
Nachbericht
08.02.26
Sieg in Heidenheim: HSV zwischen Auswärtsfreude und Charaktertest
Beim 2:0-Erfolg in Heidenheim punktete der Hamburger SV erstmals in dieser Bundesliga-Saison dreifach in der Fremde. Dabei zeigten die Hamburger im erwarteten Kampfspiel auf dem Schlossberg sowohl Charakter als auch mehrfach gutes Timing.
Nein, es waren nicht nur 23 Wochen, die der Hamburger SV auf diesen Moment warten musste. Im Grunde waren es 406. Oder auch 2.842 Tage. So lange dauerte es nämlich, bis die Rothosen wieder ein Auswärtsspiel in der Bundesliga gewannen. War dies zuletzt im April 2018 (3:1 in Wolfsburg) vor dem Abstieg aus dem Fußball-Oberhaus der Fall gewesen, geschah es nun mit dem 2:0-Sieg am Sonnabend beim 1. FC Heidenheim erneut.
„Auswärtssieg! Auswärtssieg! Auswärtssieg!“, schallte es aus dem prall gefüllten Gästeblock nach dem Abpfiff in Heidenheim an der Brenz. Es war nicht nur ein einfacher Jubel der bis zu 3.000 mitgereisten HSV-Fans, die auch die beiden Blöcke daneben eingenommen hatten, über drei Punkte im Kampf um den Klassenerhalt, vielmehr war es ein „Brustlöser“. Es geht ja doch!, dürfte sich der eine oder andere gedacht haben. Das Wort „endlich“ fiel dann auch gleich mehrfach in den Katakomben der Voith-Arena, wo die Protagonisten mit der Raute auf der Brust ihre Statements zum Spiel abgaben. Mittelfeldmann Nicolai Remberg etwa benutzte es. Und auch Cheftrainer Merlin Polzin. Glücklich seien sie über den Auswärtssieg. Endlich!

Der HSV hatte vor dem Spiel 16 seiner 19 Punkte im eigenen Stadion geholt – sprich: nur drei auswärts. „Die Mannschaft hat kein Verbot, was Auswärtssiege angeht“, hatte Polzin in der Pressekonferenz im Vorfeld der Partie beim Tabellenschlusslicht explizit betont. Allerdings hatte der gebürtige Hamburger auch gesagt, es sei für ihn nicht relevant, wo die Punkte eingefahren würden, schließlich gehe es in erster Linie darum, den HSV in der Liga zu etablieren. Dafür sei es in Heidenheim gegen eine „maximal aggressive, mannorientierte und zweikampfstarke Mannschaft“ vor allem nötig, „die richtigen Charakterzüge an den Tag zu legen, um das Spiel erfolgreich zu gestalten“. Unter dem Strich bestand der HSV diesen Charaktertest und nahm den Fight vollumfänglich an. Wohlgemerkt nach einem Höhepunkt eine Woche zuvor beim 2:2-Remis gegen den FC Bayern, als vor allem die fußballerischen Komponenten gefragt gewesen waren.
Linksverteidiger Miro Muheim, der sein 150. Pflichtspiel für den HSV bestritt und die Hamburger dabei als Kapitän aufs Feld führte, hatte im Vorfeld ebenfalls „ein schwieriges Auswärtsspiel“ in Heidenheim prophezeit. Nach dem Abpfiff sprach er von einem „Kampfspiel“, in dem die Zweikampfquote am Ende quasi ausgeglichen war (50,6 Prozent zu 49,4 Prozent für den HSV). Coach Polzin bezeichnete die Partie als anspruchsvoll. Torwart Daniel Heuer Fernandes lobte, dass die Mannschaft eine zwischenzeitliche Drangphase der Gegner angenommen und gut verteidigt habe. Allerdings war es die Nummer 1 selbst, die in den Fokus rückte, weil sie mit mehreren starken Paraden die Null hielt und von der DFL als „Man of the Match“ ausgezeichnet wurde. Es war bereits das dritte Zu-Null-Spiel in den vergangenen vier Partien, das sechste der laufenden Saison. Laut dem Expected-Goals-Wert hatten die Heidenheimer Chancen für 1,96 Tore – letztlich erzielten sie keine. Zumindest keine regulären, denn in der Schlussphase wurde ein Treffer von Stefan Schimmer (82.) wegen einer Abseitsstellung in der Entstehung vom Video Assistant Referee einkassiert.

Besagte Drangphase der Brenzstädter nutzte wiederum der HSV. Der eingewechselte Rayan Philippe machte mit seinem Treffer zum 2:0 in der 78. Minute den Deckel so gut wie drauf, erzielte dabei bereits sein fünftes Saisontor, was ihn in der teaminternen Torjägerliste auf Rang 1 spülte. Vorlagengeber war der erneut starke Fabio Vieira, der seinerseits mit seiner vierten Torvorlage zum aktuellen HSV-Topscorer aufstieg (bei zwei eigenen Treffern). Schon bei der 1:0-Führung durch Ransford Königsdörffer nach Vorlage von HSV-Debütant Philip Otele in der Nachspielzeit der ersten Hälfte (45.+3) hatte der HSV gutes Timing bewiesen. Beide Treffer fielen nach Umschaltsituationen, womit die Hamburger nun gemeinsam mit dem FC Bayern München die meisten Kontertore erzielt haben (7). Remberg beschrieb die Rothosen folgerichtig im Nachgang als „sehr effizient“.
So holte der Hamburger SV auch seinen ersten Sieg im Jahr 2026, in dem in fünf Spielen nur eine Partie verloren ging – die erste in langer Unterzahl beim SC Freiburg (1:2). Danach folgten die beiden 0:0-Unentschieden gegen Borussia Mönchengladbach und den FC St. Pauli sowie das 2:2 gegen den FC Bayern München, das vom Gefühl her mehr als ein Punktgewinn war. Inzwischen sind die Rothosen in der Tabelle auf Platz 11 vorgerückt – höher standen sie nur nach dem 6. Spieltag, als sie von Rang 9 grüßten. Und nicht zu vergessen ist, dass der HSV ein Spiel weniger als die Konkurrenz absolviert hat, weil die ausgefallene Partie gegen Bayer 04 Leverkusen noch nachgeholt wird (4. März, Anstoß: 20.30 Uhr). Zunächst aber geht es am kommenden Sonnabend (14. Februar, Anstoß: 15.30 Uhr) im Heimspiel gegen den 1. FC Union Berlin weiter. Dann heißt es wieder: Festung Volksparkstadion. Nicht mehr der einzige Ort, an dem der HSV drei Punkte in der Bundesliga holt. Das gelang jetzt auch auswärts. Was lange währt, wird endlich gut.
