
Saison
10.02.26
Traditionell gut: Zum 1887. Mal Bundesliga mit dem HSV
Gesamtbilanz, Serien, Ergebnishäufigkeiten, Lieblings- und Angstgegner, Tabellenränge, Dauerbrenner und vieles mehr: Vor dem 1887. Bundesliga-Spiel des HSV ist die Redaktion tief ins Archiv abgetaucht und hat zahlreiche Zahlen, Daten und Fakten aus der blau-weiß-schwarzen Bundesliga-Historie zusammengetragen.
Für den Hamburger SV ist das nächste Bundesliga-Heimspiel gegen den 1. FC Union Berlin am kommenden Sonnabend (14. Februar, Anstoß: 15.30 Uhr) ein ganz besonderes: Es ist die 1887. Partie der Rothosen im Fußball-Oberhaus. Der HSV ist damit erst der siebte Bundesligist, der eine Gesamtspielzahl passend zu seinem „Geburtsjahr“ erreicht. Zuvor feierten in ähnlicher Weise bereits der SV Werder Bremen (Gründung: 1899; Jubiläumsspiel: 2020), der FC Bayern München (1900; 2021), der VfB Stuttgart (1893; 2023), Borussia Dortmund (1909; 2023), Borussia Mönchengladbach (1900; 2024) und zuletzt Eintracht Frankfurt (1899; 2025).
Der 1887-Bundesliga-Meilenstein ist also aller Ehren wert und verdient eine ganz besondere Würdigung. Und damit nehmen wir euch in den folgenden Zeilen ganz ausführlich an die Hand – zu einer intensiven Zeitreise durch die Bundesliga-Geschichte des HSV!

Triumph, Enttäuschung und ein bisschen was dazwischen
Nach 1886 Bundesliga-Spielen des HSV steht folgende Gesamtbilanz zu Buche: 751 Siege (= 39,8%), 502 Remis (= 26,6%) und 633 Niederlagen (= 33,6%). Das ergibt einen Schnitt von 1,46 Punkten pro Spiel. Der höchste HSV-Sieg gelang am 12. Februar 1966 im Hamburger Schneetreiben mit 8:0 über den KSC (Foto), die torreichsten Punkteteilungen mit 4:4 bei den Auswärtstrips nach Dortmund (15. Januar 1977) bzw. gleich zweimal binnen eines halben Jahres am Wolfsburger Elsterweg (3. März und 23. September 2000). Die heftigsten Pleiten setzte es allesamt in München: 2:9 in Giesing gegen 1860 (7. März 1964) sowie drei Klatschen gegen den FC Bayern in Fröttmaning: 2:9 (30. März 2013) sowie zweimal 0:8 (14. Februar 2015 und 25. Februar 2017).
Ergebnishäufigkeiten
Das Ganze noch mal etwas genauer: Die meisten Spiele seiner Bundesliga-Historie, nämlich exakt 237 (= 12,6%, also im Schnitt etwa jede acht Partie) beendete der HSV mit einem 1:1-Unentschieden. Auf den Plätzen: 2:1-Siege (151-mal), 0:0 (131-mal). Absolute Raritäten, ja sogar „One-Hit-Wonder“ in der HSV-Ergebnissammlung, sind dagegen folgende fünf Resultate: 7:1 gegen Schalke (25. Oktober 1980), 7:2 gegen Dortmund (28. Januar 1984) und 7:3 gegen Kaiserslautern (18. April 1964) sowie auswärts 2:8 in Mönchengladbach (26. September 1987) und 1:8 in Oberhausen (26. September 1970).
„Immer wieder, immer wieder, immer wieder … HSV!“
Besser als jede Netflix-Serie: Die Spiele #528 bis 534 markieren die längste Bundesliga-Erfolgsserie des HSV. Sieben Siege in Folge im April und Mai 1979, namentlich gegen Düsseldorf (2:1 H), Braunschweig (2:0 H), Dortmund (3:1 A), Duisburg (3:0 H), Köln (6:0 H), Schalke (3:1 A) und Frankfurt (4:0 H), machten den Weg zur ersten Bundesliga-Meisterschaft frei. Eigentlich müsste man auch noch das Serienende, Spiel #535, dazuzählen, denn das torlose Unentschieden auf der Bielefelder Alm wurde noch enthusiastischer gefeiert als die sieben Erfolge zuvor, machte es doch den Titel endgültig perfekt.
