
Interview
25.03.26
„Für Hamburgs Sport wäre Olympia der Superbooster“
HSV-Vizepräsidentin und Olympiasiegerin Laura Ludwig und HSV-Vorstand Eric Huwer sprechen im Interview mit HSV.de über die Hamburger Olympiabewerbung, ihre Einschätzung zum Referendum und ihre persönlichen Olympia-Gedanken.
HSV.de: Der Vorlauf zum Olympia-Referendum Hamburgs nimmt langsam, aber merklich Fahrt auf. Die Stadt hat in den vergangenen drei Wochen mehr Details zur Planung der Olympia-Bewerbung bekanntgegeben. Wie nehmt ihr die Stimmung in der Hansestadt bezüglich Olympia wahr?
Laura Ludwig: Das lässt sich nicht pauschal beantworten. Ich habe schon mit vielen Menschen über Olympia gesprochen, von denen einige total begeistert sind, während andere sich noch gar nicht mit dem Referendum beschäftigt haben.
Eric Huwer: Das entspricht auch meiner Wahrnehmung. Ich erlebe, dass viele verstehen wollen, was Olympia konkret für Hamburg verändern würde. Allein die Diskussion tut aus meiner Sicht unserer Stadt gut.
Und wie sieht es bei euch aus? Wie steht ihr zur Frage „Ja oder Nein zu Olympia in Hamburg?“
Huwer: Ich bin eindeutig für Olympia. Als Fußballvorstand bin ich auch an anderen Sportarten interessiert und finde Oympische und Paralympische Spiele spannend, weil für ein paar Wochen die ganze Vielfalt des Sports sichtbar wird. Hamburg kann Fußball, dafür sind wir über die Landesgrenzen hinaus bekannt. Und ich glaube deshalb: Wir können auch Olympia. Wir haben schon Sportgroßereignisse ausgerichtet, wir haben so viele sportbegeisterte Menschen in der Stadt und wir wissen, wie man Gäste aus aller Welt willkommen heißt.
Ludwig: Als Sportlerin und fünffache Olympiateilnehmerin kann ich sagen: Olympische und Paralympische Spiele sind Ereignisse, die bleibende Eindrücke hinterlassen und eine beeindruckende Wirkung auf die Atmosphäre einer Stadt haben. Die ganze Stadt fiebert plötzlich gemeinsam mit und der Sport verbindet die Menschen, unabhängig von Alter oder Hintergrund. Gleichzeitig richtet sich der Blick der Welt auf die Gastgeberstadt. Ich finde den Gedanken wundervoll: Hamburg, das Tor zur Welt, lädt zu Olympischen und Paralympischen Spielen ein.

Das Leuchten deiner Augen spricht Bände. Steckt dich diese Begeisterung an, Eric?
Huwer: (lacht) Ich war schon vorher infiziert. Trotzdem kann ich jedem und jeder Unschlüssigen in der Olympia-Frage nur empfehlen, sich vor dem Referendum mit ehemaligen Olympia-Teilnehmern auszutauschen. Lauras Strahlen ist genauso ansteckend wie Horst Hrubeschs Schilderungen von Wettbewerben, Stimmungen, auch außersportlichen Erlebnissen in den Olympiastädten und -Ländern. Dem stehen die begeisternden Schilderungen unserer Rollstuhlbasketballerin Maya Lindholm von den Paralympischen Spielen in nichts nach. Ich habe mich als TV-Zuschauer bei Olympia in Paris 2024 mehrfach bei dem Gedanken erwischt: Das können wir in Hamburg doch auch! Wir leben in einer weltoffenen Stadt und könnten bei so einem Ereignis auch für unsere Werte einstehen. Wir diskutieren bei der Vergabe von Sportgroßereignissen ja vollkommen zurecht über die politischen Bedingungen in vielen Gastgeberländern. Gerade deshalb finde ich: Dann lasst uns selbst ins Rennen gehen und zeigen, wie Olympische und Paralympische Spiele in einer weltoffenen europäischen Stadt wie Hamburg aussehen können.
