
Nachbericht
08.03.26
Mentale Reifeprüfung bestanden
Der Hamburger SV war im Auswärtsspiel beim VfL Wolfsburg gefordert und legte einen leidenschaftlichen Auftritt hin, der in einem 2:1-Sieg gipfelte.
Wer wissen will, wie man eine mentale Reifeprüfung besteht, sollte sich den Auftritt des HSV beim VfL Wolfsburg am Sonnabend (7. März) als Beispiel nehmen. Die Hamburger waren mit zwei Niederlagen gegen RB Leipzig (1:2) und Bayer 04 Leverkusen (0:1) innerhalb weniger Tage in die Autostadt gereist, um im Kampf um den Klassenerhalt die Chance zu nutzen, sich Luft zu verschaffen und zugleich einen direkten Konkurrenten weiter auf Abstand zu halten. Die Mannschaft sei ob der jüngeren Ergebnisse „wirklich angefressen“ gewesen, hieß es von Linksverteidiger Miro Muheim. „Wir wollten zum Ende dieser Woche eine weitere Niederlage unbedingt verhindern“, betonte der Schweizer. Allerdings mussten sich die Rothosen in Wolfsburg einigen Widrigkeiten stellen.

Aufgrund der hohen Belastung in der Woche wurde die Startformation gleich auf sechs Positionen verändert. Unter anderem kränkelte Fabio Vieira, weshalb der Topscorer des HSV (8 Torbeteiligungen) von der Bank kam. Die abstiegsgefährdeten Wolfsburger hatten ein „Sechs-Punkte-Spiel“ ausgerufen, dementsprechend spürbar war die Anspannung für alle Anwesenden in der Volkswagen Arena. Diesem Gefühl entgegneten die rund 10.000 mitgereisten HSV-Fans mit einer stimmgewaltigen Druckwelle aus Siegeshunger. Allerdings jubelten zuerst die Gastgeber, als Christian Eriksen in der 22. Minute einen Elfmeter zur zwischenzeitlichen 1:0-Führung verwandelte. Kurz darauf kamen die Rothosen ebenfalls vom Punkt zur Chance auf den Ausgleich – und Luka Vuskovic rückte in den Fokus. Der Youngster wurde im Sechzehner gefoult und trat selbst an. Jener Vuskovic also, der drei Tage zuvor im Leverkusen-Spiel in der letzten Sekunde den Ball aus kurzer Distanz nicht über die Linie brachte. Im Anschluss ließ er seinen Frust am linken Torpfosten im Volksparkstadion aus. Als in Wolfsburg die Blicke auf ihn gerichtet waren, stellte er sich der Herausforderung mit Erfolg, wenngleich er eine Portion Glück bei seinem Abschluss hatte (33.). Nach dem Seitenwechsel wurde Vuskovic erneut im Strafraum zu Fall gebracht, erneut gab es Elfmeter für den HSV. Ein zweites Mal trat der Kroate, der zum Spielende als „Man of the Match“ ausgezeichnet wurde und 95 Prozent seiner Zweikämpfe gewann, nicht an den Punkt. Beim fünften Strafstoß der Rothosen dieser Saison trat mit Jean-Luc Dompe der fünfte unterschiedliche Schütze an – der Franzose blieb eiskalt und markierte das 2:1.
Bereits in der Pause hatte HSV-Cheftrainer Merlin Polzin von seinen Schützlingen eine „Energieleistung“ im zweiten Durchgang gefordert. Nach dem Führungstreffer mussten sich die Hamburger bis zum Abpfiff voll reinhängen und Attacken der immer aktiver werdenden Wolfsburger aushalten. Bis zum Ende hatten sich die Wölfe einen xGoals-Wert von 2,2 erarbeitet, aber eben kein zweites Tor erzielt. Stattdessen klärten die Rothosen Chance um Chance. „Wenn man sieht, wie sich die Jungs gegenseitig nach gelungenen Aktionen abfeiern, ist das eine Facette der Mannschaft, die mir sehr viel gibt“, freute sich Polzin. Mittelfeldspieler Nicolai Remberg sagte: „Es war ein krasser Fight. Es ging nicht darum, schön zu spielen, sondern alles zu verteidigen am Ende.“ Das Spiel sei sowohl für die Beine als auch für den Kopf kräftezehrend gewesen. Aber die Hamburger haben sich durchgesetzt und die Reifeprüfung bestanden!
