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Saison

27.04.20

Wettstein: „Wir müssen den Weg fortsetzen“

Der Finanzvorstand des HSV äußert sich zum Lizenzierungsverfahren, zur Planung in Corona-Zeiten und zu möglichen Folgen für den Profifußball.

Die DFL hat heute vermeldet, dass keinem der 49 Bewerber für die 1. und 2. Fußball-Bundesliga die Spielberechtigung für die kommende Spielzeit verweigert wurde. Das heißt im Umkehrschluss, dass auch der HSV Mitte Mai die Lizenz für beide Ligen erhalten wird. Erfüllt Sie das mit Freude?

Frank Wettstein: Das Lizenzierungsverfahren der DFL hat sich in vielen Jahren als verlässlich erwiesen. In Anbetracht der aktuellen Lage hat die Liga die notwendigen Korrekturen vorgenommen und den Vereinen bei ihrer jeweiligen Bewältigung der Krisensituation einen größeren Handlungsspielraum überlassen. Die Herausforderungen gehen aktuell weit über das Lizenzierungsverfahren hinaus, so dass der Bescheid an keinem Standort zu übermäßiger Zufriedenheit führt, auch nicht beim HSV.

Was bedeutet es konkret, dass bei der aktuellen Lizenzvergabe keine Liquiditätsberechnungen der Clubs geprüft wurden? Ist das gut für den HSV?

Wettstein: Hier geht es sich nicht um gut oder schlecht. Entscheidend ist, unter welchen Prämissen eine Planung einzureichen wäre. Wie soll gegenwärtig bestimmt werden, wann der Spielbetrieb wieder startet, wann die Saison beendet werden kann, wann wieder Zuschauer zugelassen werden? Diese Fragen lassen sich derzeit nicht verlässlich beantworten. Daher tut die Liga auch gut dran, hier keine Planungsvorgaben zu machen, die möglicherweise in wenigen Wochen wieder verworfen werden müssten. Die Aussetzung ist die einzig logische Reaktion auf die bestehende Unsicherheit.

"Wir haben keine Veranlassung, aktionistisch zu handeln, sondern können mit Bedacht die weiteren Entwicklungen abwarten"

Die DFL will während der Saison 2020/21 die finanziellen Kriterien der einzelnen Proficlubs immer wieder überprüfen. Ist das nicht eine zusätzliche organisatorische Belastung während eines Ligawettbewerbs?

Wettstein: Nein, das ist es nicht. Die Clubs prüfen doch selbständig, ob die finanziellen Mittel reichen oder ob nachzusteuern ist. Das machen – gerade in Anbetracht der aktuellen Entwicklung – alle Verantwortlichen aus eigenen Erwägungen, dafür braucht es keine ligaseitigen Vorgaben. Es ist aber richtig, dass die DFL hierüber in Kenntnis gesetzt wird.

Wie muss man sich in der aktuellen Lage eine Finanz- und Liquiditätsplanung für die kommende Saison vorstellen? Sie wissen doch noch gar nicht, wann der HSV wieder mit gesicherten Einnahmen aus Heimspielen mit Zuschauern, aus Catering und Events oder auch dem Merchandising rechnen kann.

Wettstein: Unsicherheit befreit aber ja nicht von unternehmerischer Verantwortung, eher das Gegenteil ist der Fall. Ohne Unsicherheit bräuchte man nicht zu planen. Es ist natürlich derzeit eine besonders große Herausforderung, mit den Annahmen einer Planung, die immer aufzustellen sind, auch die tatsächliche Entwicklung zu prognostizieren. Umso mehr kommen derzeit verschiedene Szenarien zur weiteren Entwicklung zum Ansatz und die Planungen werden in viel kürzeren Abständen als gewöhnlich überprüft und angepasst.

Mehrere Clubs in der 1. und 2. Liga haben ihre ernste Lage bereits publik gemacht, es ist von möglichen Zahlungsunfähigkeiten und von Not-Krediten zu hören. Beim HSV ist es vergleichsweise ruhig. Wie kommt das?

Wettstein: Wir haben keine Veranlassung, aktionistisch zu handeln, sondern können mit Bedacht die weiteren Entwicklungen abwarten. Aber auch wir müssen irgendwann wieder unserer Geschäftstätigkeit nachgehen können und kämen auch nicht ewig ohne Spielbetrieb zurecht. Die Frage ist nicht, ob einem Club das Geld ausgeht, sondern zu welchem Zeitpunkt trifft es welchen Verein. 

Warum haben die HSV-Profis noch nicht bekanntgegeben, auf wie viel Geld sie im Rahmen der Corona-Krise verzichten?

Wettstein: Auch hier gilt, dass wir uns nicht überschlagen müssen, sondern die Dinge dann entscheiden, wenn sie entscheidungsreif sind. Die bloße Mitteilung darüber hilft niemandem, auch nicht dem HSV. Wir bewerten es als extrem positiv, dass sich unsere Mannschaft schon ganz zu Anfang der Corona-Krise intern gemeldet und ihren Beitrag eigeninitiativ angeboten hat.

"Ich hoffe, dass alle Clubs die Krise bewältigen und wir den Spielbetrieb wieder wie gewohnt fortsetzen können"

Wird die Corona-Krise aus Ihrer Sicht den Profifußball verändern?

Wettstein: Das weiß ich nicht und das ist mir auch als Thema derzeit zu prominent platziert. Es sind doch die meisten Branchen in unserem Land von der Krise betroffen, es leiden große, mittlere und kleine Betriebe und Unternehmen. Wirklich alle Betroffenen der Krise werden darüber nachdenken müssen, ob ihr jeweiliges Geschäftsmodell krisenresistent ist. Auch die Clubs werden sicher ihre Rückschlüsse daraus ziehen, vielleicht werden auch die verbandsseitigen Anforderungen hierzu angepasst. Aber wenn von einem auf den anderen Tag sicher geglaubte Einnahmen wegbrechen, dann ist dem auch nur schwer vorzusorgen. Ich hoffe aber, dass alle Clubs die Krise bewältigen und wir den Spielbetrieb wieder wie gewohnt fortsetzen können. Eine krisenbedingte andere Zusammensetzung der Ligen mag ich mir genauso wenig vorstellen wie eine lange Zeit Spiele ohne Publikum. Veränderungen in Gehaltsstrukturen oder in Transfermechanismen können aber gerne ergebnisoffen diskutiert werden.

Welche kurz- und mittelfristigen Auswirkungen sehen Sie für den HSV?

Wettstein: Wir müssen den eingeschlagenen Weg fortsetzen und uns unabhängiger von kurzfristigen Ereignissen und auch Ergebnissen machen. Dass wir damit begonnen haben, kommt uns jetzt gerade zugute, aber es muss auch dauerhaft stabil bleiben. Die Transferpolitik der jüngeren Vergangenheit, aber auch erfolgsabhängige Vereinbarungen mit Spielern, Trainern und Mitarbeitern helfen bereits, die Auswirkungen solcher Ereignisse wie in der aktuellen Krise zumindest abzumildern. Pandemien werden sich aber zukünftig auch nur schwer vermeiden oder versichern lassen.

Danke für das Gespräch.

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