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Nachbericht

30.11.19

„Wir müssen auswärts anders auftreten“

Nach der gestrigen 1:2-Niederlage gegen den VfL Osnabrück sprach HSV-Cheftrainer Dieter Hecking heute in einer Medienrunde über die gemachten Fehler, den negativen Auswärtstrend und den Lernprozess der Mannschaft.

Als HSV-Trainer Dieter Hecking am heutigen Vormittag nach der 1:2-Auswärtsniederlage in Osnabrück am 15. Spieltag zur Medienrunde in der Mixed-Zone des Volksparkstadions erschien, war ihm der Frust und die Enttäuschung über das gestrige Ergebnis noch deutlich anzusehen. Zu wenig Aggressivität zeigten die Rothosen in den Zweikämpfen, auch in der Rückwärtsbewegung waren sie nicht konsequent genug und in der Offensive fehlte der nötige Druck nach vorn. Und so hat der HSV an der Bremer Brücke „verdient verloren“, weiß der erfahrene Coach, der die Fehlerquellen der gesamten Mannschaft herausstellte und das Ausmerzen dieser Fehler in den kommenden Spielen forderte. 

Im Detail sprach HSV-Coach Dieter Hecking über…

… die Fehler im gestrigen Spiel: Wenn man gegen einen Gegner wie Osnabrück spielt, der fußballerisch nicht die höchste Messlatte ist, dann muss man über das Zweikampfverhalten kommen. Und dabei waren wir gestern oft zweiter Sieger, insbesondere ab der 20. Minute. Symbolisch dafür ist für mich die Szene vor dem 1:0. Wir waren viel zu lieb, brav und nett. Doch da muss man das Foul ziehen, auch wenn es dafür eine Gelbe Karte gibt, da gibt es keine zwei Meinungen. Aber wir sind auch von hinten bis vorn in die Spitze nicht ausreichend gesprintet und haben zu wenig aus unserem eigenen Ballbesitz gemacht. Wenn wir an der Grundlinie sind, müssen wir den Ball einfach einmal blind reinschlagen, um Unruhe beim Gegner auszulösen und nicht wieder hinten herumspielen. Das sind die Dinge, die uns aufgefallen sind und die wir ansprechen und abstellen müssen.

… die Leistung der Innenverteidiger: Die Innenverteidiger sind immer davon abhängig, was ihre Kollegen davor wegverteidigen. Es ist immer leicht nach so einem Spiel, sich die Innenverteidiger zu schnappen und dort die Schuld zu suchen. Man kann sich aber nicht auf Einzelspieler stürzen und sie für die Niederlage verantwortlich machen, denn es ist nie der Einzelne. Gestern war die Leistung aller Spieler nicht gut. Unsere Mittelfeldakteure waren zu nachlässig in der Rückwärtsbewegung und die Stürmer zu nachlässig beim Anlaufen. Das müssen wir kritisch anmerken und es verbessern. Wir haben in dieser Saison ja auch schon gezeigt, dass wir es können.

… den negativen Auswärtstrend: Wenn man sich einige der Auswärtsspiele anschaut, zum Beispiel die Partien gegen Regensburg, St. Pauli und Osnabrück, ist ein ähnliches Muster zu erkennen. Sie alle haben gar nicht so viele Zweikämpfe geführt und dennoch haben wir nicht die Mittel gefunden, uns in den persönlichen Zweikämpfen entscheidend durchzusetzen. Und das ist dann eben zu wenig, um auswärts zu gewinnen. Wir müssen anders auftreten. Der Trend ist im Moment nicht gut und dagegen müssen wir angehen. Auswärts suchen wir derzeit nach der Leichtigkeit, dem Druck und der Überzeugung, die wir in den Heimspielen zeigen. Das Dresden-Spiel war beispielsweise in der ersten Halbzeit fußballerisch auch nicht der Glanz, in der zweiten Halbzeit hatte das Team aber diese Gier und die Wucht, dieses Spiel zu drehen. Und genau das fehlt mir im Moment auswärts. Gestern nach Harniks Pfostenschuss hat man zum Beispiel gemerkt, dass Osnabrück das Denken angefangen hat und nicht mehr nach vorn kam. Da muss man dann nachsetzen, das haben wir gestern nicht geschafft. Das müssen wir ansprechen und Lösungen finden.

… einen möglichen Knacks nach dem Spiel: Wenn man möchte, dass es einen leichten Knacks gibt, dann kann es diesen auch geben. Im Gegenteil kann auf ein schlechtes Spiel aber auch eine Reaktion kommen und die wollen wir zeigen. Ohne es schön reden zu wollen, ist es so, dass es in einer Saison Phasen gibt, in denen es einer Mannschaft mal leichter und mal schwerer fällt. Wir sind vielleicht gerade in der Phase, in der es uns nicht so leicht von der Hand geht, wie zu Saisonbeginn. Nichtdestotrotz war es erst unsere zweite Saisonniederlage und wir werden auch am Ende dieses Spieltags auf einem der Aufstiegsränge stehen. Wir müssen nun aus unseren Fehlern lernen und uns insbesondere auswärts, aber auch am Freitag beim Heimspiel gegen Heidenheim, besser präsentieren. Vor der Winterpause kommen jetzt noch einmal drei Aufgaben auf uns zu, die die gleichen Charakteristika aufweisen, wie gestern.

… die personelle Situation: Uns fehlen derzeit einige Spieler, vor allem in der Offensive. Das hat man gestern auch gesehen, wir hatten mit Kinsombi und Samperio nur zwei Offensivoptionen auf der Bank. Das ist natürlich suboptimal. Wir hatten Pech, dass mit Hinterseer und Amaechi durch Verletzungen und Jatta durch seine Sperre direkt drei Offensivkräfte gleichzeitig ausfallen und zusätzlich Narey als Rechtsverteidiger aushilft. Ein fitter Hunt hätte uns beim gestrigen Spiel sicher auch gut getan, er ist sehr wichtig für uns. Aber solche Phasen werden andere Mannschaften im Laufe der Saison auch haben und die Niederlage können und wollen wir auf keinen Fall darauf schieben. Das wäre eine billige Ausrede. Mit der derzeitigen Mannschaft hätte man gestern in Osnabrück besser auftreten müssen.

… den Lernprozess der Mannschaft: Wir haben eine gute Mannschaft, aber noch keine sehr gute. Das Team steckt in einem Prozess eine Spitzenmannschaft in der zweiten Liga zu werden. Aber solche Aussetzer wie gestern würden einer absoluten Top-Mannschaft nicht passieren. Jeder Spieler muss nun die nächsten Schritte in die richtige Richtung machen. Dieser Prozess wird auch noch die ganze Saison andauern, denn aus jedem Spiel lernt man neue Dinge.