
Interview
17.02.26
Otele im großen A–Z: „Mein Karriereweg ist ein Segen“
Von A wie Afrika über M wie Mindset bis hin zu Z wie Ziele – HSV-Neuzugang Philip Otele stellt sich im großen Frage-und-Antwort-Spiel von seiner sportlichen und persönlichen Seite genauer vor.
Sein Karriereweg ist außergewöhnlich: Flügelspieler Philip Otele, der im Winter auf Leihbasis vom FC Basel zum Hamburger SV gewechselt ist, durchlief keinerlei professionelle fußballerische Ausbildung und schaffte über Stationen in Litauen, Rumänien, den Vereinigten Arabischen Emiraten und der Schweiz den Sprung bis in die Bundesliga. Im ausführlichen A bis Z stellt sich der 26-jährige Nigerianer von seiner sportlichen und privaten Seite vor – dabei wird klar: Otele hat viel erlebt und einen reflektierten Blick auf das Leben und den Fußball.

Afrika: Afrika bedeutet mir alles – dort komme ich her, dort lebt noch immer ein Teil meiner Familie. Es ist ein stolzer Kontinent, und ich bin stolz darauf, Afrikaner zu sein.
Bundesliga: Es ist noch immer ein surrealer Moment für mich, in der Bundesliga zu spielen. Ich kann es noch nicht komplett begreifen. Das war immer mein Traum, und jetzt lebe ich diesen Traum in der Realität. Ich bin sehr dankbar für diese Möglichkeit und freue mich einfach, Teil dieser Liga zu sein, die ich seit Jahren verfolge.
Charakter: Ich bin ein ganz entspannter und unkomplizierter Typ – ein Familienmensch, der gern lacht und viel Spaß hat. Mit Blick auf den Fußball bin ich zugleich sehr diszipliniert.
Dribbling: Ich liebe es einfach, zu dribbeln – und habe es von klein auf schon immer geliebt. Als Kind zählte das direkt zu meinen Stärken und Lieblingsbeschäftigungen. Ich habe auch immer zu denjenigen Spielern aufgeschaut, die besonders gut dribbeln können.
England: Meine Zeit dort war fantastisch. Als ich noch jünger war, bin ich bereits häufiger während der Sommerferien hingereist, um meine älteren Brüder und Schwestern zu besuchen, die dort studiert haben. Später habe ich dort selbst studiert und im Uni-Team Fußball gespielt. England ist mein zweites Zuhause.

Fußball: Meine große Leidenschaft. Ich habe es immer genossen, Fußball zu spielen, und träumte schon als kleiner Junge davon, irgendwann einmal Profi zu werden.
Glaube: Der Glaube bedeutet mir sehr viel. Meine gesamte Familie ist sehr gläubig. Vor den Spielen beten wir gemeinsam zu Gott. Für mich ist es wichtig, Gott an die oberste Stelle zu setzen und generell Dankbarkeit für das Leben zu zeigen.
Heimat: Hier würde ich Nigeria nennen. Dort bin ich geboren und aufgewachsen. Meine Heimat ist alles für mich: Familie, Geschwister, Freunde, Wegbegleiter – sie alle haben mich geformt und zu der Person gemacht, die ich heute bin.
Interessen: Ich bin ein riesiger Serienfan, mag vor allem Fantasy mit Schwertkämpfen, wie etwa „Game of Thrones“. Ich bin generell ein Fan von Filmen und gehe beispielsweise auch gern ins Kino, wenn ein neuer Streifen läuft.
Jollof Rice: Natürlich liebe ich das Essen. Meine Mutter und meine Schwester haben das Gericht immer für mich gekocht. Jollof Rice ist bei uns in Nigeria ein Nationalgericht.
Kaunas: Zalgiris Kaunas werde ich für immer dankbar sein. Das war der Club, der mir zuerst die Chance gegeben hat, professionell Fußball zu spielen. Kaunas wird für immer Familie für mich bleiben, denn sie haben an mich geglaubt, obwohl ich ohne professionelle Ausbildung an den Tryouts teilgenommen habe. Auch danach hatten die sportlich Verantwortlichen und der Trainer viel Geduld mit mir und haben mir etwa taktische Fehler verziehen. Es war ein ganz wichtiger Schritt für mich.