Die Spiele #1711 bis 1717 zwischen Dezember 2013 und Mitte Februar 2014 hingegen kann man getrost vergessen. Der Chronistenpflicht halber sind sie dennoch erwähnt: Sieben Versuche, siebenmal gar nix geholt. Puh! Erlösung brachte schließlich ein 3:0-Heimsieg über Dortmund.
Und dazwischen: Sieg oder Niederlage? Im September und Oktober 1995 und noch einmal im März und April 2001 konnte der HSV sich und seine Bundesliga-Partien nicht so recht entscheiden und teilte sechsmal in Folge mit dem Gegner die Punkte.

Unschlagbar ...
... war der HSV in seinen 36 Bundesliga-Spielen zwischen Januar 1982 und Januar 1983. 20 Siege und 16 Unentschieden mit 97:41 Toren (darunter mit #632, dem 4:3 beim FC Bayern, dem vielleicht spektakulärsten Bundesliga-Auftritt aller Zeiten, Foto) bildeten unter der Regie von Trainer Ernst Happel die Grundlage für zwei Meisterschaften. Getoppt wurde diese Serie bislang nur einmal: Von November 2012 bis März 2014 blieb der FC Bayern sogar in 53 Bundesliga-Spielen nacheinander unbesiegt.
„Schießt ein Tor für uns!“
Zwischen Juni 1981 und April 1982 trafen die HSV-Profis 29-mal in Folge mindestens einmal. Erst an Bayer Leverkusen mit Torwart Uwe Greiner biss sich die meisterliche „Torfabrik“ um Horst Hrubesch, Jimmy Hartwig, Lars Bastrup & Co. beim 0:0 im Volkspark die Zähne aus.
Die längsten Torserien eines HSV-Spielers gelangen Uwe Seeler (November 1963 bis Februar 1964) bzw. Rafael van der Vaart (August bis Oktober 2007), die in sieben aufeinanderfolgenden Bundesliga-Spielen zehn- bzw. siebenmal erfolgreich waren.
Taub für die Wünsche der Tribüne bzw. glücklos vor des Gegners Kasten agierte der HSV dagegen zu Beginn der Saison 2016/17, als er gleich sieben Mal in Folge ohne Treffer blieb. Erst nach 716 Bundesliga-Spielminuten bzw. geschlagenen zwölf Stunden brachte Nicolai Müller das gegnerische Tornetz endlich mal wieder in Wallung. Doch das nützte auch nicht wirklich viel: Der HSV verlor sein Heimspiel gegen Dortmund mit 2:5.

„Schießt kein Tor gegen uns!“
Kein Fangesang, weil holpriges Versmaß, aber trotzdem gut: Die Spiele #751 bis 756 stehen für eine blitzsaubere Defensivleistung. Torwart Uli Stein konnte sich im Oktober und November gleich sechsmal in Folge die virtuelle „Weiße Weste“ für gegentorlose Spiele überstreifen. Er und seine Vorderleute blieben bei ihrem Club-Rekord insgesamt 602 Spielminuten bzw. mehr als zehn Stunden lang ohne Gegentor.
Jetzt geht’s los: Zeit für den HSV
Sonnabend, 15.30 Uhr – dieser Termin ist Teil deutscher Fußball-Kultur, steht synonym für die Bundesliga. Auch das jetzt anstehende Spiel #1887 startet zu dieser „Traditionszeit“. Der HSV kommt damit auf 1198 Bundesliga-Anpfiffe am Sonnabendnachmittag um „halb vier“, das entspricht einem Anteil von 63,5 Prozent. Der „ewige HSV-Terminkalender“ weist mittlerweile insgesamt 41 verschiedene Bundesliga-Anstoßzeiten auf. Nach dem klassischen Termin ging es am häufigsten freitags um 20.00 Uhr (106-mal) und sonntags um 17.30 Uhr (78-mal) um Punkte. Absolute Termin-Exoten als einzige Montagsspiele: #25 am 30. März 1964 in Frankfurt (2:2, österliches Nachholspiel) und #852 am 3. Oktober 1988 in Nürnberg (4:1).
