
Nachbericht
29.10.25
Polzin: "Wir haben es als Team geschafft!"
Der HSV gewinnt im DFB-Pokal beim Bundesliga-Konkurrenten in Heidenheim mit 1:0, beweist lange Zeit viel Geduld und belohnt sich am Ende mit dem Weiterkommen. Ein Erfolg des gesamten Teams – mit kleinen persönlichen Geschichten, die eben manchmal nur der Pokal schreibt.
Es drohte ein langer Pokalabend zu werden, als der HSV sich am Dienstag (28. Oktober) in der Voith-Arena gegen zehn Heidenheimer mühte, den entscheidenden Treffer zu erzielen und die Verlängerung bereits ganz vorsichtig an die Tür klopfte. Dabei waren die Rothosen von Beginn an das spielbestimmende Team gewesen und bereits mit einer Bilanz von 6:0-Torschüssen in die Halbzeitpause gegangen, fanden in dieser dann aber auf einmal eine komplett neue Spielsituation vor. Denn unmittelbar vor dem Pausenpfiff war HSV-Angreifer Königsdörffer von Heidenheims Siersleben als letztem Mann nur per Foul zu stoppen gewesen, woraufhin Schiedsrichter Brand dem Heidenheimer wegen Notbremse die Rote Karte zeigte. „Uns war klar, dass es deshalb in der zweiten Halbzeit ein ganz anderes Spiel werden würde“, erklärte HSV-Coach Merlin Polzin im Anschluss an die Partie, „darauf haben wir die Mannschaft in der Pause eingestellt und es klar besprochen.“ Hintergrund: Es ging darum, die Ruhe zu bewahren, schließlich war davon auszugehen, dass die ohnehin von Beginn an sehr defensiv eingestellten Heidenheimer in Unterzahl noch mehr Augenmerk auf ihre Defensive legen würden. „Wir haben uns in der zweiten Hälfte zu wenige klare Torchancen erspielt, das hat uns nicht so gut gefallen“, sagte Polzin anschließend, lobte gleichzeitig aber, dass die nötige Geduld aufgebracht wurde.

Und diese wurde schlussendlich belohnt, denn kurz vor dem Ende entschied Schiedsrichter Brand nach einem an der Strafraumkante geführten Zweikampf zwischen Heidenheims Niehues und HSV-Techniker Vieira auf Strafstoß für den HSV, den der eingewechselte Glatzel sicher unten links verwandelte und die Hamburger so im Pokal eine Runde weiter schoss. „Ich hatte schon darauf spekuliert, bald ins Spiel zu kommen“, erklärte Glatzel nach Spielende, schließlich war klar, dass die Hamburger gegen zehn Heidenheimer noch offensiver und auch mit noch mehr Flanken das Glück zu erzwingen versuchen würden. Eine dieser vielen Flanken führte jedoch nicht zum Siegtreffer, was im Nachgang aber niemanden störte. Tenor: Hauptsache weiter! „Gewinner bleibt“, nannte es Polzin anschließend auf der Pressekonferenz und zitierte damit das offizielle DFB-Motto für den Pokalwettbewerb, in dem der HSV nun in der Runde der letzten 16 Teams steht. Oder anders formuliert: im Achtelfinale.

„Es ist überragend, dass wir weitergekommen sind“, sagte Glatzel, für den dieser Abend und dieses Tor besondere Momente waren, da ihn die HSV-Fans die gesamte Zeit über – und nicht nur aufgrund seines Tores – gefeiert und auch nach Spielende in der Kurve gefordert hatten. „Wir freuen uns extrem für Bobby“, sagte nach Spielende auch Miro Muheim, der den HSV als Kapitän aufs Feld geführt hatte und nach Spielende vom DFB als "Man of the Match" geehrt wurde. „Warum auch immer“, lachte der Schweizer, als er auf die Trophäe angesprochen wurde. Ein bisschen zu viel Zurückhaltung, schließlich hatte Muheim wieder einmal 90 Minuten lang voll durchgezogen, seine Seite komplett zugemacht, vorne immer wieder Akzente gesetzt und auch die erste Großchance des Spiels auf dem Fuß gehabt, als er in der siebten Minute nur aufgrund eines im Weg liegenden Heidenheimer Beines unglücklich das frühe 1:0 verpasste.
Wäre dieser Ball reingegangen, das Spiel hätte sehr wahrscheinlich einen anderen Verlauf genommen und es hätte nicht bis in die Schlussphase gedauert, ehe der HSV seine große Dominanz, die sich auch an den 17:5-Torschüssen ablesen lässt, in Zählbares ummünzen konnte. Dann wäre es in den letzten Minuten auch nicht noch einmal brenzlig geworden im Strafraum von Daniel Peretz, der von Polzin für den Pokal das Vertrauen ausgesprochen bekommen hatte und dies souverän mit einem Zu-null-Spiel zurückzahlte. Und es hätte nicht diesen – so ehrlich müssen wir sein – diskutablen Strafstoß gebraucht, der an Vieira verursacht wurde, der somit bei seinem Comeback nach Verletzung und Sperre direkt Entscheidendes beitrug. Doch auch so waren alle Rothosen – inklusive der mitgereisten Fans und des Trainers, der lobte: "Wir haben es gemeinsam geschafft, als Team, das ist für mich das Wichtigste!" – happy mit diesem Pokalabend. Zumal der dann ja schlussendlich dank des emotionalen Glatzel-Treffers doch nicht so lange dauerte, wie einige zwischendurch bereits befürchtet hatten.
