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Saison

21.12.21

Rückblick: Das HSV-Halbjahr in Zahlen

Nach 18 Spielen haben die Rothosen 30 Punkte auf dem Konto und gehen als 3. der Tabelle in die Winterpause. Diese und noch viel mehr Zahlen gibt es in unserem Blick in den Rückspiegel.

Zahlen lügen nicht, sagt der Volksmund. Und so eine Fußballsaison, die gibt schon naturgemäß sehr viele Zahlen her. Jeder einzelne Spieltag tut dies. Der letzte des Jahres am vergangenen Wochenende beispielsweise. Das 1:1 gegen Schalke 04 am 18. Spieltag war Unentschieden Nummer 9 der Rothosen im 1. Halbjahr der Saison 2021/22 und sorgte zur Winterpause für 30 Punkte und damit Tabellenplatz 3 – ganz schön viele Zahlen in einem einzigen Satz, das kann schon verwirrend sein. Daher nehmen wir uns an dieser Stelle lieber etwas mehr Zeit und Platz und gehen dieses erste HSV-Halbjahr der aktuellen Saison noch einmal in Ruhe durch und lassen für alle HSV-Fans ein paar Zahlen sprechen, die zeigen: Es hat sich etwas Gutes entwickelt, die Mannschaft ist auf dem richtigen Weg, aber hier und da gibt es natürlich auch noch Verbesserungspotenzial. HSV.de präsentiert: Zahltag – die bisherige Saison im Rückspiegel und mit mathematischem Anstrich.

Wir beginnen unser buntes Zahlenspiel – dem HSV-Spielansatz entsprechend – sehr offensiv und schauen zuerst auf die Zahlen, die uns vorne bewegen: im Angriff. Beispielsweise auf die Großchancen, derer sich die Rothosen 32 erspielten. In dieser Wertung liegt der HSV denkbar knapp hinter dem FC St. Pauli (33) auf dem 2. Platz. 

31 erzielte Tore bilden für Stoßstürmer Robert Glatzel & Co. einen guten, aber nicht herausragenden Wert. Diese 31 Treffer reichen für Platz 6, wobei das Pech mit 6 Aluminiumtreffern mehr Tore verhinderte. In dieser Kategorie übrigens unangefochtener Pechspitzenreiter: Der FC Heidenheim (13).

7 seiner 31 Tore erzielte der HSV per Kopf, was nach dem SSV Jahn Regensburg (8) den zweitbesten Wert darstellt. Vor allem ein Verdienst von Robert Glatzel, der mit 22 ligaweit die meisten „Torschüsse“ per Kopf abgab und 4 Kopfballtreffer erzielte – niemand in der Liga hat mehr, lediglich Darmstadts Phillip Tietz kommt ebenfalls auf 4 Kopfballtore.

Keine Kopfballtore ohne Flanken, völlig klar. In dieser Rubrik befindet sich mit Bakery Jatta auch ein Hamburger in den Top 10, er flankte bislang 47-mal in den Strafraum. Auffällig dabei: exakt 30% seiner Hereingaben fanden den eigenen Mitspieler, was im Ligavergleich einen sehr guten Wert darstellt. Lediglich Philip Heise (KSC, 32,8%), Leart Paqarada (FCSP, 30,8%) und Fabian Reese (Kiel, 30,1%) haben eine noch höhere Trefferquote.

Bei Toren nach Kontern stehen beim HSV 4 Treffer zu Buche. Die Range in dieser Kategorie ist recht weit, sie reicht von 0 (Fortuna Düsseldorf) bis 9 (FCSP). Wenn man allerdings den mit Abstand meisten Ballbesitz hat (dazu später mehr), dann gestaltete es sich mit den schnellen Gegenstößen nach Ballgewinnen auch schwierig.

Der Spielansatz mit viel Ballbesitz sorgt auch dafür, dass sich das Walter-Team immer gern möglichst nah an das Tor heranspielt. Dies führt dazu, dass in der Rubrik der Distanzschusstreffer lediglich eine 2 aufleuchtet. Zum Vergleich: Vorn im Ranking liegt Jahn Regensburg mit 9 Toren, die von außerhalb des Strafraums erzielt wurden.

Insgesamt aber können die Hamburger mit ihrer Ausbeute recht zufrieden sein. Insbesondere Sonny Kittel, der nach 4 eigenen Toren und 8 Vorlagen mit insgesamt 12 Punkten in den Top 10 der besten Scorer vertreten ist. Auffällig: In den Top 5 dieser Kategorie sind mit Guido Burgstaller (18/14/4) und Daniel-Kofi Kyereh (14/5/9) sowie Phillip Tietz (15/12/3) und Luca Pfeiffer (14/12/2) je zwei Spieler der beiden Aufstiegsplatz-Beleger vom FC St. Pauli und dem SV Darmstadt 98 vertreten. Komplettiert wird die Top 5 von Paderborns Sven Michel (17/13/4).

So sehr man sich über die Tore auf der einen Seite freut, so sehr ärgern einen die Treffer auf der anderen Seite. Aber: Der HSV musste in 18 Partien lediglich 18 Gegentore hinnehmen und weist damit die sicherste Defensive der Liga auf. Auf Platz 2 folgt Darmstadt 98 mit 20 Gegentoren, Schlusslicht Ingolstadt 04 verbuchte doppelt so viele Gegentreffer wie der HSV.

Aber: In einer Defensivkategorie gibt es dennoch Verbesserungsbedarf, wobei auch hier die bereits angesprochene HSV-Spielanlage eine Rolle spielen dürfte. Die Hamburger haben 4 Gegentore nach Kontern kassiert, lediglich Paderborn und Rostock passierte dies noch öfter (je 6). Aber klar: Wer fast immer den Ball hat und nach vorn spielt, der läuft auch mal eher in einen Konter als derjenige, der sich die ganze Zeit vor dem eigenen Tor verschanzt und den Ball gar nicht haben will.