Nordderby & Co. – „They call it a klassiker“
Auf seinem Weg zu Spiel #1887 kreuzte der HSV mit nahezu allen anderen 57 Bundesligisten mindestens zweimal die Klingen. Ausnahmen: Holstein Kiel, deren Ausflug ins Oberhaus in die HSV-Zweitklassigkeit fiel, und Union Berlin, gegen die das Rückspiel noch aussteht. Doch das Geburtstagsjahr-Spiel schließt diese kleine Lücke. Die Köpenicker zählen damit zu den zehn Teams, gegen die der HSV nur eine Saison „tanzte“: Preußen Münster (1963/64), Tasmania Berlin (1965/66), Fortuna Köln (1973/74), Blau-Weiß 90 Berlin (1986/87), VfB Leipzig (1993/94), SSV Ulm (1999/00), SpVgg Greuther Fürth (2012/13), SC Paderborn (2014/15) sowie aktuell auch der 1. FC Heidenheim.
Von ganz anderem Kaliber sind dagegen die Zahlen der Aufeinandertreffen mit den Dauerrivalen. Gegen Werder ging es bisher immer (mittlerweile 109-mal). Dreistellige Dimensionen haben zudem die Duelle mit folgenden Gegnern erreicht: FC Bayern (108 Spiele), VfB Stuttgart (105), Borussia Dortmund (103), Borussia Mönchengladbach und Schalke 04 (100). Eintracht Frankfurt wird sich Anfang Mai als siebtes Mitglied in diesen Club einreihen.

Lieblings- und Angstgegner
Gegenüber 37, also zwei Drittel, seiner bisherigen Kontrahenten hat der HSV im Direktvergleich die Nase vorn. Gegen neun weist die Statistik eine ausgeglichene Spielbilanz aus, und gegen lediglich zehn Vereine ist sie negativ.
Die mit Abstand meisten Siege gab es gegen den VfB Stuttgart (45) zu feiern, gefolgt von Eintracht Frankfurt (41) sowie Borussia Mönchengladbach und dem 1. FC Kaiserslautern (je 40). Die meisten Treffer gelangen gegen den BVB (180).
Nur gegen einen Gegner gab es noch nicht die volle Punktzahl und keinen Bundesliga-Treffer zu bejubeln: Union Berlin. Spiel 1887 bietet da doch die perfekte Gelegenheit diese unschönen „Nullen“ zu tilgen, oder? Die meisten Punkteteilungen gab es gegen Werder: 35 an der Zahl. Und die meisten Niederlagen? Na klar, gegen die Bayern: 66.
Tabellenränge: 115-mal Spitzenreiter, 38-mal Schlusslicht
Am Ende seiner bislang gespielten 1886 Bundesliga-Spieltage sortierte sich der HSV am häufigsten auf Platz 3 ein, nämlich satte 160-mal (= 8,5%); am seltensten belegte er erfreulicher Weise Rang 18 (38-mal = 2,0%).
Die erste von 115 Tabellenführungen gelang schon nach Spiel #4 am 14. September 1963 und einem 3:0-Heimsieg über Eintracht Frankfurt; die bislang letzte datiert vom 26. September 2009, als Mladen Petric golden zum 1:0-Heimsieg gegen den FC Bayern einnetzte. Die Rote Laterne des Schlusslichts hingegen musste im Volkspark erstmals am 7. Oktober 1972 angezündet werden. In der ersten Spielzeit nach dem Karriereende von Uwe Seeler war dafür eine 2:3-Niederlage bei Hannover 96 ursächlich. Letztmals ganz am Boden des Tableaus rangierte der HSV nach dem 28. Spieltag der Abstiegssaison 2017/18 und das trotz eines 1:1-Remis beim VfB Stuttgart.

Dauerbrenner
Sagenhafte 131 Einsätze von März 1976 bis Dezember 1979 – häufiger in Serie als Manfred Kaltz war kein HSVer auf den Spielberichtsbögen zu finden. Da der Flanken- und Elferkönig aber kurz vor Ende seines 112. Auftritts im Rahmen dieser Rekord-Serie ausgewechselt wurde, gibt es noch einen weiteren nennenswerten Super-Dauerbrenner in der HSV-Bundesliga-Geschichte: Uli Stein hütete vom 30. Mai 1981 beim KSC (1:1) bis zum 30. März 1985 in Bielefeld (1:4), bei dem er verletzt ausschied, 128-mal nacheinander das HSV-Tor – insgesamt 11.501 Bundesliga-Spielminuten lang in ununterbrochener Folge!
Ein-Minuten-Männer
Für bisher 33 Spieler war ihr Debüt zugleich auch das einzige Bundesliga-Spiel für den HSV. Drei von ihnen wurden bei ihren Einsätzen ganz spät eingewechselt, sie kommen – statistisch gesehen – auf eine Spielminute: Detlef Spincke am 24. Januar 1976 gegen Offenbach (2:0), Ahmet Arslan am 28. November 2015 gegen Werder (3:1) sowie Finn Porath am 20. November 2016 bei Hoffenheim (2:2).
