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Gegnercheck

15.10.20

Mergim Mavraj: „Der Trainer ist unser Trumpf“

Im Gegnerinterview spricht Mergim Mavraj über seinen Verein, die Stadt Fürth, die Entwicklungen beim HSV und seine Vorbereitung auf das Duell mit Simon Terodde.

Wenn man sich den aktuellen Kader der SpVgg Greuther Fürth anschaut, springt sein Name zwangsläufig ins Auge. Mergim Mavraj ist mit 34 Jahren der älteste Spieler, er hat die meiste Erfahrung und eine bewegte Vergangenheit beim HSV. Der 50-fache Nationalspieler Albaniens, der zwischen Januar 2017 und Sommer 2018 in 34 Pflichtspielen für die Rothosen auflief, ist zudem ein äußerst interessanter Gesprächspartner. Das bestätigte sich auch im rund 30-minütigen Interview mit der HSV.de-Redaktion, die von Mavraj viele interessante Aussagen rund um seinen aktuellen Verein, den HSV und das bevorstehende Zweitliga-Duell am kommenden Sonnabend (17. Oktober, Anstoß: 13 Uhr) geliefert bekam. Darüber hinaus gab der Innenverteidiger preis, was er an der Stadt Fürth besonders interessant findet und wie er sich auf HSV-Torjäger Simon Terodde vorbereitet. 

Mergim, du hast im Ligaspiel gegen Erzgebirge Aue am 25. September eine schwere Gehirnerschütterung erlitten und bist danach ausgefallen. Wie geht es dir aktuell?

Mir geht es jetzt sehr gut. Von dem Zusammenprall weiß ich leider nichts mehr, aber zwei bis drei Tage später war alles wieder in Ordnung. Aufgrund der Sicherheitsvorkehrungen vom DFB und der Berufsgenossenschaft in Bezug auf Kopfverletzungen durfte ich insgesamt neun Tage nicht am Mannschafstraining teilnehmen. Inzwischen ist jedoch alles wieder gut, so dass einem Einsatz am Sonnabend nichts im Wege stehen sollte.

Du sprichst das Heimspiel gegen den HSV an. Aufgrund der Corona-Pandemie und des Hygiene-Konzepts der DFL können am Sonnabend leider keine Rothosen-Fans ins Frankenland reisen. Rein hypothetisch: Welchen Ort in der Stadt hättest du den Anhängern empfohlen?

Da fällt mir sofort die Altstadt ein, mit der Gustavstraße als Mittelpunkt. Das ist auch mein Zufluchtsort in Fürth. Wenn man das erste Mal dort ist, fühlt man sich wie in eine alte Zeit zurückversetzt. Die Leute, die dort wohnen, sind sehr bescheiden. Das gefällt mir. Insgesamt ist es dort in den Lokalitäten sehr urig, es entsteht fast ein wenig Urlaubs-Feeling. Viele Auswärts-Fans, die nach Fürth kommen, halten sich vor dem Spiel in der Ecke auf.

Lass uns über den größten Verein der Stadt reden. Du hast schon von Januar 2011 bis Juni 2014 für die Spielvereinigung gespielt und bist im Sommer 2019 zurückgekehrt. Was zeichnet das Kleeblatt aus?

Als ich im Winter 2011 zur Spielvereinigung gekommen bin, war das ein klassischer Ausbildungsverein. Wir hatten viele junge und talentierte Spieler, aber wenig Zuschauer. Die Stadt stand zu dem Zeitpunkt einfach noch nicht so richtig hinter dem Verein. Mit den Jahren haben wir aber eine beachtliche Entwicklung genommen, die mit dem Bundesliga-Aufstieg 2012 gekrönt wurde. In der Saison haben wir es im DFB-Pokal auch ins Halbfinale geschafft. Spätestens ab dem Moment sind die Leute aufgewacht. Ich bin froh, dass ich dreieinhalb Jahre ein Bestandteil dieser Entwicklung war, dass ich Kapitän sein durfte und miterlebt habe, was hier erschaffen wurde. Auch jetzt spielen wir wieder einen guten Ball, die Fußball-Fans schauen nach Fürth. Das hilft auch den meistens jungen Spielern, die sich so ins Rampenlicht spielen können. Es ist einiges entstanden, seitdem ich das erste Mal hier war.

