
HSV-Frauen
26.02.26
Hillebrand: „In Fußballklamotten ans Klavier gesetzt und weitergeübt“
Die Toptorjägerin der HSV-Frauen spricht über die Rekordkulisse gegen Werder Bremen, das Leben als Österreicherin in Hamburg und ihre Leidenschaft fürs Klavierspielen.
Die Augen von Toptorjägerin Sophie Hillebrand leuchten. Die Bundesliga-Rekordkulisse des HSV mit 12.276 Zuschauern im Volksparkstadion beim 1:1-Unentschieden gegen den SV Werder Bremen hat Eindruck bei ihr hinterlassen. „Das ist unglaublich“, sagt die 24-Jährige, die eine der Protagonistinnen in dem Spiel war. Schließlich hatte sie die Rothosen mit ihrem Treffer in der 18. Minute vom Punkt in Führung gebracht. „Wenn man vor der Nordtribüne trifft und mit den Fans jubeln kann, sind das jedes Mal aufs Neue unfassbar schöne Momente“, schwärmt die Österreicherin.
Allerdings parierte die gegnerische Torhüterin Mariella El Sherif in der 43. Minute ihren zweiten Elfmeter. Nachdem Larissa Mühlhaus zwischenzeitlich per Strafstoß den Ausgleich für die Gäste erzielt hatte, hatte Hillebrand in der Schlussphase in einem Eins-gegen-eins mit der Torhüterin die Chance auf den potenziellen Siegtreffer. „Mein Anspruch ist es, meinen Beitrag zu leisten, damit wir die Spiele gewinnen. Deshalb beschäftigen mich solche verpassten Chancen, aber es bringt nichts, sich lange darüber den Kopf zu zerbrechen. Wichtiger ist es, die Situationen zu analysieren, um es beim nächsten Mal besser zu machen“, erklärt Hillebrand.

In ihrem Leben gibt es einen musikalischen Ausgleich zum Sport: Das Klavier. „Schon als Kind habe ich es geliebt, Klavier zu spielen. Ich hatte damals Unterricht bei meiner Nachbarin, danach ging es raus zum Kicken, und wenn ich zurückkam, habe ich mich in meinen Fußballklamotten ans Klavier gesetzt und weitergeübt“, sagt sie. Für sie ist das Klavierspielen eine Form der Beruhigung. Sie denke nicht viel nach und könne dabei richtig abschalten.
Vor etwas mehr als einem halben Jahr wechselte die gebürtige Ischlerin zum HSV und verließ damit zum ersten Mal ihre Heimat. „Ich vermisse zwar mein Zuhause, aber ich fühle mich in Hamburg wirklich sehr wohl. Ich habe mich schnell eingelebt, weil mich die anderen Mitspielerinnen in der Mannschaft sehr herzlich aufgenommen haben. An freien Tag gehen wir gemeinsam in die Stadt – zum Beispiel, um Kaffee zu trinken“, sagt Hillebrand. Lachend fügt sie hinzu, dass sie darauf achten muss, wie sie spricht, weil sie sonst mit ihrem österreichischen Dialekt nur schwer zu verstehen wäre.
Zumindest auf dem Platz ist von Verständnisschwierigkeiten nichts zu spüren: Hillebrand ist die beste HSV-Torschützin in dieser Saison mit acht Treffern in allen Wettwerben. „Ich bin mit meiner Quote in meiner ersten Saison in Deutschland bislang sehr zufrieden. Es ist immer ein schönes Gefühl, wenn ich der Mannschaft weiterhelfen kann. Es gibt noch einige Spiele und ich werde mein Bestes geben, den einen oder anderen weiteren Treffer zu erzielen“, betont die Stürmerin. Sieben Spiele sind in der Frauen-Bundesliga noch zu gehen, und Hillebrand glaubt im Kampf um den Klassenerhalt an die HSV-Frauen: „Wir haben eine enorme Entwicklung hinter uns. Wir sind gut in die Rückrunde gestartet und hatten in den vergangenen Wochen viele gute Momente. Wir müssen einfach Spaß am Fußball haben und dürfen uns nicht zu viel Druck machen. Dass wir die Qualität für die Bundesliga haben, haben wir schon oft gezeigt.“ Mit zwei Punkten Vorsprung stehen die Rothosen derzeit als Tabellenzwölfter über dem Strich.

Nach dem Punktgewinn im Nordderby geht es für Hillebrand und zehn ihrer Mitspielerinnen auf Länderspielreise. Die Angreiferin wurde gemeinsam mit Melanie Brunnthaler für die österreichische Nationalmannschaft nominiert, während Larissa Haidner auf Abruf steht. Die Qualifikation zur Weltmeisterschaft 2027 in Brasilien startet und die Österreicherinnen treffen in Gruppe F auf Deutschland, Norwegen und Slowenien. „Wir wollen uns in allen Spielen gut präsentieren und haben das große Ziel von der WM-Teilnahme. Dafür werden wir alles geben“, versichert Hillebrand. Die Gruppe sei jedoch „alles andere als einfach“.
Bevor es nach den Länderspielen in der Liga weitergeht, wartet das nächste Highlight auf die HSV-Frauen: Das Pokal-Viertelfinale gegen den FC Bayern München am 11. März (Anstoß: 18.30 Uhr). „Die Vorfreude auf das Pokalspiel ist riesig. Jedes Spiel im Volkspark ist etwas Besonderes. Wir werden uns gut darauf vorbereiten und würden uns natürlich wieder über die Unterstützung zahlreicher Fans freuen“, sagt Hillebrand, die damit indirekt auf den Ticketshop aufmerksam macht, in dem Eintrittskarten für die Partie erhältlich sind. Nicht ausgeschlossen, dass die Kulisse im Volkspark die Toptorjägerin wieder ins Staunen versetzt und ihre Augen zum Leuchten bringt.