Apropos: Wenn es darum geht, den Ball zu haben und selbst aktiv zu sein und das Spiel zu gestalten, dann führt kein Weg am HSV vorbei. Zusammengefasst in einer Zahl bedeutet dies: Die Mannschaft von Tim Walter verbucht im Schnitt pro Spiel 62,6% Ballbesitz. Das ist mit weitem Abstand der Topwert. Zum Vergleich: Auf Platz 2 liegt Holstein Kiel mit 55,5% Ballbesitzanteil.

Aus diesem Ballbesitz-orientierten Spielansatz ergibt sich zudem, dass die Rothosen auch in den Kategorien „Meiste Pässe“ und „Beste Passquote“ auf dem 1. Platz liegen. Es wurden 8.807 Pässe gespielt, an diesen Wert kommt mit Abstand niemand heran. Und auch die Passquote von 84,5% ist unangefochten die beste der Liga.

Zentraler Punkt hierbei: Kapitän und Abwehrorganisator Sebastian Schonlau, der im Spielaufbau des HSV eine entscheidende Rolle einnimmt. Er kurbelt immer wieder die Spieleröffnung an und belegt daher mit 1.290 gespielten Pässen, von denen eine starke Passquote von 90,9% beim Mitspieler ankommt, in beiden Ranglisten den 1. Platz. 

Mit 1.597 Ballaktionen ist Käpt`n Schonlau als erster Aufbauspieler der Rothosen auch der Spieler der Liga, der grundsätzlich am häufigsten am Ball ist. Interessant: In den Top 10 der meisten Ballkontakte stehen ausschließlich Abwehrspieler – jeweils 5 Innen- und 5 Außenverteidiger.

Während Routinier Schonlau den Ball meist schnell und zielgerichtet weiterspielt, hat Youngster Faride Alidou einen anderen Ansatz: Er geht auf den offensiven Außenbahnen immer wieder gern ins Dribbling, ins Eins-gegen-eins, und das mit Erfolg. Dieser drückt sich nicht nur in Toren und Assists aus, sondern auch in Prozenten. Denn Alidou setzte sich in sensationellen 78,6% seiner Alleingänge durch und zog am Gegenspieler vorbei. Die Zweit- und Drittplatzierten Mats Möller Daehli (FCN) und Julian Justvan (SCP) kommen auf jeweils 72,7%.

Genauso wichtig wie diese in der Offensive gewonnenen Duelle sind natürlich Zweikämpfe ganz allgemein. Und hier gilt: Der HSV ist gut, aber in der Statistik nicht ganz oben dabei. 50,7% gewonnene Duelle bedeuten Rang 7, auf Platz 1 steht Holstein Kiel mit 52,8%.

Dass derlei Werte sich nicht immer zwingend in der wirklichen Tabelle widerspiegeln, zeigen beispielsweise die gerade angesprochenen Kieler. Top bei den Zweikampfwerten und beim Ballbesitz (siehe oben), aber in der Tabelle steht zur Winterpause Platz 12. Oder andersherum: Darmstadt 98 zählt nicht zu den fleißigsten und schnellsten Teams, steht aber aktuell auf einem direkten Aufstiegsplatz.

Bei den Sprints und Tempoläufen nämlich zieren die sich auf Aufstiegskurs befindlichen Darmstädter (66 Kilometer Sprint/107 Kilometer Tempolauf) das Tabellenende. Der HSV hingegen ist oben dabei und belegt mit 80,4 Kilometern im Sprint sowie 123 Kilometern im Tempolauf Platz 2 der Vollgas-Kategorie. Bei allen Laufwerten übrigens uneinholbar vorn: Der FC Heidenheim, der auf insgesamt 2.145,5 Kilometer Laufleistung kommt, wobei die Rothosen mit ihren 2.115,4 Kilometern auch in diesem Ranking auf Rang 2 rennen.

Hamburgs Bester auf der Distanz ist übrigens Jonas Meffert, der 195,8 Kilometer abspulte und damit die Top 10 der Liga erreicht, die von zwei Paderbornern angeführt werden: Marco Schuster (214,2 km) und Ron Schallenberg (212,6) sind die Pferdelungen der 2. Liga und könnten sich nach ihrer Karriere auch als Marathonläufer versuchen. 

Manche mögen es da lieber ein bisschen schneller. So wie Bakery Jatta, der für den HSV die meisten Sprints anzieht und mit seiner Höchstgeschwindigkeit von 34,9 km/h in den Top 10 der schnellsten Spieler landet. Diese Rangliste führt Rostocks Streli Mamba an, der mit 36,0 km/h geblitzt wurde. Aber: Niemand sprintet so viel wie Baka, der mit 10,8 im Sprint zurückgelegten Kilometern die mit Abstand größte Distanz im höchsten Tempo zurückgelegt hat. Das entspricht fast dem Hin- und Rückweg zwischen Volksparkstadion und Millerntor. Wahsinn!

Man sieht also: Am Willen und der Bereitschaft mangelt es den Rothosen nicht. Ganz im Gegenteil. Und so betrachten Tim Walter und sein Team den 3. Tabellenplatz zur Winterpause als gute Ausgangslage, um im zweiten Teil der Saison so richtig durchzustarten. Im Vollsprint, aber auch mit der nötigen Ausdauer. Und offensiv durchschlagskräftig, ohne hinten die Deckung zu vernachlässigen. So soll es angegangen werden, das zweite HSV-Halbjahr. In dem zählt dann – bei aller Freude an der Zahlenspielerei – am Ende nur eines: die echte Tabelle.