
Trainingslager
09.07.26
Merlin Polzin: „Jeden einzelnen Tag gewinnen“
Zum Trainingsauftakt im dänischen Helsingör sprach HSV-Cheftrainer Merlin Polzin über die anstehende Sommervorbereitung, den Kader sowie die Kultur und Identität der eigenen Mannschaft.
Die Rothosen sind zurück – und mit ihnen auch Cheftrainer Merlin Polzin. Hinter dem 35-jährigen Fußballlehrer liegt mit Freundin, Freunden und Familie ein „fantastischer Urlaub“, den er unter anderem im diesjährigen WM-Land USA verbrachte. Am ersten Tag des Trainingslagers in Dänemark war er wieder ganz in seinem Element. „Wenn du Höchstleistungen bringen möchtest, dann braucht es die Momente, um abschalten zu können, um auch jetzt wieder mit voller Energie hier stehen zu können“, erklärte der gebürtige Hamburger nach der ersten Einheit in einer Medienrunde.
Wer Polzin kennt, der als Coach bereits seine siebte Sommervorbereitung mit den Rothosen und seine zweite als Bundesliga-Cheftrainer absolviert, weiß, dass der Fußball und der HSV auch während der Weltmeisterschaft permanente Begleiter waren. Tagtäglich stand er mit der neuen Sportvorständin Kathleen Krüger, Sportdirektor Claus Costa sowie dem Trainerteam im Austausch, um die neue Saison vorzubereiten. Nun beginnt wieder die Arbeit, die der detailversessene Coach wohl am liebsten mag: die Arbeit mit seiner Mannschaft auf dem Platz.
Im Detail sprach Polzin in der Presserunde über …

… das Trainingslager in Helsingör: Wir finden hier Top-Bedingungen vor. Der Platz ist fantastisch, die Menschen rund um die Anlage und das Hotel sind extrem freundlich – so, wie ich es generell als Dänemark-Fan kenne. Es ist ein guter erster Auftakt, ähnlich wie wir ihn im vergangenen Jahr in Kopenhagen erlebt haben. Es geht jetzt darum, sich einerseits wieder aneinander zu gewöhnen, und zugleich lautet eine Überschrift für die ersten Trainingstage: Wie wollen wir auftreten? Was ist unser Standard, was ist unser Anspruch, was tolerieren wir? Das wollen wir ab dem ersten Tag einfordern. Deshalb war es heute kein lockeres Training zum Reinkommen mit Spielchen, sondern wir wollen jede Übung mit maximaler Intensität angehen und auf dem Platz viel einfordern.
… die Vorbereitung: Wir haben jetzt sechseinhalb Wochen bis zum ersten Pflichtspiel im Pokal in Verl. Natürlich ist der Kader sowohl auf der Zugangs- als auch auf der Abgangsseite noch nicht fertig, aber das spielt für uns in der täglichen Trainingsarbeit keine Rolle. Denn diese sechseinhalb Wochen bestimmen, wie wir in die Saison starten und wer wir sein wollen. Wir können auf ein Gerüst aufbauen – mit Blick auf die Kultur, die Mannschaft und unsere Art und Weise. Das wollen wir nutzen und mit guter inhaltlicher Arbeit weiterentwickeln. Wir wollen jeden Tag besser werden, wir wollen auf jedes kleine Detail achten und jeden einzelnen Tag gewinnen. Das ist unser Motto, danach wollen wir handeln.
„Es geht darum, gesund weiterzuwachsen.“
… die Weiterentwicklung des Teams: Wir werden definitiv auf die letzte Saison aufbauen. Wir konnten in jedes Bundesliga-Spiel mit einem guten Gefühl gehen. Das war nicht selbstverständlich, sondern das Ergebnis guter Trainingsarbeit und vieler Analysen. Jetzt wollen wir die nächsten Schritte gehen – etwa in puncto Intensität und Umschaltspiel. Es geht darum, gesund weiterzuwachsen. Als Aufsteiger war in der Vorsaison vieles neu. Das ist diesmal anders. Für uns geht es weniger darum, was uns erwartet, sondern darum, mit welcher Haltung wir auftreten wollen. In der Saisonanalyse haben uns einige Themen, etwa gewisse Intensitätswerte, nicht gefallen. Deshalb fordere ich generell eine höhere Intensität. Das zeigt sich schon in kleinsten Details – etwa bei einer Passspielübung im Training: Ob ich einem Kollegen bei einem schlechten Pass das direkt sage oder es einfach so hinnehme. Wir müssen im Training scharf sein und wollen das konsequent einfordern. Der Standard, den wir uns setzen, ist unverhandelbar.

… die Kaderplanung: Unsere Vorstellungen im Trainerteam, welche Profile wir für unseren Fußball brauchen, sind klar und wir haben sie mit Claus und dem Team rund um die Scouting-Abteilung übereinandergelegt. Das geht komplett in eine gemeinsame Richtung. Wir suchen jetzt gewissenhaft die passenden Spieler dafür aus und wir wollen uns die nötige Zeit geben, um gute Entscheidungen für die Zukunft des Vereins zu treffen.
… die Zusammenarbeit mit Kathleen Krüger: Unser bisheriger Austausch ist intensiv, fokussiert und zielorientiert – bezogen auf das, was wir gemeinsam mit dem HSV vorhaben. Sie hat ja selbst gesagt, dass sie sehr offen und warmherzig empfangen wurde. Das passiert aber auch nur, wenn man den Menschen selbst mit Offenheit begegnet. Deshalb ist es ein sehr positiver und angenehmer Austausch. Ich freue mich darauf, dass wir jetzt tagtäglich mit der Mannschaft gemeinsam in die Arbeit starten und nicht länger nur über Telefonate oder Meetings verbunden sind. Ehrlicherweise lagen unsere Vorstellungen, gerade hinsichtlich von Führung und Kultur, nah beieinander. Natürlich ist es meine Aufgabe, unsere Sichtweise als Trainerteam und aus der Mannschaft heraus zu platzieren. Gleichzeitig kann ich aus ihrer Erfahrung viel mitnehmen und lernen. Ich denke, wir können uns gegenseitig besser machen. Das ist nicht nur das Ziel für die Mannschaft, sondern für uns als HSV insgesamt.
… die WM-Fahrer Miro Muheim und Sander Tangvik: Wir fiebern extrem mit. Die Ruderer aus Norwegen haben jeden angesteckt. Und auch Miro, der vielleicht von außen betrachtet einen unglücklichen Start ins Turnier hatte, hat im Achtelfinale mit einer guten Leistung Historisches mit der Schweiz erreicht. Für uns als HSV ist das etwas ganz Besonderes. Wir drücken beiden die Daumen, ebenso wie Otto Stange, der jetzt mit Deutschland im EM-Finale der U19 steht.
