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Nachbericht

14.08.21

Deutliche Worte – klare Aufarbeitung

Der HSV hat ein emotionales Stadtderby verloren und muss sich die Niederlage zu weiten Teilen selbst ankreiden. Cheftrainer Tim Walter nahm eine dementsprechend kritische Analyse vor.

Niederlagen zu erklären ist im Fußball grundsätzlich keine einfache Angelegenheit. Einen Stadtderby-Misserfolg als HSV-Cheftrainer einzuordnen ist aber besonders schwer, schließlich tut dieser sportliche Nackenschlag allein aus Prestige-Gründen richtig weh. Dem Club, den Fans, dem Trainerteam und auch den Spielern. Dementsprechend enttäuscht wirkte Tim Walter heute Vormittag, als er sich nach dem Auslaufen bzw. Spielersatztraining in einer Medienrunde äußerte. Der 45-Jährige berichtete von einer "unruhigen Nacht mit wenig Schlaf" und ging in der Folge gewohnt detailliert und deutlich auf das Spielgeschehen ein, das seine Schützlinge über weite Strecken nicht kontrollieren konnten.

"Die ersten 20 Minuten waren wir gut drin, hatten über Bakery Jatta zwei Durchbrüche und müssen das Tor machen. Dann läuft das Spiel anders. Was wir uns ankreiden müssen, ist, dass uns danach der Mut gefehlt hat, weiter nach vorne zu spielen. In der Phase hatten wir viel zu leichte Ballverluste, die uns so nicht passieren dürfen“, erklärt der Cheftrainer mit Blick auf die ersten 42 Minuten und hebt dann den lichten HSV-Moment vor dem Halbzeitpfiff hervor: „Dennoch gehen wir mit einem guten Ergebnis in die Pause, weil wir das 1:1 stark herausgespielt haben."

Mit dem Schwung des Ausgleichs kamen seine Schützlinge schließlich auch aus der Kabine, dominierten das Spielgeschehen und hätten in der 53. Minute einen Elfmeter zugesprochen bekommen müssen: "Das ist eine entscheidende Szene, das muss man so klar sagen. Der Linienrichter hatte völlig freie Sicht auf die Situation, zudem haben wir den VAR. Es ist unstrittig, dass es ein Strafstoß war. Ich finde es sehr zweifelhaft, dass der Schiedsrichter sich die Situation nicht nochmal angeschaut hat“, sagt der Coach mit Blick auf den Zweikampf zwischen Jakov Medic und Bakery Jatta im rechten Strafraumeck, den Video-Schiedsrichter Günter Perl unerklärlicherweise ignorierte.

Auch zur Wahrheit gehört allerdings: Nach den starken Minuten und dem nicht gegebenem Elfmeter kassierte der HSV zwei einfache Gegentore und gab das Spiel damit wieder aus der Hand. „Deswegen suche ich die Fehler auch bei uns. Die Elfmeter-Szene darf nicht als Ausrede dienen“, gesteht Walter ein und begründet damit auch seine klare Analyse, die heute im Volkspark vorgenommen wurde. Das Ergebnis der Aufarbeitung fiel deutlich aus – und gab gleichzeitig die Marschroute für die kommenden Wochen und Monate vor: "Ich bin ein Mann der offenen und aufrichtigen Worte. Ich glaube, dass es wichtig ist, dass man Kritik bekommt, damit umgeht und daraus lernt. Dabei schließe ich mich nicht aus. Wir verlieren als HSV und ich bin ein Teil davon. Darum müssen wir uns das als Team ankreiden und Lösungen finden. Gestern haben wir einen vor den Latz geknallt bekommen, jetzt müssen wir uns schütteln und weitermachen."