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Vorbericht

02.04.19

Mit mehr Durchschlagskraft ins Halbfinale

Der HSV bestreitet in Paderborn das DFB-Pokal-Viertelfinale und will erstmals nach zehn Jahren wieder ins Halbfinale des traditionsreichen Wettbewerbs einziehen.

Es war ein unübersichtliches Gewühl im Strafraum, das er mit viel Übersicht entschlüsseln musste. Als der Ball schließlich nach einem Abpraller in den gefährlichen Raum rollte, stand Berkay Özcan genau dort, wo ein Mittelfeldspieler mit Torriecher stehen muss. Sein technisch perfekter Abschluss sorgte für einen Jubelsturm bei Teamkollegen, Funktionären und Fans. Soeben hatte Özcan in der 54. Minute das 1:0 gegen den 1. FC Nürnberg erzielt und den HSV damit auf die Siegerstraße gebracht, denn letztendlich war dies der entscheidende Treffer im DFB-Pokal-Achtelfinale, das die Rothosen hochverdient für sich entscheiden konnten.

Fünf Tage später schritt dann Fabian Böhm zur Tat. Der deutsche Handball-Nationalspieler fungierte als Losfee und sorgte für die Neuauflage eines Pokal-Spiels, das einst aus unrühmlichen Gründen in die deutsche Fußballgeschichte eingegangen war. Das von Referee Robert Hoyzer maßgeblich beeinflusste Erstrundenspiel im August 2004 (2:4) spielt in den Überlegungen der heutigen Protagonisten allerdings überhaupt keine Rolle. Vielmehr soll das Ziel Halbfinale im Mittelpunkt der Gedankenspiele stehen. Die Vorschlussrunde hatte der HSV zuletzt vor einem Jahrzehnt erreicht – im April 2009 platzten die Träume vom ersten Pokalsieg seit 1987 ausgerechnet gegen Werder Bremen (2:4 n.E.).

Selbstbewusst und positiv

Damit der historische Halbfinal-Einzug gelingen kann, muss bei den Rothosen im Vergleich zum vorangegangenen Ligaspiel beim VfL Bochum (0:0) vor allem offensiv eine Leistungssteigerung herbeigeführt werden. „Da müssen wir einen Schritt nach vorn machen“, lautete auch die Einschätzung von Trainer Hannes Wolf, der in den vergangenen beiden Tagen in der Klosterpforte mit seinen Schützlingen an den Abläufen im Angriffsspiel arbeitete, um in Paderborn die nötige Durchschlagskraft auf den Rasen zu bringen.

Die Anlage in Harsewinkel bot den HSV-Profis optimale Bedingungen, um sich gezielt auf die schwere Aufgabe vorzubereiten und war aus logistischen Gesichtspunkten ein sinnvoller Anlaufpunkt nach dem Spiel im Ruhrpott. Am gestrigen Nachmittag trat der blau-weiß-schwarze Tross dann schließlich den Weg ins nur rund 55 Kilometer entfernte Paderborn an, um dort heute Vormittag das Abschlusstraining vor dem bedeutenden K.O.-Spiel abzuhalten, das auch Hannes Wolf in seinen Bann gezogen hat. Der Cheftrainer verdeutlichte im Vorfeld die Bedeutung der Partie und arbeitete vor allem die sich bietende Chance heraus: „Ein Viertelfinale ist immer ein ganz besonderes Spiel. Wir werden auf jeden Fall die richtige Haltung zu diesem Spiel benötigen und müssen voll dagegenhalten. Aber: In der Liga haben wir gegen Paderborn gewonnen, wir dürfen also durchaus selbstbewusst und positiv sein.“ Das von Wolf thematisierte Hinspiel konnte der HSV im Dezember 2018 für sich entscheiden. Ein Treffer von Khaled Narey – der die Saison 2015/16 leihweise beim SCP verbrachte – sorgte für einen 1:0-Heimsieg der Rothosen, der im Kontext der bevorstehenden Partie Mut machen sollte.

Offensiv- vs. Defensivstärke

Dennoch artikuliert Wolf mit seinen Aussagen den angebrachten Respekt vor einem Gegner, der in dieser Saison vor allem offensiv für Furore sorgt: Das Team von Trainer Steffen Baumgart hat in der 2. Bundesliga 61 Treffer erzielt – nur der 1. FC Köln kann diesen Wert überbieten (68). Die Angriffswucht demonstrierten die Ostwestfalen auch am Wochenende, als der SCP einen 3:1-Auswärtssieg bei Union Berlin feiern konnte. Der Aufsteiger belegt damit in der Liga einen beachtlichen 4. Platz, der die rasante Entwicklung des Clubs in den letzten Monaten verdeutlicht.

Der Offensivpower Paderborns stellen die Hamburger ihrerseits die zweitbeste Defensive der 2. Liga gegenüber. Das wird spannend, auch wenn heute all diese Liga-Meriten nicht zählen. Schließlich besteht der Charme des DFB-Pokals vor allem aus den vielbesungenen eigenen Gesetzen und dem Modus, der keine Niederlagen erlaubt. Ein Tor kann über Weiterkommen oder Ausscheiden entscheiden. So wie im Februar 2019, als Berkay Özcan genau dort stand, wo ein torgefährlicher Mittelfeldspieler eben stehen muss. Unabhängig davon, welcher Akteur heute den richtigen Riecher hat: Aus Sicht des HSV kann sich eine derartige Situation gern wiederholen.

Der HSV-Kader: Tor: Pollersbeck, Mickel; Feld: Bates, David, Holtby, Janjicic, Jatta, Jung, Köhlert, Lacroix, Lasogga, Mangala, Narey, Opoku, Özcan, Papadopoulos, Sakai, Santos, van Drongelen 

So könnte der SC Paderborn spielen: Ratajczak - Dräger, Schonlau, Strohdiek, Collins - Vasiliadis - Tekpetey, Klement, Antwi-Adjej - Zolinski, Michel

Schiedsrichter: Tobias Welz (Wiesbaden)