„Rasselbande“
Der Abschluss der Saison 1971/72 ist in mehrfacher Hinsicht bemerkenswert: Zum sechsten und letzten Mal erlebte die ehrwürdige HSV-Heimat am Rothenbaum an diesem 28. Juni 1972 ein Bundesliga-Spiel. Doch nur knapp 5.000 Zuschauer kamen und konnten eine bis heute gültige Minuskulisse nicht verhindern. Schade, denn die Truppe, die der junge HSV-Trainer Klaus-Dieter Ochs (32) da aufbot, schlug sich beim 1:1 gegen den 1. FC Köln wacker und hätte durchaus größere Beachtung verdient gehabt. Mit einem Durchschnittsalter von 22,8 Jahren ist es die jüngste HSV-Bundesliga-Elf aller Zeiten: Rudi Kargus (19) – Caspar Memering (19), Manfred Kaltz (19), Hans-Jürgen „Ditschi“ Ripp (26), Hans-Jürgen Hellfritz (24) – Peter Nogly (25), Klaus Zaczyk (27), Ole Bjørnmose (28), - Günter Selke (18), Peter Lübeke (19), Klaus Winkler (23).

„Rentnerband“
Spiel #1247: Aus Erfahrung gut – der kurz nach Roy Prägers Tor zum 1:0-Endstand eingewechselte Soner Uysal riss den Schnitt zwar noch einmal etwas nach unten, trotzdem: Folgende von Frank Pagelsdorf zusammengestellte Mannschaft, die am 1. April 2000 drei Punkte aus Dortmund entführte, ist mit einem Durchschnittsalter von 30,0 Jahren die älteste, die jemals für den HSV in der Bundesliga auflief: Jörg Butt (31) – Thomas Gravesen (24), Andrej Panadic (31) – Niko Kovac (28) – Martin Groth (30), 87. Andreas Fischer (37), Bernd Hollerbach (30) – Rodolfo Esteban Cardoso (31) – Roy Präger (28), Thomas Doll (33), 46. Harald Spörl (33, Foto) – Anthony Yeboah (33), 80. Soner Uysal (22).
1056-mal vorne, 973-mal hinten
Von den 1056 Spielen (= 55,9%), in denen der HSV in Führung ging, endeten 751 mit einem Sieg (= 71,1%), 200 mit einem Unentschieden (= 18,9%) und 105 mit einer Niederlage (knapp 10%). Die höchste Halbzeitführung gab es am 14. November 1981 zu Hause gegen Darmstadt mit 5:0 (Endstand: 6:1). Die komfortabelsten Führungen, die der HSV noch vergeigte, betrug drei Tore. Zweimal gab es danach noch ein Remis: Am 29. Mai 1982 im Meisterfeier-Trubel im Volkspark gegen den KSC (3:3) sowie in Spiel #1243 am 3. März 2000 in Wolfsburg (4:4 nach 4:1).
Und umgekehrt? Von den 973 Spielen (= 51,6%), in denen der HSV in Rückstand geriet, endeten 633 mit einer Niederlage (= 65,1%), 212 mit einem Remis (= 21,8%) und 128 (13,2%) mit einem Sieg. Den deftigsten Halbzeitrückstand gab es am 30. März 2013 mit 0:5 gegen den FC Bayern (Endstand: 2:9). Seine größten Comebacks gelangen dem HSV jeweils nach einem Drei-Tore-Rückstand am 21. März 1964 gegen den Meidericher SV (0:3 nach 75 (!) Minuten, Endstand: 3:3) und in Spiel 460 am 19. März 1977 in Köln Müngersdorf gegen den FC (0:3 nach 55 Minuten, Endstand: 3:3).

Volle Hütten und Geisterspiele
Zusammengerechnet knapp 64,2 Millionen Zuschauer haben – nimmt man die jeweils im Fachmagazin „kicker“ publizierten Zahlen als Quelle – bis heute HSV-Bundesliga-Fußball live im Stadion erlebt. Das entspricht einem Schnitt von etwa 34.000 pro Partie, bei Heimspielen waren es mathematische 33,3 Millionen bzw. 35.300 pro Spiel, auswärts kommen Adam Riese & Co. auf 30,9 Millionen bzw. etwa 32.750 pro Spiel. (Die Corona-Spiele vor gespenstisch leeren Rängen fanden allesamt zu Zweitliga-Zeiten statt.)
