
Interview
10.04.26
Demirovic über seine HSV-Zeit: „Als Balljunge war ich bei vielen Spielen dabei“
Der Mittelstürmer des VfB Stuttgart wurde einst im HSV-Nachwuchs ausgebildet. Bis heute sind der gebürtige Hamburger und seine Familie der Raute eng verbunden. Im Interview spricht er über diese Verbindung, das Wiedersehen am Sonntag und Nationaltrainer Sergej Barbarez.
HSV.de: Ermedin, du hast schon häufiger betont, dass du und alle in deiner Familie HSV-Fans sind. Nun triffst du auf den Club, mit dem du so viel verbindest. Wie fühlt sich das für dich an?
Ermedin Demirovic: Es bedeutet mir sehr viel. Ich habe schon öfter betont, wie gerne ich an die Zeit beim HSV zurückdenke. Meine Familie geht auch heute noch regelmäßig ins Stadion.

Du hast insgesamt zehn Jahre im HSV-Nachwuchs verbracht. Wie war diese Zeit für dich und deine Familie? Warum ist dir der HSV dadurch so am Herzen geblieben?
Es war etwas ganz Besonderes, als kleines Kind in so einem Verein zu spielen, in der Nähe des Stadions zu wohnen und den Jubel der Fans zu hören. Als Balljunge war ich bei vielen Spielen dabei. Ich habe es geliebt, ins Stadion zu gehen und die Stimmung aufzusaugen. Deshalb ist mir der Verein automatisch ans Herz gewachsen. Zudem war es der erste große Verein, bei dem ich spielen durfte.
Wie bewertest du als Gegner die bisherige Saison des HSV? Und was für ein Spiel erwartest du am Sonntag?
Der HSV spielt als Aufsteiger eine richtig gute Saison und präsentiert sich sehr stabil. Sie machen es jedem Gegner schwer. Es wird ein schwieriges Spiel für uns gegen einen starken Gegner. Für den HSV geht es noch um alles, auch wenn sie sich einen kleinen Vorsprung erarbeitet haben. Wir wollen unseren Heimvorteil nutzen und das Spiel auf unsere Seite ziehen.

Aus deiner HSV-Zeit gibt es ganz tolle Bilder von dir als Teenager mit langen Haaren. Was müsste passieren, damit du diese wieder so trägst?
(lacht) Ich glaube, ich würde mich nie wieder trauen, die Haare so zu tragen. Das passiert nicht mehr.
Wenn du in Hamburg zu Besuch bist, schaust du häufiger bei den Spielen deines jüngeren Bruders Semir – kickt für den HEBC in der Oberliga – vorbei. Zu wie viel Prozent verfolgst du ein Spiel dann als großer Bruder und als Fußballprofi?
Es macht mir Spaß, am Spielfeldrand zu stehen und als Zuschauer die Oberligaspiele meines Bruders anzuschauen. Wenn wir freie Tage haben und es zeitlich passt, bin ich vor Ort in Hamburg. Wenn ich nicht dabei sein kann, schickt mir mein Bruder immer die Links, über die ich die Spiele verfolgen kann.
In der bosnischen Nationalmannschaft wirst du wiederum von HSV-Legende Sergej Barbarez gecoacht. Wie ist die Arbeit unter ihm? Und unterhaltet ihr euch manchmal über den HSV?
Das ist natürlich eine sehr schöne Geschichte. Er kennt die Fotos, wie er mich nach einem Trainingsspiel auf dem Arm getragen hat. Ich hatte ein Trikot mit seinem Namen und seiner Rückennummer. Dass er heute mein Trainer in der Nationalmannschaft ist, ist schon etwas ganz Besonderes. Vom Vorbild und Idol zum Nationaltrainer, mit dem wir uns für die WM qualifiziert haben – mehr geht eigentlich nicht.

Kürzlich habt ihr euch für die WM qualifiziert. Wie würdest du die Momente auf dem Platz nach dem Abpfiff gegen Italien und danach in der Stadt beschreiben?
Das ist ein unbeschreibliches Gefühl und kaum in Worte zu fassen. Wir haben eine unglaubliche Euphorie entfacht. Die Menschen so glücklich zu sehen, ist sehr schön. Den Moment nach dem letzten Elfmeter sowie die Stunden und Tage danach werde ich nie vergessen. Das bleibt für immer.
Wie ist das Gefühl, zu wissen, dass du unter normalen Umständen im Sommer an einer WM teilnehmen wirst?
Vor ein paar Tagen war das noch kein Thema, und jetzt hat man den Gedanken, dass man nach der Saison mit der Nationalmannschaft an einer Weltmeisterschaft teilnehmen darf. Das ist ein unglaublich schönes Gefühl. Bis dahin sind es aber noch ein paar Wochen. Deshalb liegt der Fokus voll auf den verbleibenden Spielen mit dem VfB. Wir haben noch wichtige Partien in der Bundesliga und im DFB-Pokal, die wir erfolgreich gestalten wollen. Gleichzeitig ist die Vorfreude auf das, was danach kommt, natürlich groß.
