
Interview
01.06.26
Ticketing 2026/27: Einfacher, transparenter, klarer
Mit Beginn des Dauerkartenverkaufs informiert der HSV erneut transparent über die Grundsätze und Anpassungen im Ticketing der HSV-Herren für die neue Spielzeit. Auch zur Saison 2026/27 haben sich Cornelius Göbel (Direktor Fans, Kultur & Nachhaltigkeit) und Dr. Philipp Winter (Direktor Recht & Organisation) im Doppelinterview auf HSV.de über die Weiterentwicklung des Ticket-Pricings ausgetauscht.
HSV.de: Cornelius, Philipp, sportlich betrachtet geht für den HSV mit dem doppelten Klassenerhalt der Männer und der Frauen eine überaus erfolgreiche Saison zu Ende. Wie fällt das Fazit aus Sicht der Bereiche Fans und Ticketing aus?
Cornelius Göbel: Der doppelte Klassenerhalt unserer Männer und Frauen ist weit mehr als ein sportlicher Erfolg. Er erzählt etwas darüber, was möglich wird, wenn in einem Verein die Arbeit auf dem Platz, die Überzeugung in den Mannschaften und vor allem die Energie der Menschen, die diesen Verein tragen, zusammenkommen.
Was unsere Anhängerschaft in dieser Saison geleistet hat, war wieder einmal außergewöhnlich. Ob im Volksparkstadion oder auswärts quer durch die Republik, diese Unterstützung hatte eine Intensität, die man nicht beschreiben kann, wenn man sie nicht selbst erlebt hat. Es gab Spiele, in denen man gespürt hat, dass die Teams von den Rängen mitgezogen wurden. Genau darin liegt die besondere Kraft dieses Vereins. Der HSV ist dann am stärksten, wenn Tribüne und Mannschaften sich gegenseitig tragen.
Philipp Winter: Da kann ich Cornelius nur zustimmen. Unsere Fans waren in der abgelaufenen Saison erneut weltklasse! Und das lässt sich auch anhand von Zahlen ablesen: 17 ausverkaufte Heimspiele bei den HSV-Herren, mehr als 90.000 Zuschauer bei den 13 Heimspielen unserer HSV-Frauen und damit Platz vier im europäischen Vergleich – das alles sind Rekordzahlen, die es so beim HSV noch nicht gegeben hat und um die uns viele andere Clubs in Deutschland und Europa beneiden.

Als wir vor ziemlich genau einem Jahr erstmals für ein Doppelinterview zusammensaßen, gab es im Ticketing ebenfalls Rekordzahlen zu vermelden. Trotzdem hat sich seinerzeit Kritik an den Ticketpreisen in die Aufstiegseuphorie gemischt. Wie ist euer Blick zurück darauf?
Göbel: Wenn ich an den Mai 2025 denke, dann natürlich zuerst an diesen Aufstiegstag gegen Ulm. An diese Wucht im Stadion. An die Minuten nach dem Abpfiff. An das Gefühl, dass sich eine ganze Stadt gemeinsam entlädt. Solche Momente bleiben für immer.
Aber zu einem ehrlichen Rückblick gehört eben auch, dass die Saison 2024/25 nicht nur von Euphorie geprägt war. Die Diskussionen rund um die Ticketpreise und die Proteste vieler Fans waren genauso Teil einiger Spiele. Und ich glaube, genau darin lag auch eine wichtige Erkenntnis für uns. Denn hinter der Kritik stand ja nicht einfach nur die Frage nach einem einzelnen Preis. Es ging vielen Menschen um etwas Grundsätzlicheres, um Fairness, um Transparenz und um das Gefühl, mitgenommen zu werden. Deshalb war es wichtig, nicht reflexhaft zu reagieren, sondern zuzuhören. Und ich glaube, dass genau dieser offene Austausch am Ende auch dazu beigetragen hat, wieder mehr Verständnis füreinander zu schaffen.
Winter: Wir sind seinerzeit in einen intensiven und konstruktiv-kritischen Austausch mit unseren Anhängern gegangen. Wir haben viel zugehört, offen und ehrlich diskutiert und Perspektiven ausgetauscht. Das Thema des Ticket-Pricings wird dabei immer ein kontroverses bleiben, weil die Verantwortung für ein sozialverträgliches Preisgefüge und die wirtschaftlichen Realitäten des Bundesliga-Wettbewerbs per se in einem Spanungsverhältnis zueinanderstehen. Allein die bestehende Nachfrage nach Tickets zu unseren Heimspielen würde es uns erlauben, gerade in den oberen Preiskategorien deutlich höhere Preise aufzurufen und damit zusätzliche Erlöse im Millionenbereich zu generieren.