Wer von den mehrfach Erfassten hat wohl die meisten gesehen? „Air Bäron“ vielleicht? Frank Niemann, bitte melden! Bei den bestbesuchten HSV-Auftritten war der Paketzusteller und Vielfach-Gucker aus Westbevern noch nicht dabei: Spiel #32 am 29. August 1964 vs. Hertha BSC verfolgten offiziell 85.589 (!) Menschen im Berliner Olympiastadion und bekamen dabei keine Tore zu sehen. Lediglich beim Hertha-Heimspiel gegen den 1. FC Köln rund fünf Jahre später strömten mit 88.075 noch mehr Fans zu einem Bundesliga-Spiel. Als größte Heimspielkulisse des HSV gilt Spiel #70, das Premieren-Duell mit dem FC Bayern am 20. Oktober 1965 (0:4), bei dem es nur Tore für die Falschen, dafür aber kurzfristig einen Aushilfstorwart namens Gerd Müller zu bestaunen gab: 71.000 sorgten damals auf den eigentlich weitläufigen Tribünen der Betonschüssel Volkspark für Sardinendosen-Feeling. Mehr Bewegungsfreiheit hatten da die mit 5.000 Zahlenden wenigsten Live-Zeugen eines HSV-Bundesliga-Spiels. Sie fanden sich zu Spiel # 298, dem 1:1 gegen den 1. FC Köln am 28. Juni 1972, auf dem Sportplatz am Rothenbaum ein.
Groundhopping
Heimat Volkspark: Das Stadion an der Sylvester- bzw. Uwe-Seeler-Allee war logischer Weise Schauplatz für die Hälfte aller HSV-Bundesliga-Auftritte. Wobei: Ganz so logisch nun auch wieder nicht. Und es ist sogar ein Spiel mehr als die Hälfte. Genaugenommen stiegen bislang nämlich 937 der 943 HSV-Heimspiele im Volkspark. Unter anderem wegen Umbau-Arbeiten für die Weltmeisterschaft 1974 musste man im Endspurt der Fußballjahre 1970, 1971 und 1972 insgesamt sechsmal auf den Sportplatz am Rothenbaum ausweichen. Echte Groundhopper-Perlen mit nahezu makelloser Erfolgsbilanz: 5/1/0. Die „Fehltermine“ wurden wieder ausgeglichen: Zwischen 1978 und 2002 fanden sieben „Auswärtsspiele“, bei denen Stadtrivale FC St. Pauli offiziell der Gastgeber war, in Bahrenfeld statt.
Abzüglich dieser Duelle mit Braun-Weiß ging es also 936-mal auf Reisen, zu insgesamt 63 Spielstätten. Am häufigsten das Ziel waren dabei mit jeweils 54 Besuchen das Bremer Weserstadion und die Arena in Stuttgart (52 Spiele vs. den VfB, zwei vs. die Kickers). Auf gleich vier verschiedene Gegner traf man im Berliner Olympiastadion (35-mal vs. Hertha, je einmal vs. Tasmania, TeBe und Blau-Weiß 90), in jeweils drei Auswärts-Stadien maß man sich schon mit Schalke 04 und dem FC Bayern. Einmalige „Kleinode“ für HSV-Stadionsammler, da auch zwischendurch zu Zweitliga-Zeiten oder DFB-Pokal-Anlässen nicht auf dem Reiseplan, sind hingegen der Flinger Broich in Düsseldorf (1971), das Berliner Mommsenstadion (1974) sowie der Alsenweg (1989) und das Carl-Benz-Stadion (2008) in Mannheim.

Kartenspiele
Ziemlich buntes Treiben: In HSV-Bundesliga-Auftritt #1124, dem Stadtderby gegen St. Pauli am 15. September 1996 (3:0), nestelte der Unparteiische insgesamt sagenhafte zwölfmal an Brust- und Gesäßtasche: 9x Gelb, 1x Gelb-Rot (= 2 Zugriffe), 1x glatt Rot (Foto). Am häufigsten Gelb in einer Partie mit HSV-Beteiligung (11x) sahen Spieler und Zuschauer am 15. Februar 2014 an der Hamburger Straße in Braunschweig (2:4). Und die meisten Platzverweise, nämlich satte vier (2x Gelb-Rot, 2x Rot), gab es in Spiel #1517 am 22. März 2008 beim VfL Wolfsburg (1:1 A). Dazu die ewige Skatfrage: Wer gibt? Die Antworten aus dem Paradies der Erinnerung; Ehre, wem Ehre gebührt: Hartmut Strampe (Foto), Knut Kircher und Thorsten Kinhöfer.
