
Saison
21.04.26
Mit kühlem Kopf und mentaler Stärke
Beim Hamburger SV herrscht trotz der enttäuschenden Derby-Niederlage und der laufenden Sieglos-Serie Nüchternheit statt Nervosität. Denn im bisherigen Saisonverlauf haben die Rothosen bereits mehrfach ihre Nehmerqualitäten unter Beweis gestellt. Auch jetzt gilt es, die richtigen Antworten zu finden und die weiterhin gute Ausgangslage zu nutzen.
Von einer Mischung aus „Enttäuschung, Unzufriedenheit und Wut“ sprach HSV-Cheftrainer Merlin Polzin nach der 1:3-Niederlage im Nordderby am vergangenen Sonnabend (18. April). All zu lange hielt dieses Gefühl allerdings nicht an. Stattdessen wurde der Schalter zügig auf Nüchternheit gelegt. Torschütze Robert Glatzel hatte noch in den Katakomben sinngemäß betont, wie wichtig es sei, jetzt einen kühlen Kopf zu bewahren. Tags darauf schlug Vorstand Eric Huwer in einer Medienrunde ähnliche Töne an: Der 42-Jährige betonte, dass die aktuelle Situation für einen Aufsteiger nicht überraschend sei, und er die gegenwärtige Ausgangslage – wie wohl ein Gros derjenigen, die es mit dem HSV halten – vor der Saison so unterschrieben hätte.
Was er genau meint: Den Vorsprung von fünf Punkten auf den Relegationsplatz. Dieser hat sich übrigens im Vergleich zum Ende der Hinrunde beinahe verdoppelt, denn nach dem offiziellen Abschluss der ersten Saisonhälfte hatte er noch drei Zähler betragen. In der Rückrundentabelle steht der HSV bei noch vier ausbleibenden Spielen bei 15 Punkten – holte damit bisher nur einen Zähler weniger als in der gesamten Hinrunde (16), die auf Platz 14 abgeschlossen wurde. Es ist ebenjene Position, die die Rothosen auch aktuell in der Gesamttabelle belegen. Über die Saison hinweg bewegte sich der HSV im Schnitt zwischen Rang 12 und 13. Wo man mit einer Ausnahme nach dem 3. Spieltag dagegen nie zu finden war: in der Abstiegszone. Daran soll sich bis zum Saisonende nichts ändern, um das von Beginn an gesteckte Ziel zu erreichen: den Klassenerhalt. Nur dieser zählt im ersten Jahr der Bundesliga-Rückkehr nach zuvor sieben Jahren im Unterhaus.

Huwer erinnerte zudem daran, dass das Team im Saisonverlauf immer mal wieder Rückschläge verkraften musste. Aktuell ist der HSV seit fünf Spielen sieglos – das ist zum dritten Mal in dieser Spielzeit der Fall. Zuvor hatten die Rothosen solchen Phasen nach fünf (2:1-Heimsieg gegen den VfB Stuttgart) beziehungsweise sechs Partien (2:0-Auswärtssieg beim 1. FC Heidenheim) beendet. Die Fähigkeit, sich von Rückschlägen erholen zu können, hat der HSV also schon mehrfach unter Beweis gestellt. „Wir sind jetzt wieder an einem Punkt, an dem wir uns alle in die Pflicht nehmen. Es gibt immer Rückschläge, aber entscheidend ist, wie groß unsere mentale Power ist, damit umzugehen und wieder aufzustehen. Diesbezüglich habe ich totales Vertrauen in die Gruppe“, betonte Huwer. Geht es nach Mittelfeldspieler Nicolai Remberg, stehe man vor der nächsten Challenge und jetzt sei es die „große Kunst“, erneut als Mannschaft zusammenzuhalten.
Für den HSV geht es zunächst am kommenden Sonnabend (ab 18.15 Uhr im HSVnetradio) mit dem Heimspiel gegen die TSG 1899 Hoffenheim weiter, bevor die Duelle mit Eintracht Frankfurt, dem SC Freiburg und Bayer 04 Leverkusen zum Saisonabschluss anstehen. „Wir werden bei uns bleiben und weitermachen. Es geht darum, das Spiel schnell abzuhaken und sich auf die nächste Aufgabe zu konzentrieren. Es bleiben jetzt noch vier Spiele und wir wollen die Partien ziehen“, sagte Schlussmann Daniel Heuer Fernandes, der sich nach bewegten HSV-Jahren mit der Bewältigung von Rückschlägen bestens auskennt. Ebenso Cheftrainer Polzin, der ankündigte, dass man sich wieder aufrichten werde. Startschuss dafür ist der Trainingsauftakt vor dem Heimspiel gegen Hoffenheim am heutigen Dienstagnachmittag um 15 Uhr. Ab da gilt: Schluss mit Enttäuschung, Unzufriedenheit und Wut.
