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Team

19.07.22

Tim Leibold: „Es hat einfach nur die Freude überwogen“

Der Vize-Kapitän feierte in Braunschweig sein Pflichtspiel-Comeback nach fast neun Monaten Pause. Im Gespräch mit HSV.de spricht der 28-Jährige über den Weg dahin und seine Ambitionen für die Zukunft.

Beinahe wäre das Pflichtspiel-Comeback in Braunschweig (17. Juli, 2:0) gar nicht zustande gekommen. Zwar stand Tim Leibold schon deutlich vor dem Ende der Nachspielzeit am Spielfeldrand für seine Einwechslung bereit, zunächst kam aber keine Spielunterbrechung zustande und dann verpasste der vierte Offizielle auch noch ein mögliches Wechselfenster bei einem Einwurf der Gastgeber. Rund 60 Sekunden vor dem Abpfiff war es dann aber doch soweit: Tim Leibold betrat den Rasen im Eintracht-Stadion und feierte damit 264 Tage nach seinem Kreuzbandriss sein hart erarbeitetes Comeback. "Vor meiner Einwechslung habe ich gar nicht so viel nachgedacht, im Prinzip hat einfach nur die Freude überwogen, endlich wieder in einem Pflichtspiel auf dem Platz zu stehen“, erklärt der Protagonist in Bezug auf den Moment seiner Rückkehr.

Rückblick: Rund 460 Autokilometer von Braunschweig entfernt, in Nürnberg, erlitt „Leibe“ am 26. Oktober 2021 die bis dato schwerste Verletzung seiner Profikarriere. Ausgerechnet an seiner alten Wirkungsstätte (spielte von 2015 bis 2019 für den „Club“) musste der Linksverteidiger mit einer Trage vom Feld gebracht werden, die folgenden MRT-Untersuchungen bestätigten die schlimmsten Befürchtungen. Ein langer Reha-Prozess begann, den der Linksverteidiger aber genauso annahm, wie es seinem Naturell entspricht: Mit einem Lächeln im Gesicht und viel positiver Energie. Der in der Mannschaft überaus anerkannte Vize-Kapitän ließ sich nicht unterkriegen und kämpfte sich gemeinsam mit vielen helfenden Händen zurück auf den Platz. "Meine Freundin musste auch mal die eine oder andere schlechte Stimmung von mir aushalten, von daher gebührt ihr sicher der meiste Respekt. Eine große Rolle haben aber auch die Physiotherapeuten und Sebastian Capel gespielt. Die gesunde Mischung aus akribischer Arbeit und lockeren Sprüchen war für mich optimal. Natürlich haben auch die Telefonate mit der Familie und die Gespräche mit Sonny [Kittel, Anm. d. Red.] und Stephan [Ambrosius, Anm. d. Red.] sehr geholfen. Gerade am Anfang, als ich viele Fragen hatte, haben sie mir die Angst genommen.“ 

Schon im Februar drehte der 28-Jährige gemeinsam mit Reha-Coach Capel seine ersten Laufrunden im Volkspark, vor dem Ende der vergangenen Spielzeit stieg er wieder ins Mannschaftstraining ein. Der nächste Meilenstein folgte am 29. Juni, als er im Testspiel gegen Hajduk Split (2:2) erstmals wieder Spielminuten sammelte und dabei andeutete, dass er an der Kugel und im Zweikampf nichts verlernt hat. Auf dem anschließenden Mannschaftsabend rundete eine emotionale Rede von HSV-Physiotherapeut Christian Tambach den Reha-Prozess endgültig ab. "Ich muss ehrlich gestehen, dass dieses Gefühl von "dabei sein" schon am Ende der vergangenen Saison wieder vorhanden war, weil ich da zurück beim Team war. Der Moment, als Christian die Rede gehalten hat, war dennoch bewegend, deswegen hatte ich auch ein bisschen Pipi in den Augen. Das war für mich und auch für Stephan, der an dem Tag ja auch sein Comeback gefeiert hat, echt schön zu hören.“

Schon zu dem Zeitpunkt stand also fest: Leibe ist zurück – und die Einwechslung in Braunschweig untermauert diese Annahme. Ein potenzieller Ausnahmespieler der 2. Bundesliga steht somit wieder vollumfänglich zur Verfügung, in den nächsten Wochen und Monaten kann und will der erfahrene Linksfuß (145 Zweitliga-Spiele) eine ganz wichtige Rolle im HSV-Konstrukt einnehmen. „Die restlichen Körner kommen jetzt über die Spiele. Ich bin aber auf einem richtig guten Weg und möchte gern wieder kontinuierlich auf dem Platz stehen, denn das war in meiner Profikarriere immer der eigene Anspruch. Das ich dennoch etwas Geduld mitbringen muss, ist mir auch klar.“ Fakt ist also: Die beinahe gar nicht zustande gekommene Einwechslung in Braunschweig war erst der Anfang.