Ich möchte an dieser Stelle aber gerne das wiederholen, was wir bereits vor einem Jahr gesagt haben: Das Public-Ticketing ist für uns kein Bereich der reinen Erlösmaximierung. Als Ergebnis des im vergangenen Jahr aufgenommenen Dialogs haben wir folglich eine Preisstruktur entwickelt, die dem Bedürfnis nach Transparenz und Fairness unter Berücksichtigung der anspruchsvollen wirtschaftlichen Realitäten des Wettbewerbs bestmöglich gerecht wird.
Du spielst darauf an, dass der HSV zur Saison 2025/26 eine Abkehr von rein dynamischer Preisgestaltung umgesetzt und stattdessen ein transparentes Preissystem mit klaren Preisgrenzen eingeführt hat.
Winter: Richtig. Uns war wichtig, nach den Diskussionen im vergangenen Jahr nicht einfach nur einzelne Preise anzupassen, sondern ein System zu schaffen, das nachvollziehbar ist. Klare Kategorien, klare Grenzen, klare Kommunikation. Denn Akzeptanz entsteht meistens dort, wo Menschen Entscheidungen verstehen können.
Göbel: Die Atmosphäre im Volkspark lebt davon, dass dort Menschen aus allen Generationen und Lebensrealitäten zusammenkommen. Genau diese Mischung macht unseren Support aus. Und genau deshalb war für uns immer klar, dass wirtschaftliche Verantwortung und soziale Zugänglichkeit zusammengedacht werden müssen. Stadionbesuche sind für viele Menschen nicht nur eine gewöhnliche Freizeitentscheidung. Für viele ist der HSV Teil ihres Lebensrhythmus. Deshalb tragen wir bei diesem Thema auch eine besondere Verantwortung.
Wie wurde die Umstellung eurer Wahrnehmung nach angenommen?
Göbel: Ticketpreise werden im Fußball nie rein sachlich diskutiert. Gerade die klare Einordnung der Spiele in feste Kategorien hat aber für deutlich mehr Nachvollziehbarkeit und Akzeptanz gesorgt. Viele Fans haben uns positive Rückmeldungen dafür gegeben, dass sie heute besser verstehen, wie sich Preise im Verhältnis der einzelnen Spiele und Ticketkategorien zueinander gestalten. Gleiches gilt im Übrigen für die Gestaltung der Dauerkartenpreise zur Saison 2025/26. Auch hier wurde positiv aufgenommen, dass wir eine nachvollziehbare und in sich logische Systematik in der Preisgestaltung eingeführt haben. Dieses Fundament hat sich aus unserer Sicht bewährt. Deshalb geht es mit Blick auf die neue Saison auch nicht darum, wieder alles neu zu denken, sondern das bestehende System sinnvoll weiterzuentwickeln.

Dann lasst uns diesen Ball direkt aufnehmen und den Blick nach vorne auf die neue Saison 2026/27 richten. Die Preisgestaltung für die neue Saison steht. Schauen wir zunächst auf die Dauerkartenpreise: Was verändert sich dort konkret?
Winter: Zur neuen Saison werden wir die Dauerkartenpreise nicht pauschal erhöhen. Allerdings vollenden wir nun die zur vergangenen Saison eingeführte Preislogik, bei der die einzelnen Preiskategorien in einem stringenten Abstufungsverhältnis zueinanderstehen. Auf die Vollendung dieser Preislogik hatten wir in der vergangenen Saison in drei von sechs Preiskategorien bewusst verzichtet, um zu große Preissprünge zu vermeiden bzw. schrittweise vorzugehen. Die Anpassungen, die wir nun noch vornehmen, sind sehr moderat: In diesen drei Preiskategorien liegen die Erhöhungen gerade einmal zwischen 0,18 Euro und 1,41 Euro pro Spiel. Die anderen drei Preiskategorien bleiben dementsprechend stabil.
Göbel: Uns war von Anfang an wichtig, diesen Weg nicht abrupt zu gehen. Deshalb haben wir bereits im vergangenen Jahr transparent kommuniziert, dass die neue Preislogik schrittweise umgesetzt wird – in eine nachvollziehbare und in sich stimmige Struktur, die langfristig fair und tragfähig bleibt. Genau diesen Prozess führen wir jetzt konsequent, aber mit Augenmaß, fort.
