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Interview

16.09.21

„Ich habe die spezielle Atmosphäre gespürt“

Am Sonnabend steht das Nordderby zwischen Werder Bremen und dem HSV an. Für Bakery Jatta ist es eine besondere Zeit und ein besonderes Spiel, über das er im ausführlichen HSV.de-Interview spricht.

Spiele zwischen dem Hamburger SV und dem SV Werder Bremen werden nie ganz normale Spiele sein. Es ist das Nordderby! Wobei man allerdings festhalten muss: Kaum einer der aktuellen Akteure beider Clubs, die große Umbrüche hinter sich haben, hat je ein Nordderby gespielt. Einer, der diese besondere Atmosphäre schon miterlebt hat, ist Bakery Jatta. Im April 2017 feierte „Baka“ sein Profidebüt, als er während des Nordderbys im Bremer Weserstadion erstmals für den HSV eingewechselt wurde. 

Heute, viereinhalb Jahre später, steht erneut das Nordderby an. Andere Liga, gleiche Bedeutung. Um die weiß auch Jatta, der sich in dieser Zeit vom Youngster einer erfahrenen Mannschaft zum erfahrenen Spieler einer jungen Mannschaft entwickelt hat. Wie er diese neue Rolle annimmt, welche Bedeutung für ihn das Nordderby an sich hat und wie er die aktuelle Situation rund um den HSV und die Zuschauerrückkehr wahrnimmt, darüber hat er im ausführlichen HSV.de-Interview gesprochen.

„In dem Moment habe ich nur gedacht: Endlich wieder!“

Baka, am vergangenen Wochenende gab es nach langer Pause mal wieder einen richtigen Gänsehautmoment im Volksparkstadion. Wie hat sich die 96. Minute gegen Sandhausen für dich angefühlt?

Das war ein sehr besonderer Moment. Die Zuschauer haben uns das gesamte Spiel über gepusht, vor allem natürlich in der Nachspielzeit, das hat uns noch einmal stark gemacht. Und wenn du dann in der letzten Minute das Tor machst und das ganze Stadion explodiert, dann fühlt sich das natürlich unglaublich an. In dem Moment habe ich nur gedacht: Endlich wieder! Endlich dürfen die Fans wieder dabei sein. Das ist so wichtig! Denn der Fußball gehört den Fans. Wir alle haben mit dem Fußballspielen angefangen, weil wir das Spiel an sich lieben, aber wenn die Zuschauer dabei sind und du diese Atmosphäre spürst, dann ist es einfach nochmal ein ganz anderes Spiel. Dann spielst du nicht nur für dich, sondern für tausende Menschen. Dann ist es das, was diesen Sport ausmacht. Und genau so fühlte es sich am letzten Wochenende an.

Gerade du hast ja eine ganz besondere Verbindung zu den HSV-Fans.

Deshalb betone ich das ja so sehr: Endlich können sie wieder dabei sein, zumindest in Teilen. Immerhin! Und gerade für mich ist das wichtig, denn ich spüre diese Unterstützung, die ich vom ersten Tag an gespürt habe. Von allen Leuten beim HSV. Von den Verantwortlichen, von meiner Mannschaft und eben auch ganz besonders von den Fans. Das macht mich glücklich, das macht mir Freude. Auch wenn ich den Menschen das immer gar nicht so zeigen kann, denn ich bin sehr schüchtern und es fällt mir schwer, diese Emotionen zu zeigen. Aber wenn ich auf den Platz gehe, dann gebe ich für diese Menschen 100 Prozent, in jedem Spiel, in jeder Minute, um ihnen etwas zurückzugeben. Ich bin von Herzen dankbar für diese Unterstützung und versuche es mit guten Leistungen zu zeigen.

"Ich lerne immer noch"

Gegen Sandhausen bist du eingewechselt worden und hast danach für reichlich Betrieb gesorgt. Hoffst du, am Wochenende im Nordderby gegen Werder von Beginn an zu spielen?