Lieblingsverein: Ich bin als Kind als Arsenal-Fan aufgewachsen und verfolge den Club bis heute. Ich hoffe, dass sie in diesem Jahr die Premier League gewinnen können.
Mindset: Ich bin ein Torjäger, der fest an ein unerschütterliches Mindset glaubt. Wenn du dir eine Aufgabe oder ein Ziel setzt, dann musst du immer daran glauben, dass du es erreichen kannst und wirst. Das gilt generell im Leben, aber auch speziell im Fußball – du solltest keinen Druck oder gar Angst verspüren, sondern immer mit der Einstellung reingehen, dass es ein Privileg ist, auf dem Platz stehen zu dürfen.
Nationalmannschaft: Ich arbeite extrem hart dafür, irgendwann einmal die Chance zu bekommen, für die Nationalmannschaft auflaufen zu dürfen. Für einen Fußballer ist das ein absolutes Highlight. Aber aktuell ist das nur ein Traum, den ich mir nur Schritt für Schritt und mit harter Arbeit erfüllen kann.
Offensive: Ich liebe die Momente, in denen man ins Dribbling geht oder den Torabschluss sucht und Tore erzielt. Ich habe schon immer offensiv gedacht, weil du dem Kontrahenten hier am meisten wehtun kannst.
PlayStation: Ich spiele gern PlayStation in meiner Freizeit. Am liebsten spiele ich FIFA und Mortal Kombat. Für mich ist es ein guter Zeitvertreib und Ausgleich.
Qualität: Qualität bedeutet für mich, konstant die beste Version von mir zu zeigen. Damit meine ich, dass ich stets versuche, in allen Bereichen besser zu werden. Ich suche immer nach Verbesserungsmöglichkeiten. Ich bin immer offen für Neues, das mir auf und neben dem Platz weiterhilft.
Rumänien: Das war eine super Erfahrung. Ich habe dort für UTA Arad und CFR Cluj gespielt, zwei gute Mannschaften, in denen ich mich spielerisch und menschlich noch einmal weiterentwickeln konnte. Auch das Leben in Rumänien war spannend – die Menschen dort waren extrem freundlich zu mir und haben es mir einfach gemacht, mich dort wohlzufühlen.
Schwimmen: Ein großes Hobby von mir. Ich erinnere mich noch sehr gut daran, wie wir früher an jedem Wochenende mit der Familie schwimmen waren. Ich genieße das bis heute und gehe in meiner Freizeit immer noch gern ins Schwimmbad.

Tempo: Auf meiner Position ist ein hohes Tempo enorm wichtig. Ich weiß nicht, woher ich meine Grundschnelligkeit habe, aber sie hilft mir als Flügelspieler, breit aufgestellt zu sein. Zudem ist dieses Gefühl auf der Außenbahn großartig, wenn du spürst, dass die Fans auf den Moment warten, in dem du Platz hast und das Tempo anziehst.
Universität: Meine Eltern haben immer einen sehr hohen Wert auf Bildung gelegt. Das stand für sie an oberster Stelle. Es hieß damals: Du kannst Fußball spielen, aber zuerst machst du deinen Abschluss. Ich habe das nicht mit ihnen ausdiskutiert, sondern bin diesem Rat gefolgt und habe Sportmanagement studiert und mein Studium abgeschlossen. Am Ende hat mir das großen Spaß gemacht, weil ich mich generell für Sport und die Zusammenhänge interessiere.
Volksparkstadion: Das erste Mal im Volksparkstadion war unglaublich. Du hast schon beim Aufwärmen gemerkt, wie sehr die Menge bebt und tobt. Es ist definitiv ein Erlebnis, das ich von meiner Bucket List streichen konnte. Ich habe wohl noch nie in einem so großen Stadion gespielt.
Werdegang: Ich sehe meinen Karriereweg als einen Segen an. Alles im Leben passiert aus einem bestimmten Grund. Ich hatte aufgrund von Problemen mit der Arbeitsgenehmigung zunächst Schwierigkeiten, in Europa als Fußballer Fuß zu fassen, und bin dennoch meinen Weg gegangen. In Litauen war ich fernab von meiner Familie auf mich allein gestellt und habe mich durchgekämpft, weil ich den Traum vom Profifußball unbedingt realisieren wollte. Diese Erfahrungen haben mich extrem geprägt.
X-Faktor: Ich wollte als Fußballer schon immer so kreativ und unvorhersehbar wie möglich sein, daher bringe ich vielleicht diesen X-Faktor-Charakter mit, weil ich an beiden Enden des Feldes vielseitig agieren kann: Ich will Tore schießen, ins Dribbling gehen, Zweikämpfe führen und am liebsten auch noch jede Ecke ausführen. (lacht)
YouTube: Ich bin jeden Tag auf YouTube. (lacht) Beim Essen stelle ich mir beispielsweise immer eine Fußballshow oder ein paar Highlights an.
Ziele: Ich möchte auf dem höchstmöglichen Level spielen, um meine Familie glücklich und stolz zu machen. Zugleich ist es mir wichtig, immer mein Bestes zu geben. Denn das habe ich immer in der eigenen Hand.