Gleichzeitig verlieren wir nie aus dem Blick, was eine Dauerkarte für viele Menschen bedeutet. Sie ist oft weit mehr als nur ein Platz im Stadion. Dahinter stehen Rituale, Erinnerungen, Familiengeschichten und häufig eine Verbundenheit mit dem HSV, die über Jahrzehnte gewachsen ist. Dieses Bewusstsein begleitet unsere Entscheidungen bei jeder einzelnen Anpassung. Deshalb halten wir auch weiterhin an einer sehr sozialverträglichen Preisgestaltung fest. Im Stehplatzbereich werden nach wie vor 14 Euro pro Spiel gezahlt. Mehr als die Hälfte aller Dauerkarten liegt bei weniger als 21 Euro pro Spiel, und insgesamt ermöglichen drei Viertel aller ausgegebenen Dauerkarten einen Stadionbesuch für unter 30 Euro pro Partie. Gerade im Vergleich zu anderen fanrelevanten Clubs ist das weiterhin ein sehr maßvolles und bewusst verantwortungsvoll gestaltetes Preisniveau.
Welche Rolle spielt dabei das Verhältnis zwischen Tages- und Dauerkarten?
Winter: Eine sehr große. Wenn man sich unsere Sitzplatz-Dauerkarten anschaut, gewähren wir dort durchgehend einen Rabatt, der in den einzelnen Preiskategorien bei ungefähr fünf Spielen gegenüber dem rechnerischen Tageskartenpreis liegt. Das ist im Marktvergleich ein sehr attraktiver Wert.
Ist das künftig die Orientierung?
Winter: Ja, das ist ein wichtiger Punkt. Die Dauerkarte ist für uns Ausdruck einer langfristigen Bindung an den HSV und soll deshalb auch weiterhin einen spürbaren Vorteil gegenüber dem Tageskartenkauf bieten. Gleichzeitig ist es wichtig, dass dieses Verhältnis nachvollziehbar und langfristig tragfähig bleibt. Deshalb möchten wir uns bei künftigen Anpassungen stärker an einer klaren Systematik zwischen Tageskarten- und Dauerkarten-Pricing orientieren.
Auch die Nutzungsquote der Dauerkarte wird angepasst. Warum?
Göbel: Die Dauerkarte beim HSV ist inzwischen ein knappes Gut geworden. Gleichzeitig gibt es sehr viele Menschen, die seit Jahren darauf hoffen, regelmäßig ins Stadion zu kommen. Daraus entsteht auch eine Verantwortung für einen möglichst fairen Umgang mit dieser Nachfrage. Uns geht es bei der Anpassung der Nutzungsquote deshalb nicht darum, Druck aufzubauen. Es geht vielmehr um die Idee, dass ein Platz im Stadion möglichst auch genutzt wird. Ein voller Volkspark ist keine Selbstverständlichkeit. Er lebt davon, dass möglichst viele Menschen Teil dieser gemeinsamen Atmosphäre werden können.
Was ändert sich konkret?
Winter: Die verbindliche Nutzungsquote steigt von bislang zwölf auf künftig 13 von insgesamt 17 Heimspielen. Wichtig ist aber: Die Weitergabe der Dauerkarte im privaten Umfeld zählt natürlich auch. Und um die Regelung noch fairer zu gestalten, wird zukünftig auch die Weitergabe über die HSV-Ticketbörse auf die Nutzungsquote angerechnet. Wer also einmal verhindert ist und seine Karte offiziell weitergibt, erfüllt damit ebenfalls die Nutzung. So verhindern wir, dass Plätze leer bleiben und bieten mehr HSVern die Chance auf einen Stadionbesuch. Gleichzeitig verhindern wir dadurch den Weiterverkauf auf dem ungeregelten Zweitmarkt und schaffen mehr Fairness und Sicherheit für alle Beteiligten.
Was ist zur neuen Saison bei den Tageskarten geplant?
