
Verein
19.04.26
„Ich habe totales Vertrauen in die Gruppe“
In einer Medienrunde äußerte sich HSV-Vorstand Eric Huwer über das verlorene Nordderby, strittige Entscheidungen und die sportliche Gesamtsituation. Zudem bezieht er klar Stellung zu den Vorfällen im Gästeblock.
„Es war eine kurze Nacht“, erklärte Eric Huwer nach der 1:3-Niederlage im Nordderby bei Werder Bremen. Damit erging es dem HSV-Vorstand wie vielen HSVern nach einem Tag, der von einer Mischung aus Enttäuschung, Unzufriedenheit und Wut geprägt war. „Am Ende ist es ein verlorenes Derby, und ich habe noch nie nach einem verlorenen Derby gut geschlafen“, so Huwer weiter in einer Medienrunde, in der er die Geschehnisse auf und abseits des Platzes einordnete. Dabei sprach der 42-Jährige im Detail über …
… das gestrige Spiel: Ein verlorenes Derby fühlt sich nie gut an. Es ist kein normales Spiel. Beide Seiten haben extrem auf diese Partie hingefiebert. Dazu kam die besondere Brisanz an einem Spieltag gegen Ende der Saison, in der es für beide Mannschaften noch um viel geht. Aus meiner Sicht war es ein 50:50-Spiel, das dann letztlich nicht in unsere Richtung gekippt ist.
… strittige Schiedsrichterentscheidungen: Wir fühlen uns durchaus benachteiligt, ohne Ausreden suchen zu wollen. Doch wenn man das eine oder andere Zitat sieht, dann gibt es anscheinend doch Konzessionsentscheidungen mit Blick auf die Bewertung der Situationen rund um Glatzel und Omari. Wenn man dann hört, dass unserem Spieler (Omari, Anm. d. Red.) vorgeworfen wird, dass er in dieser Szene zu schnell wieder aufsteht, dann fehlt mir dafür das Verständnis. Ich hätte mich beklagt, wenn er zu lange liegen geblieben wäre, weil mir dieses Verhalten ohnehin ein Dorn im Auge ist. Man bleibt liegen, wenn man eine Verletzung hat – deshalb kann man dem Spieler überhaupt keinen Vorwurf machen. In dieser Szene hätte der Videoassistent eingreifen müssen.

Bei der Roten Karte gegen Otele ist dann die Rede von einem Trefferbild, das wir in Freiburg beim Duell zwischen Torunarigha und Manzambi wieder nicht bemühen durften, weil es eine fußballtypische Bewegung gewesen sein soll. Unterm Strich sind das viele terminologische Diskrepanzen, mit denen wir nicht einverstanden sind. Dennoch müssen wir uns auch an die eigene Nase fassen. Wir müssen uns auf das fokussieren, was wir beeinflussen können. Hier hätten wir gestern einige Dinge besser lösen können. Und ich bin davon überzeugt, dass wir das zum Ende der Saison auch wieder machen werden. Wir bekommen zu viele Elfmeter und Rote Karten gegen uns. Daran müssen wir arbeiten, damit wir resilienter und auch wieder unbequemer werden.
… die hektische Atmosphäre in der Schlussphase: Ich nehme grundsätzlich überhaupt keine Nervosität wahr, auch wenn ich diesen Eindruck nach Ansicht der Szenen nach dem 1:3 zwischen den Bänken nachvollziehen kann. Gestern waren es vielleicht ein paar Prozent Emotionen zu viel, aber wir alle wollten unseren Fans unbedingt den Derbysieg schenken. Es war im Stadion von der ersten Sekunde an hektisch. Mit dem 1:3 sind einige Emotionen hochgekocht. Das hängt auch mit der hohen Identifikation unserer Trainer und Staff-Mitglieder zusammen. Es sind ja auch keine Beleidigungen gefallen. Wir wollen das nicht auf die Goldwaage legen. Wir wissen, was wir jetzt zu tun haben. Das hat das Trainerteam, das unglaublich akribisch und energetisch arbeitet, heute früh mit der Mannschaft analysiert und die Dinge angesprochen, die gut und weniger gut waren.
„Es gibt immer Rückschläge, aber entscheidend ist, wie groß unsere mentale Power ist, damit umzugehen und wieder aufzustehen“
… die allgemeine sportliche Situation: Es gab jetzt einen Rückschlag, den wir in dieser Saison schon häufiger erlebt haben, unter anderem nach dem dritten Spieltag in München oder nach dem Pokal-Aus gegen Kiel. Letzterem haben wir im Derby eine sehr energetische Leistung folgen lassen. Wir sind jetzt wieder an einem Punkt, an dem wir uns alle in die Pflicht nehmen. Es gibt immer Rückschläge, aber entscheidend ist, wie groß unsere mentale Power ist, damit umzugehen und wieder aufzustehen. Diesbezüglich habe ich totales Vertrauen in die Gruppe.
Und wir haben unser Hauptziel auch nicht vergessen: Wir haben weder nach der Niederlage in München den Kopf in den Sand gesteckt noch nach dem Sieg in Wolfsburg die Zweitliga-Planung in die Schublade gelegt. In der ganzheitlichen Analyse überrascht uns die aktuelle Situation nicht. Wir stehen zu diesem Zeitpunkt fünf Punkte vor dem Relegationsplatz – das hätte ich vor der Saison unterschrieben, auch wenn es sich heute nach der Derby-Niederlage natürlich nicht gut anfühlt.
… die Vorfälle im Gästeblock: Da braucht man keine Wortklaubereien zu bemühen, sondern da wurde eine Grenze klar überschritten. Das ist ein absolutes No-Go. Wir bekennen uns klar zur Fankultur. Wir haben gestern im Stadion von beiden Lagern tolle Bilder gesehen. Das macht den Fußball in Deutschland aus. Fußball findet hier nicht nur auf dem Rasen, sondern vor allem auch auf den Rängen statt. Wir sind ein Club, der diesbezüglich immer extrem positive Schlagzeilen geschrieben hat. Gestern gehörte definitiv nicht dazu. Wir werden den Bremer Kollegen und Behörden behilflich sein, die Verursacher dessen zu identifizieren. Ich fand es wichtig und gut, dass die Abteilungsleitung des Supporters-Clubs hierzu gestern direkt ein eindeutiges Statement veröffentlicht hat.
