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14.02.26
Happy Birthday, „Mighty Mouse“! – Zum 75. einer HSV-Ikone
Als Weltstar kam Kevin Keegan 1977 zum HSV – wurde Meister, zweimal Europas Fußballer des Jahres und für Mitspieler wie Horst Hrubesch zum Inbegriff des perfekten Teamplayers. Auch zu seinem heutigen 75. Geburtstag steht die Fußballwelt geschlossen hinter dem an Krebs erkrankten Ausnahmespieler, der neben Titeln vor allem Herzen gewann.
„Kevin war ein Wahnsinnsfußballer, der alles mitgebracht hat: Obwohl er nicht der Größte war, war er unglaublich kopfballstark. Dazu schnell, wendig, flink, mit gutem Ballgefühl und einem Auge für die Mitspieler. Zudem hat er in jedem Spiel wirklich alles gegeben, er kannte nur Vollgas.“
Diese Worte über Kevin Keegan, einen der größten Spieler, die jemals die HSV-Raute auf der Brust getragen haben, stammen von einer anderen HSV-Legende, die Gleiches für sich beanspruchen kann: Horst Hrubesch. Das „Kopfballungeheuer“ stand von 1978 bis 1980 in 78 Pflichtspielen gemeinsam mit der „Mighty Mouse“ auf dem Platz, weiß allerdings nicht nur als einstiger Mitspieler, sondern auch aufgrund seiner späteren mehr als 20-jährigen Erfahrung als Trainer und Funktionär die Einmaligkeit des quirligen Offensivspielers einzuschätzen. „Keegy war ein Spielertyp, wie ihn sich auch heute noch jede Mannschaft wünschen kann. In erster Linie deshalb, weil er sich immer der Mannschaft untergeordnet hat. Er war durch und durch ein Mannschaftsspieler, der mit seiner Art alle um sich herum angezündet hat“, erklärte Hrubesch weiter in einem einst zu Keegan erschienenen HSVlive-Sonderheft.

Als Kevin Keegan zur Saison 1977/78 vom Liverpool FC zum HSV wechselte, war er bereits ein Weltstar, der auf der Insel den ehrwürdigen Spitznamen „King Kev“ trug. Mit den Reds hatte er zuvor dreimal die englische Meisterschaft (1973, 1976 und 1977), zweimal den UEFA-Pokal (1973 und 1976) und einmal den Europapokal der Landesmeister (1977) gewonnen. Bei seiner Ankunft in Deutschland war sein Trophäenschrank also bereits bis oben hin gefüllt, und dennoch avancierte der Angreifer mit seiner Spielart und Persönlichkeit auch hierzulande zum Star. Mehr noch: zum ersten Popstar der Bundesliga. 90 Partien absolvierte Keegan in insgesamt drei Spielzeiten für den HSV, erzielte dabei 32 Tore und führte seine Mannschaft in der Saison 1978/79 zum Gewinn der deutschen Meisterschaft (Foto). Darüber hinaus wurde der Kapitän der englischen Nationalmannschaft während seiner Zeit bei den Rothosen gleich zweimal mit dem Ballon d’Or als „Europas Fußballer des Jahres“ ausgezeichnet – als erster und bis heute einziger HSV-Spieler.
Um die fußballerische Erhabenheit eines Kevin Keegan zu verstehen, reichen neben all diesen Errungenschaften wenige Videoclips, die auch heute noch die „Generation YouTube und Social Media“ fesseln und verzaubern. Die „Mighty Mouse“, wie Keegan aufgrund seiner Größe von 1,70 Metern und seines wuseligen Spielstils liebevoll genannt wurde, konnte eben kicken und ackern wie kaum ein Zweiter. Doch das allein war nicht der Grund für Keegans immense Beliebtheit, die all die Jahrzehnte überdauerte und bis heute intensiv nachhallt – wohlgemerkt, obwohl er verhältnismäßig kurz an der Elbe weilte und sich nach seiner aktiven Karriere, die ihn zunächst zurück auf die Insel zum FC Southampton (1980–82) und zu Newcastle United (1982–84) sowie später als Trainer unter anderem zur Nationalmannschaft (1999–2000) und erneut zu den Magpies, also Newcastle United, (1992–97 und 2008) führte, weitgehend aus der Branche zurückzog.

Aber was machte Keegan so beliebt? Auch hierfür liefert sein einstiger Teamkollege Horst Hrubesch die passenden Antworten: „Keegy wirkte immer so unschuldig und war mit seinen Locken, seinem Lächeln, seiner stets positiven Art der Liebling der Schwiegermütter. Auf der anderen Seite war er auf dem Platz der größte Kämpfer. Ganz egal, wie sehr ihn seine Gegenspieler genervt oder umgetreten haben. Ich habe in meiner Karriere mit so vielen tollen Fußballern zusammenspielen dürfen, darunter Jürgen Milewski, Manni Burgsmüller und Karl-Heinz Rummenigge. Alles super Typen. Aber mit Keegy war es sensationell.“
Wie sensationell Kevin Keegan auf und abseits des Platzes war, wurde auch Anfang dieses Jahres deutlich, als die Fußballwelt mit großer Anteilnahme auf die Krebserkrankung des Engländers reagierte, die seine Familie am 7. Januar öffentlich gemacht hatte. Neben dem Liverpool FC und Newcastle United erklärte auch der Hamburger SV, in Gedanken bei seinem legendären Offensivspieler zu sein und an seiner Seite zu stehen. Dies gilt auch für Horst Hrubesch und viele weitere HSV-Weggefährten Keegans, die vor wenigen Wochen eine emotionale Grußbotschaft für „Keegy“ aufgenommen hatten, um ihm zu zeigen, dass sie auch während dieses schwierigen Kampfes an seiner Seite stehen.
Am heutigen 14. Februar, seinem Geburtstag, gilt diese Unterstützung umso mehr – zumal Kevin Keegan seinen 75. Geburtstag feiert. Und vielleicht liegt genau hier sein größtes Vermächtnis: Kevin Keegan gewann nicht nur Titel. Er gewann Herzen.
Happy Birthday & stay strong, „Mighty Mouse“!
