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Nachbericht

23.08.21

Nach rasantem Ritt gegen Darmstadt – mehr Geduld in Heidenheim

Am gestrigen Sonntag lieferten die Rothosen ein spektakuläres Heimspiel gegen Darmstadt, mussten sich am Ende aber mit einem Punkt begnügen. Mehr Geduld und Kaltschnäuzigkeit sind in Zukunft gefragt.    

Rückstand, Ausgleich, Führung, Ausgleich – im gestrigen Zweitliga-Spiel zwischen dem Hamburger SV und Darmstadt 98 erlebten die 17.950 Zuschauer im unter Corona-Bedingungen ausverkauften Volksparkstadion sowie die 22 Protagonisten auf dem Rasen einen rasanten Ritt. Nachdem Sebastian Schonlau (30.) und Moritz Heyer (45.) die frühe Führung durch Tietz (14.) gedreht hatten, setzte der Darmstädter Angreifer mit seinem zweiten Tor (45.+4) den Schlusspunkt einer ebenso wilden wie spektakulären ersten Hälfte. Diese löste bei allen Beteiligten die geballte Ladung der Emotionen, die der Sport im Allgemeinen und der Fußball im Speziellen entfachen kann, aus: Vorfreude, Hoffnung, Enttäuschung, Mut, Freude, Ekstase, Frust, Wut – bereits in den ersten 45 Minuten war alles dabei und das sollte sich fortsetzen. Die Rothosen zogen auch nach dem Seitenwechsel die Zügel an, brachten offensiv immer wieder ihre Pferdestärken auf die Wiese, verpassten aber den erneuten Führungstreffer und drohten in der Nachspielzeit beinah vom Sattel zu stürzen, als die Darmstädter gegen anstürmende Rothosen zwei gute Kontergelegenheiten ausließen. 

"Wir brauchen mehr Geduld" 

„Wir wollten das Spiel unbedingt gewinnen. Wir haben dann ein bisschen den Kopf verloren, weil die Zuschauer auch kommen, weil sie uns nach vorne pushen und nicht den Ball immer bei Ferro haben wollen“, spielte HSV-Trainer Tim Walter auf den endlich wieder emotional geladenen Kessel Volksparkstadion an, der Rückpässe zwischenzeitlich mit Pfiffen quittierte. „Aber das gehört einfach zu unserem Spiel. Da brauchen wir noch mehr Geduld.“ Heißt: Seine auf vielen Positionen neubesetze und junge Mannschaft, die gestern bei einem Ballbesitzverhältnis von 64:36 Prozent satte 121,1 Kilometer und damit 2,3 mehr als der Gegner abspulte und in dieser Statistik die 2. Liga nach vier Spieltagen mit 477 Gesamtkilometern anführt, darf bei allem läuferischen Einsatz und Siegeswillen den Kopf nicht verlieren. Sie soll auch in der heißen Schlussphase einer Partie das eigene Offensivspiel mutig durchdrücken, um weitere Großchancen zu kreieren.

Denn diese sind zweifellos vorhanden, wenn mit klarem Kopf agiert wird. Die besten im zweiten Durchgang resultierten aus der 62. und 68. Minute, als zunächst Suhonen und dann Glatzel sehr aussichtsreich das 3:2 verpassten. „Es war ein geiles Fußballspiel, besonders im ersten Durchgang. Uns hat anschließend leider die allerletzte Kaltschnäuzigkeit gefehlt. Wir müssen ein bis zwei Dinger vorn noch konsequenter nutzen und dann gewinnen wir so ein Spiel“, resümierte letztgenannter Angreifer am heutigen Montagvormittag. Vereinzelte Häme und Pfiffe blieben auch beim 1,93 großen Angreifer, der die Partie mit einem Stirnverband sichtlich gekennzeichnet beendete, nicht unbemerkt. Im Hinblick auf deren Einordnung schlug der 27-jährige Neuzugang aber in die gleiche Kerbe wie sein Coach. „Die Fans wollen, dass wir nach vorn spielen und gewinnen. Das ist verständlich. Wir müssen einfach etwas mehr Geduld haben. Wir kommen über den Ballbesitz, das ist unser Spiel. Unser Spiel ist Risiko und Chance zu gleich, aber die Richtung stimmt. Wir kreieren uns so viele Chance, wir müssen nur wie schon gegen Dresden einfach das eine Tor mehr machen. Dann sieht es anders aus. Es sind ein paar kleine Stellschrauben, die wir verbessern müssen.“ 

Nächste Station Heidenheim 

Die nächste Gelegenheit, um jene Geduld unter Beweis zu stellen und sich selbst und den eigenen Anhang mit einem Sieg zu belohnen, haben die auf Platz 7 stehenden Rothosen am kommenden Sonnabend beim direkten Tabellennachbarn 1. FC Heidenheim. Für Robert Glatzel, der von 2017 bis 2019 an der Brenz spielte, ein besonderes Spiel: „Ich habe eine besondere Beziehung zum Club. Für meine Karriere war das ein wichtiger Schritt. Ich habe gelernt, wie Zweitliga- und Herren-Fußball funktioniert. Jetzt zählt für mich aber nur der Sieg mit dem HSV. Nach den jüngsten beiden Misserfolgen wollen wir unbedingt gewinnen. Ich habe richtig Bock auf das Spiel!“       

Bock auf das nächste Spiel hat naturgemäß auch HSV-Trainer Tim Walter, der seine Mannschaft nach vier Spielen mit fünf Punkten auf Platz 7 der Tabelle wiederfindet. „Mit der Punkteausbeute sind wir bislang noch nicht zufrieden“, erklärt der 45-Jährige selbstkritisch. „Mit der Art und Weise tasten wir uns langsam ran. Die 100-prozentigen Torchancen waren gegen Dresden und gegen Darmstadt da. Die Jungs werfen alles rein, sie sind sehr, sehr mutig. Mut bedeutet, von seiner eigenen Qualität überzeugt zu sein.“ Auf diesem selbstbewussten Weg, für den sich der HSV taktisch und personell entschieden hat, werden spektakuläre Spielverläufe und emotionale Wechselbäder wie beim gestrigen 2:2-Remis gegen Darmstadt dazugehören. Es liegt an der Mannschaft, die eigene Entwicklung so fortzusetzen, dass auch die Punktausbeute damit in Einklang geht.