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Saison

27.03.21

Schönes Ding – 50 Jahre Tor des Monats!

Jubiläum: Vor 50 Jahren kürte die ARD-Sportschau zum ersten Mal das Tor des Monats. Bislang wurden 16-mal HSVer mit der Sieger-Medaille ausgezeichnet.

Die Idee, die Sportjournalist Klaus Schwarze Anfang der 1970er Jahre von einer England-Reise mitbrachte, war und ist grandios. Und so nachhaltig, dass ihre immer neue Umsetzung nun schon ein halbes Jahrhundert nahezu unverändert und ohne große Abnutzungserscheinungen überstanden hat. Das „Tor des Monats“ ist inzwischen längst zum Markenzeichen der ARD-Sportschau geworden, ein unverzichtbarer „Klassiker“, eine TV-Institution. Wie groß seine Fangemeinde ist, konnten die Macher der Sendung schon unmittelbar nach der Premieren-Ausstrahlung im März 1971 erahnen: Kolportierte 600.000 (!) Postkarten-„Stimmzettel“ brachten damals die Kölner Briefträger sowie Hausmeister und Redakteure im Westdeutschen Rundfunk gehörig ins Schwitzen. Am Ende mussten Insassen der nahegelegenen Justizvollzugsanstalt Klingelpütz helfen, den gewaltigen Postberg zu sortieren und auszuwerten. 

Komprimierte (Fußball-)Kunst

Der Grund für diese Erfolgsgeschichte liegt auf der Hand: Die zwei- bis maximal drei-minütigen Filmchen mit dem Zusammenschnitt der fünf nominierten Treffer liefern in schneller Folge stets eine atemberaubende Essenz dessen, was den Fußball so faszinierend macht: Slalom-Solo, Volleyschuss, Fallrückzieher, Flugkopfball, Distanz-Kracher. Hacke, Spitze, einszweidrei. Winkel, Innenpfosten, UnterkanteLatte – drin! Fußball-Leckerbissen ohne Sättigungsbeilage, das vielzitierte „Salz in der Suppe“ in Reinform. Kurz: komprimierte (Fußball-)Kunst. 

Große Kunst war lange auch die Art der Präsentation: Anfangs kündigte eine Comicfigur mit Torwartkappe die fünf zur Wahl stehenden Tore an, eine Art öffentlich-rechtliches Nummerngirl. Ende der 1970er bis Mitte der 1980er Jahre verwendeten die Sportschau-Macher als Jingle und Hintergrundmusik für das „Tor des Monats“ den Rhythmus-Teil des DiscoHits „Don’t Let Me Be Misunderstood“ von Santa Esmeralda. Quentin Tarantino untermalte mit diesem Song eine Schlüsselszene seines Blockbusters „Kill Bill“ und verhalf ihm so im Jahr 2003 zu erneuter Popularität. Die Cutter verstanden es stets bravourös, das charakteristische Crescendo und den Musik-Höhepunkt mit den Bildern und Zeitlupeneinstellungen vom Reinrauschen und Einschlagen des Balls in die Maschen und Kreuzecke zu synchronisieren. Prägende Momente der Fußball-Sozialisation. Bis heute bei jedem Hören des Songs ein zuverlässiger Gänsehautauslöser und Trigger fürs Kopfkino und eine Zeitreise in die Kindheit, als im Garten oder auf dem Dorf-Sportplatz unter lautem Intonieren der Melodie versucht wurde, die Zauberschüsse der Idole nachzuahmen. 

HSV-Gewinnzahlen: 16 aus 556

Genau dazu fordert die Sportschau ihre Zuschauer jetzt anlässlich des anstehenden goldenen Jubiläums auf: „Stellen Sie eines dieser Tore zu Hause nach, filmen Sie das Ganze, senden Sie uns ein Video davon, und werden Sie Teil der Sportschau.“ Zur Anschauung wurde das Archiv geöffnet und im Internet die historische Tor-Parade zum Durchklicken bereitgestellt: www.sportschau.de/sendung/tdm/archiv. Was für eine herrliche Zeitreise! Was für ein wunderbarer Zeitfresser! Und welche Rolle spielt in diesem Archiv der HSV? Seine Spieler haben es bis heute 16-mal auf die Ehrentafel der Torschützen des Monats geschafft, Manni Kaltz und Felix Magath sogar doppelt, Kevin Keegan und Piotr Trochowski im Dress ihrer Nationalmannschaften. Kaltz war es auch, der die Liste der prämierten HSV-Schützen im Mai 1972 im Stadion an der Grünwalder Straße eröffnete.

Der bislang letzte HSVer, der sich ganz nach oben aufs Sportschau-Treppchen zauberte, war im Dezember 2009 Eljero Elia mit seinem feinen Lupfer beim 1. FC Nürnberg. Seither gab es zwar einige Nominierungen, aber kein Sportschau-Gold mehr. Am dichtesten dran war im Februar 2014 noch Hakan Calhanoglu mit seinem frechen 40-Meter-Freistoß gegen Borussia Dortmunds Roman Weidenfeller. Dem Türken fehlte am Ende in der Zuschauergunst nur ein mickriger Prozentpunkt gegenüber dem mit einem Volleyschuss gegen Real Madrid erfolgreichen Schalker Klaas-Jan Huntelaar. Zu starke bzw. hübsche Konkurrenz in Form eines eingesprungenen Volley-Hackentors von Frankfurts Luka Jovic hatte im April 2018 als bislang letzter HSVer, der es in die Verlosung schaffte, auch Aaron Hunt. Dessen Balsam-Böller und Hoffnungs-Hammer im Abstiegskampf landete zwar passgenau im Kreuzeck des Schalker Kastens, bei der Abstimmung jedoch nur auf Platz drei. Im Juli 2019 durfte zwar endlich mal wieder ein HSVer jubeln. Doch Torschütze Aaron Opuku war zu diesem Zeitpunkt (wie aktuell auch) verliehen und bejubelte sein Kunststück im Trikot von Hansa Rostock. Das zählt somit nur so halb und schafft es nicht als Nr. 17 in die HSV-Liste. 

Also: Es wird mal wieder Zeit! Kalender raus und Rotstift gezückt! Wir wüssten da schon ein paar Termine im April oder Mai, an denen es wichtig und deshalb auch besonders schön anzusehen wäre …

Anschauungsunterrichtet bietet eine Auswahl der HSV-Tore des Monats in diesem Video