Natürlich möchte ich gern von Anfang an spielen, das ist ja klar. Aber man muss es anders sehen: Es ist nicht mehr wie früher, wo man auf der Bank saß und wusste: Da sind andere besser als ich. Es ist heutzutage anders. Man kann fünfmal wechseln, man kann mit den Wechseln das Spiel beeinflussen, es verändern.Die Trainer planen das ein. Und wenn der Trainer sagt, dass ich erstmal auf der Bank sitze und nachher als seine Waffe für die letzte halbe Stunde reinkomme, um meine Mannschaft dann zu pushen und besser zu machen, nachdem sie den Gegner schon müde gespielt hat, dann ist das meine taktische Aufgabe. Und dann sorge ich dafür, dass ich zu jeder Zeit bereit bin. Dass ich voll da bin, bei 100 Prozent. Dass ich für die Mannschaft da bin und ihr das geben kann, was sie braucht. Das ist Mannschaftssport. Deshalb: Auch gegen Werder nehme ich die Aufgabe an, die mir der Trainer gibt.

Dein erstes Spiel für den HSV hast du passenderweise gegen Werder Bremen absolviert. Damals warst du der Youngster, mittlerweile bist du der einzige HSVer, der in der Bundesliga und gegen Werder gespielt hat. Wie fühlst du dich in dieser Rolle?

Es ist Tatsache, dass ich in meinem ersten Jahr beim HSV keine ganz große und wichtige Rolle gespielt habe. Ich sollte lernen und mich an das Niveau gewöhnen. Ich denke, das ist ganz gut gelungen, so dass ich nach und nach auch immer mehr Einsätze bekommen habe. Heute ist es so, dass ich – obwohl ich noch immer lerne – einen gewissen Einfluss auf die Mannschaft habe, ich bin älter geworden, besser geworden und mache deutlich mehr Spiele als damals. Deshalb hat sich meine Rolle verändert. Ich gebe jetzt auch Hilfestellung, ich übernehme Verantwortung. Das ist der Lauf der Zeit. Und ich mag das. Ich habe so eine enge Verbindung zur Mannschaft, ich möchte helfen. Meine Verbindung zum HSV und allen Menschen hier ist so speziell. Ich wurde mit offenen Armen aufgenommen und immer unterstützt, das ist so besonders für mich, das kann ich kaum mit Worten beschreiben. Und deshalb möchte ich an jeder Stelle, an der ich helfen kann, da sein und etwas zurückgeben.

„Ich habe als einziger Spieler von uns zwei Nordderbys gespielt“

Spiele gegen Werder sind für die Fans immer etwas ganz Besonderes. Auch für euch als Mannschaft?

Für die Fans ist es natürlich ein ganz besonderes Spiel. Ein Derby ist immer etwas Spezielles. Wir Spieler wissen das auch, wobei man aber sagen muss, dass unsere sehr junge Mannschaft dieses Nordderby ja noch gar nicht kennt. Ich habe als einziger Spieler von uns zwei Nordderbys gespielt und auch die sind schon ein paar Jahre her, aber ich habe diese spezielle Atmosphäre gespürt und habe das Gefühl in mir. Ich gebe das auch an die anderen Spieler in der Kabine weiter, aber das Wichtigste für uns als Mannschaft sind die drei Punkte. Wir müssen uns auf das Spiel konzentrieren, auf unsere Leistung. Und wenn wir das schaffen und erfolgreich sind, dann machen wir auch ganz automatisch alle Fans froh und stolz. 

Was für ein Spiel erwartest du gegen einen starken Gegner, von denen es ja in dieser Saison sehr viele in der 2. Liga gibt.

Ich erwarte ein tolles Spiel. Aber das tue ich vor allem deshalb, weil ich weiß, wie gut wir sein können. Wie gut all die anderen Mannschaften sind, von denen sehr viele einen großen Namen haben, das weiß man nie, da auch jedes Spiel anders laufen kann. Aber ich weiß, was wir können, wie gut wir als Mannschaft sind. Und deshalb möchte ich nur auf uns schauen. Wenn wir unsere Qualität auf dem Platz zeigen können, wenn wir das umsetzen können, was der Trainer uns vorgibt, dann haben wir gute Chancen, viele Spiele zu gewinnen. Und darum geht es: Spiele zu gewinnen. Wenn wir das schaffen, dann können wir am Ende viel erreichen.