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Nachbericht

06.12.20

„Da gehen wir als Team gemeinsam durch“

Trotz der Niederlage gegen Hannover 96 sehen die sportlich Verantwortlichen des HSV ihre Mannschaft wieder auf dem Weg in die richtige Richtung. Und diesen Weg gehen sie geschlossen als Gruppe.

Am Sonntagvormittag herrschte Redebedarf. Und das in vielerlei Hinsicht. Erst in der Kabine, wo das Trainerteam mit der Mannschaft die Analyse der 0:1-Niederlage gegen Hannover 96 vom Vortag vornahm und hierbei „das Spiel aufgearbeitet und die entscheidenden Szenen noch einmal aufgezeigt und besprochen“ hatte, wie Sportdirektor Michael Mutzel erklärte. Und anschließend am Rande des Trainingsplatzes, wo während des Spielersatztrainings HSV-Vorstand Jonas Boldt und Mutzel den Hamburger Journalisten Rede und Antwort standen. Klar, nach fünf sieglosen Spielen mit zuletzt drei Niederlagen gab es viele Fragen.

„Wir haben eine Delle, aber die kriegen wir wieder ausgebeult“ Michael Mutzel

Erste Antworten hatte die Mannschaft geliefert. Und das bereits am Sonnabend, als sich das Team ab der 25. Minute in Unterzahl und im Rückstand liegend dem Gegner aus Hannover gegenübersah – und diese Situation trotz der schlussendlichen Niederlage eindrucksvoll beantwortete. „Der Platzverweis von Sonny Kittel war dumm und unnötig, das weiß er selber, und zusätzlich hatten wir eine kurze schlafmützige Phase, in der das Gegentor fällt“, analysierte Boldt, „von da an aber waren wir deutlich besser als der Gegner und hatten etliche hundertprozentige Chancen. Es ist fast schon skurril, dass wir dieses Spiel trotz der Unterzahl nicht noch gewonnen haben, aber so ist der Fußball manchmal. Das Ergebnis war richtig bitter, dennoch war es eine gute Reaktion auf die letzten Spiele und definitiv ein Schritt in die richtige Richtung.“

Auf dem richtigen Weg sieht auch Mutzel das Team: „Ich habe eine Mannschaft gesehen, die nach dem Platzverweis 65 Minuten lang richtig gut gearbeitet, leidenschaftlich gekämpft, das Spiel beherrscht und sich viele Chancen herausgespielt hat.“ Dennoch, am Ende stand das 0:1. „Das Ergebnis hat nicht gestimmt, das wissen wir“, so Mutzel, „deshalb reden wir auch nichts schön. Es gibt solche Phasen, in denen fängt man sich unglaublich blöde Gegentore und schießt vorn den gegnerischen Torwart an. Wir haben eine Delle, die können und wollen wir nicht wegdiskutieren. Aber die kriegen wir auch wieder ausgebeult, wenn wir so weiterarbeiten.“ Darin sieht auch Boldt den Schlüssel: „Fünf Spiele ohne Sieg sind nicht unser Anspruch, das ist klar. Doch wir müssen diesen Sturm jetzt aushalten und dürfen uns durch ihn nicht vom Weg abbringen lassen.“

„Wir hatten gegen Hannover 96 unsere Griffigkeit wieder zurück“ Jonas Boldt

Denn Fakt ist, dass die Leistung gegen Hannover 96 nach zuletzt zwei schwachen Spielen mit verdienten – wenn auch durch eigene Fehler zustande gekommenen – Niederlagen gegen Bochum und Heidenheim wieder einen deutlichen Aufwärtstrend zeigte. Beherzt in den Zweikämpfen, gut im Spiel nach vorn, lediglich die Chancenverwertung der Rothosen verdiente am Sonnabend das Prädikat „mangelhaft“. Daher gehen auch die sportlich Verantwortlichen positiv in die neue Woche: „In den ersten fünf Spielen waren wir so erfolgreich, weil wir richtig dagegengehalten haben, wir haben nicht gewackelt und waren stabil, was auch gegen St. Pauli und Kiel noch größtenteils zutraf“, so Boldt. „Was nicht passieren darf, sind Fehler und Leistungen wie gegen Heidenheim und Bochum. Doch unsere bisherige Griffigkeit hatten wir gegen Hannover wieder zurück, deshalb werte ich das Spiel trotz des Ergebnisses als Schritt in die richtige Richtung.“

Und die Richtung lautet: nach vorn. „Der Blick in den Rückspiegel bringt uns nicht weiter“, betont Mutzel, „wir beschäftigen uns schon jetzt mit dem nächsten Spiel.“ Das führt den HSV nach Darmstadt, anschließend folgen vor der kleinen Weihnachtspause noch die Partien gegen Sandhausen und Karlsruhe. In diesen Spielen könnte dann auch Sonny Kittel nach seiner Gelb-Rot-Sperre wieder mitmischen. Denn auf eines kann sich der Unglücksrabe vom Sonnabend verlassen: nicht fallengelassen zu werden. „Sonny wollte nach der Kritik der letzten Wochen unbedingt beweisen, dass er es besser kann und war daher übermotiviert und ungestüm. Er hat einen großen Fehler gemacht und ist natürlich extrem geknickt, dass er der Mannschaft solch einen Bärendienst erwiesen hat“, lässt Mutzel einen kleinen Blick hinter die Kabinentür zu und betont: „Da gehen wir als Team jetzt zusammen mit ihm durch und bauen ihn auch wieder auf. Es geht weiter.“ Und zwar zusammen.