Meilensteine
Der HSV gehörte bekanntlich zu den 16 Gründungsmitgliedern der Bundesliga. Spiel #1 – auch das zählt zum unverzichtbaren wie allgemeinen Rautenwissen – stieg am 24. August 1963 im Preußenstadion in Münster, wo Charly Dörfel am langen Pfosten nach einer Ecke sein berühmtes spätes „Nickerchen“ zum 1:1-Endstand machte.
Weitere Meilensteine auf der bisherigen Bundesliga-Reise des HSV:
- Spiel #2 am 31. August 1963 vs. Saarbrücken 4:2 H: der erste von bis heute 751 Siegen
- dreistellig mit #100 am 24. September 1966 vs. Werder 1:5 A
- #535 am 2. Juni 1976 vs. Arminia Bielefeld 0:0 A: erstmaliger Gewinn der Bundesliga-Meisterschaft
- vierstellig mit #1000 am 20. Februar 1993 vs. VfB Stuttgart 1:1 A
- #1094 am 21. Oktober 1995 vs. Freiburg 3:0 A: offiziell der erste „Dreier“ – im zehnten Anlauf nach Einführung der Drei-Punkte-Regel zur Spielzeit 1995/96
- #1187 am 15. August 1998 vs. Nürnberg 1:1 A: „Dino“ – nach dem Abstieg des 1. FC Köln letztes verbliebenes Gründungsmitglied der Bundesliga
- #1866 am 12. Mai 2018 vs. Mönchengladbach (2:1 H): erstmaliger Abstieg aus der Bundesliga

Rang 7 in Sachen Bundesliga-Erfahrung
Am 17. August erfolgte dann die 2. Ablösung als „Dino“: Werder Bremen lief beim Saisonauftakt vs. Fortuna Düsseldorf (1:3) zum 1867. Mal in der Bundesliga auf. Zum ersten Mal überhaupt hatte damit ein anderer Verein mehr Partien auf dem Konto. Bedingt durch das siebenjährige Einrasten und Einrosten des HSV-Spiele-Zählers haben neben dem Nordrivalen von der Weser (aktuell 2057 Spiele) bis heute noch fünf weitere der insgesamt 57 Clubs und Mitbewerber in der Historie des deutschen Fußball-Oberhauses den HSV in Sachen Erfahrung überholt: der Rekordmeister aus München natürlich (2065), dazu der VfB Stuttgart und Borussia Dortmund (je 1989), Borussia Mönchengladbach (1963) und Eintracht Frankfurt (1920).
Seltene Geburtstagsspiele
Der HSV ist wie ganz eingangs erwähnt der siebte Bundesligist, der eine Gesamt-Spielezahl passend zum „Geburtsjahr“ erreicht. Doch wer könnte demnächst oder irgendwann vielleicht mal ebenfalls in nostalgische Feierlaune kommen? Schauen wir bei dieser kleinen Zahlen-Spielerei der Einfachheit halber mal nur auf die aktuellen Bundesligisten, die noch nie abgestiegen sind. Vorausgesetzt sie halten die Klasse und die Bundesliga ihren Spielmodus mit 34 Kicks pro Saison, wäre als nächstes „Party-Time“ unterm Bayer-Kreuz, allerdings erst in mehr als acht Jahren: Leverkusen (Gründungsjahr: 1904; Feier: 30. Spieltag der Saison 2034/35). Einige der weiteren möglichen Festivitäten werden vermutlich etliche Leser dieser Zeilen leider nicht mehr erleben: Wolfsburg (1945; 7. Spieltag 2055/56), Hoffenheim (1899; 29. Spieltag 2064/65), Augsburg (1907; 31. Spieltag 2068/69), Leipzig (2009; 3. Spieltag, 2076/77), Union Berlin (1966; 28. Spieltag, 2077/78) und Heidenheim (1846; 10. Spieltag 2078/79).
Freuen wir uns also umso mehr auf das Hier und Jetzt und den bevorstehenden HSV-Meilenstein am Sonnabend: Bundesliga-Spiel #1887 gegen den 1. FC Union Berlin!
