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Nachbericht

01.10.22

Krönender Abschluss einer "super Woche"

Ransford Königsdörffer und Mario Vuskovic erlebten eine erfolgreiche Länderspielphase und nahmen den Rückenwind aus der Nationalmannschaft beim spektakulären 2:1-Auswärtssieg in Hannover erfolgreich mit zum HSV.  

"Es ist ein tolles Erlebnis für den Jungen gewesen. Die Euphorie kann er gerne mit hierherbringen", erklärte HSV-Trainer Tim Walter in der Pressekonferenz im Vorfeld der Partie bei Hannover 96 und meinte damit seinen frisch gebackenen Nationalspieler Ransford-Yeboah Königsdörffer. Der 21-jährige Mittelstürmer hatte am Dienstagabend beim 1:0-Erfolg im Testspiel gegen Nicaragua sein Länderspieldebüt für Ghana, das Geburtslandes seines Vaters, gegeben. Drei Tage später, am gestrigen Freitagabend, erfüllte er dann den artikulierten Wunsch seines Vereinstrainers: Mit einem atemberaubenden Sololauf über rund 70 Meter hatte "Ransi" in der Nachspielzeit den Siegtreffer zum 2:1-Auswärtssieg erzielt und damit Trainerstab, Mitspieler, Staff sowie die etwa 10.000 mitgereisten HSV-Fans in einen kollektiven Jubelrausch versetzt. "Ich hatte eine super Woche, habe den Schwung aus der Nationalmannschaft einfach mitgenommen. Ich denke, besser geht es nicht. Das ist bestimmt eines, vielleicht sogar das schönste Tor meiner Karriere", erklärte der Held des Abends im Bauch der Hannoveraner Arena mit einem breiten Grinsen im Gesicht - gewohnt cool und etwas ungläubig zugleich. So hatte er zuvor 23 Minuten nach seiner Einwechslung auch das Tor erzielt und erlebt. "Ich wollte das Tor einfach und so habe ich es auch bekommen. Mein Kopf war aus. Ich habe einfach gemacht, nicht überlegt." 

HSV trotzt Widerständen

"Einfach machen, nicht überlegen" - so hatte sich der Hamburger SV am Freitagabend auch im Kollektiv präsentiert. Ein in seiner Entstehung sehr unglückliches Gegentor durch Muroya (4.), der ein Wegrutschen Muheims bestrafte, schüttelten die Walter-Mannen umgehend ab. Vor allem der Unglücksrabe selbst verließ den Platz letztlich mit den meisten Ballkontakten (113) und als bester Zweikämpfer (71 Prozent). Mit dieser Mentalität egalisierten die Hamburger den Rückstand bereits rund zehn Minuten später auf ähnlich kuriose Art und Weise, als Börner (15.) per Eigentor für die aus seiner Sicht falschen Farben ausglich. Auch in der Folge waren die Rothosen als Spitzenreiter im Topspiel beim Tabellenvierten tonangebend, konnten letztlich die spielerisch wie statistische Überlegenheit - 18 zu 3 Torschüsse, 63 zu 37 Prozent Ballbesitz, 88 zu 70 Prozent Passquote - mit Königsdörffers Einzelleistung noch ganz spät in drei Punkte umwandeln. "Die ersten beiden Tore waren kurios, aber wir haben das Spiel von Beginn an kontrolliert. Der Gegner hatte kaum Gelegenheiten", resümierte Innenverteidiger Mario Vuskovic am heutigen Sonnabend im Rahmen einer Presserunde. "Am Ende haben wir verdient gewonnen. Wir waren das bessere Team. Es war ein unglaubliches Tor. So etwas habe ich live auf dem Platz noch nicht gesehen. Als der Ball im Netz einschlug, sind die Emotionen mit uns durchgegangen, ein irres Gefühl."

 "Als der Ball im Netz einschlug, sind die Emotionen mit uns durchgegangen, ein irres Gefühl." Mario Vuskovic

Auch für den 20-jährigen Kroaten, der sich zwar nach elf Minuten gelbverwarnt sah, aber mit seinen Nebenleuten gewohnt stabil die mit Abstand beste Abwehr der Liga (sechs Gegentore nach zehn Spielen) bildete, war es im Rahmen von Nationalmannschaft und Club eine ereignisreiche Woche mit gleich zwei emotionalen Höhepunkten. Ebenfalls erst am Dienstag hatte sich Vuskovic mit Kroatien nach einem hochdramatischen Playoff-Rückspiel gegen Dänemark nach Elfmeterschießen für die U21-Europameisterschaft qualifiziert. "Zwei Junioren-Europameisterschaften in Folge zu erreichen, ist für ein so kleines, wenn auch fußballverrücktes Land wie Kroatien etwas ganz Besonderes. Ich bin sehr stolz darauf und habe den Moment des Erfolgs entsprechend genossen." Zumal der Verteidiger einen großen Anteil am Einlösen des EM-Tickets hatte, den ersten Elfmeter selbstbewusst in die Maschen schoss und damit insgeheim auch Rest-Hoffnungen auf einen Kaderplatz in der A-Nationalmannschaft für die bevorstehende Fußball-WM schürte. "Jedes Kind träumt davon, das ist doch klar. Aber am Ende bin ich noch jung und kann nicht abschätzen, wie meine Chance stehen. Ich kann einfach nur gut spielen und mein Bestes geben", so der Youngster, der seinen unmittelbaren Fokus ohnehin wieder voll auf den HSV und das nächste Punktspiel eingestellt hat.

In exakt einer Woche empfangen die Rothosen den 1. FC Kaiserslautern zum Topspiel des 11. Zweitliga-Spieltages im Volksparkstadion. Rund 55.000 Tickets sind für das Duell der beiden Traditionsclubs bereits vergriffen, die Rothosen können also auf ein ausverkauftes Haus und das nächste Spektakel mit tausenden HSVern im Rücken hoffen. Die Vorbereitung dazu beginnt aber erst am kommenden Dienstag ab 14.00 Uhr. Angesichts des Last-Minute-Sieges in Hannover hat Tim Walter seinem Team nach dem heutigen Auslaufen und Spielersatztraining zwei freie Tage gewährt. Ransford-Yeboah Königsdörffer und Mario Vuskovic nehmen diese Zeit zum Akkuaufladen nach den Spiel- und Reisestrapazen gerne an. So darf die super Woche gern ausklingen.