Laura, was entgegnest du Kritikern der möglichen Bewerbung, die auf Aspekte wie Nachhaltigkeit, Kosten, Preissteigerungen und Verkehrsüberlastung verweisen?
Ludwig: Ich kann diese Sorgen verstehen, sie sind absolut legitim. Es ist richtig, dass über diese wichtigen Themen gesprochen wird. Entscheidend ist aber, dass man sich die Konzepte genau anschaut. Paris hat gezeigt, dass Spiele mit vorhandener Infrastruktur und kurzen Wegen erfolgreich sein können. Das Hamburger Konzept setzt genau darauf: nachhaltige Planung, Nutzung bestehender Strukturen und Wettkampforte – und es wären die Spiele der kürzesten Wege.
Hätten Olympische und Paralympische Spiele auch aus HSV-Sicht belegbare Vorteile?
Huwer: Aus meiner Sicht auf jeden Fall. Bürgermeister Tschentscher hat ja schon mehrfach betont, dass auch der Einsatz von Bundesmitteln für eine deutsche Olympiastadt nicht unterschätzt werden dürfe. Ich denke da an die Barrierefreiheit in unserer Stadt für Menschen mit körperlichen Einschränkungen, alte Menschen und jeden, der täglich einen Kinderwagen schiebt. Aber auch an die Verkehrsanbindung und den Ausbau des ÖPNV. Wer nach Heimspielen vor der S-Bahn Haltestelle Stellingen ansteht, weiß, was das gerade für Fans, Familien und Gäste bedeuten würde. Aus meiner Sicht kann Olympia viele Dinge beschleunigen, die wir ohnehin brauchen. Nur eben nicht in dreißig Jahren, sondern jetzt.

Ludwig: Für Hamburgs Sport wäre Olympia der Superbooster. Es ist kein Geheimnis, dass in unserer Stadt viele Trainings- und Wettkampfstätten überholungsbedürftig sind, sowohl der Leistungs- als auch Breitensport über Engpässe klagt und händeringend nach Alternativen sucht oder improvisiert. Olympische und Paralympische Spiele, auch das zeigen die Erfahrungen anderer Standorte, würden den Sport in unserer Stadt auf ein neues, für mich angemessenes Level heben. Und damit meine ich nicht nur flächendeckende Barrierefreiheit, sondern auch vermeintlich kleine Dinge: funktionierende Duschen, schimmelfreie Umkleiden, Tartanbahnen ohne Stolperfallen und so weiter. Davon würden alle Vereine profitieren, vom Nachwuchs bis zum Spitzensport. Und genau da liegt eine riesige Chance für unsere sportbegeisterte Stadt.
Wir müssen natürlich noch die Frage nach dem geplanten Stadionbau der Stadt Hamburg im Volkspark stellen, also einer potenziell neuen Heimspielstätte des HSV. Wie stehst du dazu, Eric?
Huwer: Die Stadionfrage wird mir verständlicherweise mit am öftesten gestellt. Für uns ist entscheidend: Das Volksparkstadion ist unsere Heimat. Und jede mögliche Veränderung muss diese Heimat stärken, nicht verwässern. Deshalb habe ich von Anfang an gesagt: Wir werden unser Volksparkstadion nur unter der Bedingung verlassen, dass sich die Situation für uns in jeglicher Hinsicht verbessert. Das heißt auch: Mehr Kapazität, mehr Stehplätze, mehr Intensität - und auf keinen Fall eine Tartanbahn zwischen Fans und dem Rasen. Am Ende geht es bei der Olympiabewerbung aber nicht vorrangig um den Fußball, sondern um die Förderung der vielen anderen Sportarten, die beim Hamburger SV angesiedelt sind.
Bitte vervollständigt zum Abschluss noch folgenden Satz: Olympia in Hamburg wäre…
Huwer: …ein riesiger Gewinn für unsere Stadt, unseren Sport und unsere Kultur.
Ludwig: …eine große Chance für uns alle und insbesondere dafür, die nächste Generation zu inspirieren und Kinder für den Sport zu begeistern – oder, wie meine zwei kleinen Söhne sagen würden: dinomenal!
Danke für das Gespräch.