Winter: Zunächst einmal ist uns ein Punkt besonders wichtig: Wir verzichten auch zur Saison 2026/27 auf eine Erhöhung der Tageskartenpreise. Stattdessen geht es uns darum, die im vergangenen Jahr eingeführte Systematik weiter zu verbessern und nachvollziehbarer zu gestalten. Wir haben sehr viel positives Feedback auf die Einführung der festen Spielkategorien erhalten. Die Transparenz wurde insgesamt als großer Fortschritt wahrgenommen. Gleichzeitig haben wir aber auch Rückmeldungen bekommen, dass die Unterschiede zwischen den mittleren Kategorien nicht immer klar nachvollziehbar waren und ein System mit fünf Kategorien teilweise zu komplex wirkt. Deshalb verdichten wir das System jetzt auf drei klar erkennbare Kategorien mit nachvollziehbaren Abstufungen.

Was bedeutet das konkret?
Winter: Die bisherigen Preise der Kategorie A bleiben unverändert. Wir werden also auch zur neuen Saison keine Tageskarten im Public-Bereich für mehr als 89 Euro verkaufen, auch nicht bei Topspielen, bei denen wir wirtschaftlich ohne Weiteres andere Preise aufrufen könnten. Dass wir das bewusst nicht tun, ist Ausdruck einer klaren Haltung. Auch die bisher günstigste Kategorie E bleibt preislich identisch und wird künftig zur neuen Kategorie C. Dazwischen verdichten wir die Kategorien B, C und D der vergangenen Saison zu einer einzelnen Kategorie B, die preislich genau zwischen der oberen und der unteren Spielkategorie liegt.
Göbel: Wenn wir über Zugänglichkeit sprechen, betrachten wir dabei übrigens nicht nur die Heimspiele unserer Männer. Mit den Heimspielen unserer Frauen im Volksparkstadion haben wir inzwischen ein weiteres attraktives Angebot geschaffen, bei dem Tickets für Familien, Kinder und Gelegenheitsbesucher zu sehr günstigen Preisen erhältlich sind. Die Besuchszahlen bei den Heimspielen unserer Frauen in der vergangenen Saison zeigen, dass dieses Angebot hervorragend angenommen wird. Unser Ziel ist es, möglichst vielen Menschen den Stadionbesuch beim HSV zu ermöglichen, unabhängig davon, für welches unserer Teams sie sich begeistern.
Ein weiteres Thema, mit dem ihr euch aktuell befasst, betrifft unterschiedliche Preiszuordnungen bei Tages- und Dauerkarten in einzelnen Blöcken. Was steckt dahinter?
Winter: Historisch bedingt kommt in einzelnen Blöcken beim Verkauf von Dauerkarten eine niedrigere Preiskategorie zur Anwendung als beim Tageskartenverkauf.
Warum ist das problematisch?
Winter: Weil dadurch in manchen Bereichen rechnerisch ein Dauerkartenrabatt von fast acht Spielen, also rund der Hälfte aller Heimspiele, entsteht. Das ist perspektivisch kein ausgewogenes Verhältnis mehr, weder im Verhältnis von Dauer- zu Tageskarte noch im Verhältnis der Dauerkarten untereinander, da diese Schieflage nur bestimmte Blockbereiche betrifft.
Und wie geht ihr damit um?
Göbel: Sehr sensibel und mit Augenmaß. Bestehende Dauerkarten genießen zunächst Bestandsschutz. Niemand muss befürchten, dass sich seine bisherige Dauerkarte kurzfristig oder rückwirkend durch diese Angleichung verändert. Gleichzeitig ist es uns wichtig, die Systematik perspektivisch sauber und fair weiterzuführen. Deshalb werden wir bei neuen Vergaben, bei Umplatzierungen oder auch bei Abtretungen künftig konsequent die jeweils zutreffende und systematisch richtige Preiskategorie anwenden. So stellen wir sicher, dass die Preislogik nicht nur verständlich bleibt, sondern auch langfristig in sich stimmig und gerecht umgesetzt wird.
Abschließend: Wenn ihr die Veränderungen im Ticketing zur neuen Saison 2026/27 in einem Satz zusammenfassen müsstet – wie würde dieser lauten?
Winter: Weniger Komplexität, klare Prinzipien und stabile Preise.
Göbel: Uns ist bewusst, dass Ticketpreise immer Diskussionen auslösen werden. Das gehört im Fußball auch dazu. Entscheidend ist aus unserer Sicht deshalb nicht, jede Debatte zu vermeiden, sondern Entscheidungen nachvollziehbar zu machen und offen zu erklären. Genau darin sehen wir unsere Verantwortung gegenüber den Menschen, die diesen Verein Woche für Woche begleiten.
