
Saison
26.01.26
Defensive Stabilität als Anker
Der HSV spielte am Millerntor bereits zum fünften Mal in dieser Saison zu Null. Die defensive Stabilität der Rothosen hat dabei viele Gesichter und wird vor dem bevorstehenden Topspiel gegen den FC Bayern nun maximal gefordert sein.
Unmittelbar nach dem Abpfiff haderten die Rothosen mit der jüngsten Nullnummer im Hamburger Stadtderby. Nur allzu gern hätte man sich für ein kontrolliertes Spiel mit drei Punkten und zugleich natürlich dem Derbysieg belohnt. „Wir waren in meinen Augen die bessere Mannschaft: stabil, kontrolliert und mit ein paar Chancen. Leider waren wir im letzten Drittel nicht zwingend genug. Am Ende ist ein Punkt zu wenig, weil wir heute natürlich den Sieg wollten“, fasste Daniel Heuer Fernandes treffend zusammen.
Mit etwas Abstand blieb dennoch auch Positives in der Bewertung der Partie, und hierbei hatte der Defensivverbund um „Ferro“ mal wieder entscheidenden Anteil. So spielte der Hamburger SV beim 0:0 auf St. Pauli zum fünften Mal in der laufenden Saison zu Null. Zugleich blieben die Rothosen zum 500. Mal in ihrer langen Bundesliga-Historie ohne Gegentreffer. Letzterer Fakt mag ein Schmankerl für Statistikliebhaber sein, das bereits fünfte Saisonspiel ohne Gegentor zeugt wiederum von einer besonderen Stabilität. Nur fünf Bundesligisten können bis dato mehr Zu-Null-Spiele vorweisen: Borussia Dortmund (zehnmal), RB Leipzig (neunmal), Bayern München, Borussia Mönchengladbach (je achtmal) und der VfB Stuttgart (siebenmal).

HSV-Abwehrbollwerk mit vielen Gesichtern
„Es ist wieder ein Punkt, wir haben erneut zu Null gespielt“, betonte Nicolai Remberg (Foto) nach der Partie. Der defensive Mittelfeldspieler, der im vergangenen Sommer von der KSV Holstein zum HSV kam, ist der Staubsauger vor der stabilen Abwehrkette. Der 25-Jährige ist der laufstärkste Spieler in Reihen der Rothosen und spult pro Partie satte 11,4 Kilometer im Schnitt ab. Nur ein einziges Mal fehlte der Dauerbrenner und Renner der Hamburger – und wurde bei der 1:4-Niederlage in Hoffenheim schmerzlich vermisst.
Hinter „Rambo“ sorgt die Dreier- respektive Fünferkette für Stabilität: Anker dessen ist Abwehrchef Luka Vuskovic. Der 18-jährige Innenverteidiger, seines Zeichens leihweise von Tottenham Hotspur zum HSV gestoßen, ist auf Anhieb der beste Zweikämpfer der Bundesliga, gewinnt 69,3 Prozent all seiner Duelle, davon sagenhafte 78,5 Prozent in der Luft. So auch im Stadtderby am Millerntor, als der Kroate gewohnt zweikampfstark mit 72 Prozent gewonnenen Duellen agierte. Zudem war er der Spielmacher von hinten heraus und 136-mal am Ball – so häufig wie nie zuvor in einem Bundesliga-Spiel.
Neben Vuskovic waren auch die weiteren beiden HSV-Innenverteidiger Nicolas Capaldo (64,3 Prozent) und Jordan Torunarigha (60 Prozent) überdurchschnittlich zweikampfstark. Und nicht zuletzt hielt Heuer Fernandes als letzte Instanz der HSV-Defensive mit mehreren Paraden in der Schlussviertelstunde den Punkt fest.

Verteidigung beginnt bekanntlich aber nicht allein bei den Defensivleuten, sondern zieht sich von vorn bis hinten durch. Für Cheftrainer Merlin Polzin und seinen Trainerstab war es vor Beginn der Bundesliga-Saison ein elementarer Bestandteil, dass der HSV bei seiner Bundesliga-Rückkehr eine sehr geschärfte Philosophie gegen den Ball verinnerlicht. „Es hat sich im Sommer vieles verändert. Wir hatten nicht nur einen personellen Umbruch, sondern mussten auch unsere Art und Weise anpassen. Wir haben als Trainerteam festgestellt, dass in dieser Liga auch andere Dinge gefordert sind.“
Mit der Umsetzung gegen den Ball kann Polzin also sehr zufrieden sein. Selbstredend sollen nun auch die weiteren Entwicklungsschritte in der Offensive folgen, in der die Hamburger zuletzt ohne Fortune blieben. Doch auch hier erkennt Polzin Fortschritte und sagt: „Die Entwicklung von ganz wenigen Torchancen hin zu mehr Möglichkeiten ist zu erkennen und Teil des Prozesses.“ Eine Beobachtung, die auch Abräumer Remberg teilt: „Wir kommen immer gut durch, aber uns fehlt der letzte Pass sowie die klare Entscheidung und Überzeugung vor dem Tor. Es müsste einfach mal ein Ball durchrutschen, dann können wir auch offensiv wieder in einen Flow kommen.“
Für das bevorstehende Topspiel gegen den FC Bayern am Sonnabend (ab 18.15 Uhr live im HSVnetradio) wird zunächst aber die Defensive einmal mehr die Basis für das HSV-Spiel bilden. In der Hinrunde kassierten die Rothosen mit dem 0:5 beim Rekordmeister ihre höchste Saisonniederlage und die meisten Gegentreffer. Dieses Mal will man mit der Festung Volkspark im Rücken die gewonnene Stabilität auch gegen eine der besten Mannschaften Europas unter Beweis stellen.
