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Verein

30.11.25

Gemeinsam für mehr Sichtbarkeit

Der HSV nutzt den Heimspieltag gegen den VfB Stuttgart, um ME/CFS ins öffentliche Bewusstsein zu rücken und die Lebensrealität von mehr als 650.000 Erkrankten sichtbar zu machen. Mit zahlreichen Aktionen im und außerhalb des Stadions und einer besonderen Einbindung der Einlaufsituation sendet der Verein ein wichtiges Signal für Zusammenhalt, Unterstützung und gesellschaftliche Verantwortung.

Beim heutigen Einlaufen der Mannschaften ist der HSV-Kapitän Nicolas Capaldo mit Fußballschuhen in der Hand auf das Spielfeld gegangen – eine bewusst gewählte und symbolische Geste. Gemeinsam mit Empty Stands und der ME/CFS Foundation soll durch den HSV auf Menschen aufmerksam gemacht werden, die aufgrund von ME/CFS nicht mehr am aktiven Leben teilnehmen können. Für viele Betroffene wäre selbst ein einziger Schritt ins Stadion oder auf den Rasen eine unüberwindbare körperliche Belastung. Durch diese Aktion wird ihre Stimme sichtbar in die Arena getragen und ein Zeichen gesetzt: Betroffene sind nicht allein.

ME/CFS ist eine komplexe chronische Erkrankung, die häufig nach Virusinfektionen – etwa COVID-19 – auftritt und das Leben der Erkrankten tiefgreifend verändert. Zu den typischen Symptomen zählen extreme Erschöpfung, körperliche Schwäche, Schmerzen, kognitive Einschränkungen sowie eine ausgeprägte Empfindlichkeit gegenüber Reizen. Viele Betroffene erleben zudem eine deutliche Verschlechterung der Beschwerden nach körperlicher oder geistiger Anstrengung. Forschungsergebnisse weisen auf entzündliche Prozesse im Gehirn und Fehlregulationen des Immunsystems hin. In Deutschland sind Schätzungen zufolge über 650.000 Menschen betroffen, darunter auch ein Teil derjenigen, die Long COVID entwickeln. Trotz der hohen Betroffenenzahl bestehen weiterhin große Lücken in der medizinischen Versorgung: Diagnosen erfolgen oft erst nach Jahren, zugelassene Therapien fehlen bisher, und der Alltag der Erkrankten ist von erheblichen Einschränkungen geprägt. Während leicht Betroffene häufig nicht mehr voll arbeitsfähig sind und nur eingeschränkt am sozialen Leben teilnehmen können, verbringen schwer Betroffene teils Jahre im Bett – oft unfähig, Licht, Geräusche, Bildschirme oder Gespräche zu tolerieren. Ein Stadionbesuch, der für viele selbstverständlich ist, bleibt ihnen daher verwehrt.

Mit der heutigen Aktion des HSV soll Bewusstsein für diese nicht-sichtbaren Hürden geschaffen werden. Die Initiative verfolgt klare Ziele: über ME/CFS und dessen Auswirkungen im Alltag zu informieren, die Sichtbarkeit nicht-sichtbarer Erkrankungen zu erhöhen, Wege der Genesung und Rehabilitation aufzuzeigen sowie Solidarität innerhalb der Fußball-Community zu stärken. Da Fußball verbindet, kann durch gemeinsame Aufmerksamkeit eine Brücke zwischen Betroffenen, Angehörigen und der Öffentlichkeit geschlagen werden, um Anerkennung, Hoffnung und Unterstützung zu fördern. Weitere Informationen zur Initiative gibt es hier.