
Interview
24.04.26
Sven Schipplock: „Es sind die krassen Gegensätze meiner Karriere“
Der ehemalige Mittelstürmer spielte einst für den HSV und die TSG Hoffenheim. Vor dem Duell seiner beiden Ex-Clubs erinnert sich der 37-Jährige zurück, und er erklärt, warum es bei den Rothosen für ihn nicht rund lief. Zudem verrät er, was er heute macht.
HSV.de: Schippo, lang ist’s her: Deine Ankunft in Hamburg liegt elf Jahre zurück, dein Abschied acht. Wie viel Hamburg steckt noch in dir?
Sven Schipplock: Ich bin tatsächlich bis heute Fan der Stadt und des Clubs. Ich bin mindestens einmal im Jahr in Hamburg, weil mir die Stadt so gefällt. Ich bin gerne mit der Familie dort.
Du hast vor drei Jahren deine Profikarriere beendet. Wie ergeht es dir seither und wie gestaltest du deine Zeit?
Mir ist es nicht so schwergefallen, die Karriere zu beenden. Vom Kopf und Körper her war es einfach an der Zeit. Aber mir hat der Fußball mehr gefehlt, als ich gedacht hätte. Das war in der Anfangszeit etwas, womit ich zu kämpfen hätte. Insbesondere der tägliche Rhythmus und das Mannschaftsgefüge haben mir gefehlt. Nach meiner Karriere habe ich viel Zeit mit meiner Familie und dem Reisen verbracht. Vor einem Jahr habe ich gemeinsam mit einem Sportartikelhersteller einen Shop in Pfullingen/Reutlingen eröffnet.

Am kommenden Sonnabend treffen um 18.30 Uhr mit dem HSV und der TSG 1899 Hoffenheim zwei deiner Ex-Clubs aufeinander. Welche Bilder schießen dir in den Kopf, wenn du an deine Zeit bei diesen Vereinen denkst?
Es sind die krassen Gegensätze meiner Karriere. (schmunzelt) Bei Hoffenheim hatte ich die erfolgsreichste Zeit, beim HSV die schwerste. Bei Hoffenheim muss ich an den letzten Spieltag in Dortmund denken, als wir uns in die Relegation gerettet haben. Oder ein Pokalspiel, bei dem mir fünf Tore gelangen. Beim HSV sind die Highlights leider ausgeblieben, weshalb es mir schwerfällt, einen bestimmten Moment auszuwählen. Ich denke dann eher an das Mannschaftsgefüge und die Trainingslager.
Bei den Kraichgauern erlebtest du die erfolgsreichste Zeit deiner Karriere: In 98 Pflichtspielen gelangen dir 26 Tore und 19 Vorlagen. Warum lief es dort so gut für dich?
Pressing, schnelles Umschaltspiel – das System war wie maßgeschneidert für mich. Die Art, wie wir unter Markos Gisdol Fußball gespielt haben, hat perfekt zu mir gepasst. Und die Mannschaft war super: Süle, Rudy, Firmino, Salihovic, Baumann, und, und, und. Wir hatten eine Riesenqualität. Es hat einfach alles gestimmt.
Beim HSV hingegen hattest du keine leichte Zeit und dich nach eigenen Aussagen mit dem neuen Umfeld schwergetan. Bereits vor der Rückkehr von deiner Leihe zum SV Darmstadt 98 hattest du dich reflektiert über dein erstes Jahr in Hamburg geäußert. Wie hast du deine HSV-Zeit heute für dich eingeordnet?
Ich finde es schade, dass es so gelaufen ist, wie es gelaufen ist. Es lag an mehreren Faktoren. Ich dachte, dass ich zum Zeitpunkt des Wechsels von meiner Persönlichkeit und meinem Selbstbewusstsein her weiter gewesen wäre. Ich dachte, ich wäre dem Verein mit seiner Wucht und dem Drumherum gewachsen. Es war eine Fehleinschätzung meinerseits, dass mir die Kritik von außen nicht so nahegehen würde. Ab einem gewissen Zeitpunkt wurde ich nur auf Tore reduziert – was ich bis dahin in meiner Karriere nicht kannte. Die wenigen Chancen, die ich hatte, habe ich aufgrund von zu großem Druck liegengelassen. Zum ersten Mal begann ich, an mir zu zweifeln. Das war der Knackpunkt. Von da an war ich total verkopft und konnte nicht mehr frei spielen. Das konnte ich auch bis zum Ende meiner Karriere nicht wirklich von mir abschütteln. Jeder Stürmer weiß, wie wichtig ist es, instinktiv zu handeln, und sich nicht zu viele Gedanken zu machen.

Nach deinem Abschied verbrachte der HSV sieben Jahre in der 2. Bundesliga, bevor er im vergangenen Sommer wieder nach oben zurückkehrte. Inwieweit hast du über diese Zeit mitgefiebert und tust du es vielleicht immer noch?
Wenn meine Kinder mich lassen, schaue ich mir viele Spiele live an. (lacht) Im Ernst: Ich verfolge den HSV intensiv. Ich fiebere mit und drücke die Daumen. Ich hoffe, dass der Klassenerhalt gelingt.
Was ist deine Meinung zum Saisonverlauf der Rothosen? Und wie zuversichtlich bist du mit Blick auf das Ziel Klassenerhalt?
Als Aufsteiger vier Spieltage vor Schluss fünf Punkte Vorsprung auf den Relegationsplatz zu haben, ist eine gute Ausgangssituation. Ganz egal, ob ein paar mehr Punkte bestimmt drin gewesen wären. Ich bin guter Dinge, dass der HSV noch die nötigen Zähler holen und in der Liga bleiben wird.
Worauf kommt es im Kampf um den Klassenerhalt an – was muss ins Bewusstsein rücken und wovon sollte man sich freimachen?
Es hört sich einfach an: Man muss sich so wenig Gedanken wie möglich darüber machen. Je weniger Gedanken man sich macht, umso besser laufen die Spiele. Natürlich guckt man sich mal die Tabelle an, das Restprogramm, und rechnet. Am Ende muss man aber sämtliche Szenarien ausblenden und mit dem Bewusstsein ins Spiel gehen, dass es wie an jedem anderen Wochenende auch um drei Punkte geht. Nichtsdestotrotz geht es im Kampf um den Klassenerhalt ein Stück weit härter und dreckiger zu.
Abschließend: Wem drückst du am Sonnabend eigentlich die Daumen?
Da ich für beide Clubs gespielt habe, kann ich mich nicht auf eine Seite schlagen. (schmunzelt) Ich würde mir wünschen, dass der HSV zumindest einen Punkt holt, weil das im Kampf um den Klassenerhalt wertvoll wäre. Also wäre ich aus persönlicher Sicht mit einem Unentschieden zufrieden.
