessantes Spiel.
Wie wirst du das Spiel verfolgen?
Ausgerechnet das Spiel werde ich leider nicht live verfolgen können, da wir fast zeitgleich bei Galatasaray spielen. Das ist ein sehr wichtiges Spiel für uns. Wer mich kennt, weiß, dass darauf mein ganzer Fokus liegt. Aber nach unserem Spiel werde ich mir spätestens im Bus das Ergebnis reinziehen und dann auch die Highlights anschauen.
Kommen wir nun vielleicht zur wichtigsten Frage: Welchem deiner beiden ehemaligen Vereine drückst du die Daumen? Können wir dir sogar einen Tipp entlocken?
HSV oder Köln? Nur der HSV! (lacht) Das liegt in dem Fall aber nicht an den Kölnern, sondern an der Tatsache, dass ich mich bei allen meinen ehemaligen Vereinen immer für den HSV entscheiden werde. Ich gehe von einem engen Spielverlauf aus, es wird kein deutliches Ergebnis sein. Ich rechne mit einem 2:1-Heimsieg für den HSV. Albert Sambi Lokonga und Ransford Königsdörffer sind die Torschützen.
Zum Abschluss des Gesprächs vervollständige bitte den folgenden Satz: „Der HSV wird den Klassenerhalt in der Bundesliga schaffen, weil …“
… er aufgrund des besonderen Stadions und der super Atmosphäre mit ganz besonderen Fans über eine absolute Heimstärke verfügt. Der HSV bringt stabil und konstant auf Bundesliga-Niveau seine Leistungen. Die Mannschaft holt ihre Punkte nicht aufgrund von Spielglück, sondern auf der Basis eines gut überlegten Matchplans und einer clever gewählten Taktik. Sie besitzt zudem eine Qualität, mit der sie auch in der nächsten Saison in der Bundesliga spielen werden. Von dem, was ich sehe, bin ich absolut überzeugt, dass der HSV die Klasse hält.