In der gerade abgelaufenen Sommer-Transferperiode hat die Spielvereinigung wenig Leistungsträger abgebeben und das Team mit vielversprechenden Talenten verstärkt. Wie beurteilst du die Leistungsfähigkeit der Mannschaft?

Das ist zu diesem Zeitpunkt ganz schwer zu sagen. In den ersten Spielen wurde für mich klar, dass wir nicht immer in Schönheit sterben dürfen. Wir waren häufig überlegen, haben dem Spiel den Stempel aufgedrückt und am Ende trotzdem nicht gewonnen. Das ist vielleicht auch ein wenig der Jugendlichkeit geschuldet, die in der Mannschaft steckt. Du brauchst in dieser Liga einfach den Killerinstinkt. Diese Qualität zu bekommen, ist aber sehr teuer. Einen Spieler, der dir 15 Tore garantiert, können wir nicht kaufen, den müssen wir selbst entwickeln. Wir sind in diesem Prozess aber sehr ehrgeizig und an unserem Spielstil erkennt man, dass wir im Sommer weitestgehend zusammengeblieben sind.

Verantwortlich für die positive Entwicklung ist Cheftrainer Stefan Leitl, der seit Februar 2019 im Amt ist. Was zeichnet den 43-Jährigen aus?

Der Trainer ist unser Trumpf. An mir konnte er nicht mehr so viel basteln, weil ich schon ein wenig älter bin, aber die jungen Spieler hat er weiterentwickelt und geformt. Seine Handschrift ist klar erkennbar, zudem gefällt mir seine Philosophie. Er ist nicht der neumodische Laptop-Trainer, aber auch nicht von der alten Schule. Bei ihm liegt die Wahrheit irgendwo dazwischen und das ist in meinen Augen eine sehr gute Mischung. Der Coach ist sehr nah der Mannschaft, er ist sich aber auch nicht zu schade, seinen Plan A mal über den Haufen zu werfen. Auch wenn das prinzipiell nicht seinem Naturell entspricht.

Gegen den HSV werden voraussichtlich etwas mehr als 3.000 Fans im Stadion sein. Ist für die Spieler da ein Unterschied im Vergleich zu den Partien ohne Zuschauer spürbar?

Definitiv, das merkt man schon. Es ist ein viel besseres Feeling. Zwar haben die Geisterspiele mich nicht sentimental gemacht, aber die Resonanz von den Fans tut schon gut. Wenn du eine gute Aktion hast, bekommst du mit dem Applaus die Belohnung. Das ist für uns Fußballer eine schöne Bestätigung. 

Für dich steht am Sonnabend das Duell mit deinem Ex-Verein an, für den du zwischen Januar 2017 und Sommer 2018 aufgelaufen bist. Der HSV hat im Sommer mit Daniel Thioune einen neuen Trainer verpflichtet und einen Umbruch im Kader vollzogen. Wie bewertest du die Entwicklungen an deiner alten Wirkungsstätte?

Das ist für mich aus der Ferne sehr schwer zu beurteilen, weil ich die Gedankengänge der Verantwortlichen natürlich nicht kenne. Mit den Verpflichtungen von Simon Terodde und Klaus Gjasula macht man auf jeden Fall nichts falsch, soviel steht fest. Bei diesen Spielern weißt du genau, welche Qualität du bekommst und dass du solche Leute immer gebrauchen kannst. Bei Sven Ulreich bin ich gespannt, wie er sich auf die neuen Umstände einstellen kann. Zwischen der Champions League mit dem FC Bayern München und der 2. Bundesliga mit dem HSV bestehen eben doch große Unterschiede. Am Ende des Tages wird es für den HSV auf die Konstanz ankommen, vor allem im Schlussspurt. Mit Daniel Thioune arbeitet dort jetzt auf jeden Fall ein Trainer, der weiß, was Arbeit bedeutet. Zudem kennt er die Liga, das kann nie schaden.

Einer, der die Liga auch bestens kennt, ist Simon Terodde. Wie stellst du dich auf die Duelle mit dem HSV-Stürmer ein?

Ehrlich gesagt beschäftige ich mich nicht mit Simon Terodde. Das ist überhaupt nicht arrogant gemeint, sondern einfach meine Herangehensweise. Ich bin sehr selbstsicher und darauf fokussiert, dass ich meine Leistung bringe und die Mannschaft als Führungsspieler voranbringe. Eins steht fest: Ich laufe nicht so gerne hinterher. (lacht)