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21.05.26
„Luka Magic“: Wie Vuskovic den Volkspark verzauberte
Mit außergewöhnlichem Siegeswillen, spektakulären Toren und beeindruckender Konstanz spielte sich Luka Vuskovic in seiner ersten Bundesliga-Saison nachhaltig in die Herzen der HSV-Fans. Sein Bruder Mario lobt: „Er hat mich und unsere ganze Familie stolz gemacht.“
Als eine kräftezehrende HSV-Saison in den Katakomben der BayArena seit einigen Minuten offiziell beendet und damit endlich die Zeit zum Innehalten oder gar Feiern gekommen war, arbeitete Innenverteidiger Luka Vuskovic bereits pflichtbewusst seine Routinen ab. Auf einem Gerätekasten sitzend, füllte das 19-jährige Top-Talent seinen Kohlenhydratspeicher mit einer Pasta auf und telefonierte dabei mit Vater Daniel. Die erste Regeneration, die erste Spielanalyse, der unmittelbare Blick nach vorn: Was lief gut? Was nicht? Und wie kann ich mich weiter verbessern? Das Fazit des kritischen Vater-Sohn-Gesprächs: Ein ordentliches Spiel, aber keines, weshalb er in den gleich folgenden Interviews überschwänglich agieren könne. Und so schritt Vuskovic zurück in den Innenraum des Stadions, die nächsten Pflichtaufgaben eines Vollblut-Profis vor Augen.

„Haltung zum Beruf Fußballprofi auf höchstem Level“
Es sind Szenen, die exemplarisch für das Mindset eines Ausnahmetalents stehen, das ganz nach oben will und dessen Entwicklung keine Grenze zu kennen scheint. „Neben den Dingen, die draußen auf dem Spielfeld jeder sehen kann, zeichnet Luka einfach aus, dass er eine unfassbare Power hat, was den Siegeswillen angeht. Er will sich immer verbessern. Seine Haltung zu dem Beruf Fußballprofi ist auf höchstem Level. Ich habe bisher nur mit wenigen Spielern zusammenarbeiten dürfen, die so ein Mindset haben“, lobt Merlin Polzin gegenüber HSV.de. Wie ausgeprägt dieses Mindset ist, erlebte der HSV-Cheftrainer täglich in der Zusammenarbeit. Bei seiner gewohnt frühen Ankunft gegen 7 Uhr am Stadion traf Polzin den Kroaten regelmäßig entweder kurz nach oder sogar bereits vor sich an. Wohin dieses Arbeitsethos führen kann, zeigt Vuskovic seit seinem Abschied vom Heimatverein Hajduk Split eindrucksvoll. Gepaart mit seinem besonderen Talent kommt das kaum überraschend. Schließlich entstammt Luka einer komplett fußballverrückten Familie, in der bereits der Urgroßvater, Großvater, Vater und Bruder kickten.
Bereits in der vorangegangenen Spielzeit machte der jüngste Debütant der kroatischen Erstliga-Geschichte (im Alter von 16 Jahren), dessen Dienste sich Premier-League-Club Tottenham Hotspur mit einem Vertrag bis 2030 frühzeitig sicherte, als Leihspieler beim belgischen Erstligisten KVC Westerlo auf sich aufmerksam: Sieben Treffer in 34 Spielen bedeuteten etwa die beste Torausbeute eines Innenverteidigers in Europas höchsten Spielklassen. Nun hob der 1,93 Meter große Abwehrhüne sein Niveau als Leihspieler beim HSV in der Bundesliga sogar noch einmal an. So avancierte Vuskovic nicht nur zum absoluten HSV-Leistungsträger, sondern auch zum besten Zweikämpfer (69,1 Prozent) und erneut treffsichersten Innenverteidiger (sechs Tore) der gesamten Liga. Dabei heimste der 19-Jährige sämtliche Auszeichnungen ein: Nachdem er im Saisonverlauf gleich viermal zum „Rookie des Monats“ der DFL gewählt worden war, schaffte er es auch in die „Elf der Saison“ im Fachmagazin kicker und wurde von den HSV-Fans zum „Man of the Season“, präsentiert von Hapag-Lloyd, gewählt.

„Er wollte Mario zum Bundesliga-Spieler machen“
Keine Frage, Luka Vuskovic sorgte in nur 30 Bundesliga-Spielen für die ganz besonderen Momente, darunter unvergessen sein erstes Bundesliga-Tor, das zugleich das erste der Rothosen seit der Bundesliga-Rückkehr markierte, sowie sein vorerst letztes, als er im letzten Heimspiel der Saison per Freistoß traf und mit erhobenem Trikot vor der Nordtribüne jubelte. Dazwischen ebenfalls höchst erwähnenswert sein irres Traumtor per Scorpion-Kick im Nordderby gegen Werder Bremen, das zum „Tor des Monats Dezember“ der ARD-Sportschau gewählt wurde und bei der „Wahl zum Tor des Jahres 2025“ auf Rang zwei landete. Es gibt den Spruch, dass man sich nie in einen Leihspieler verlieben sollte, doch bei Luka Vuskovic war es unmöglich, dies nicht zu tun. Erst recht für glühende HSV-Fans, denn zuletzt brachte allein der Nachname eine besondere Magie in den Volkspark. Der um fünf Jahre jüngere Bruder des gesperrten Mario lief mit dessen Rückennummer 44 auf und ließ die Sehnsucht nach der Fortsetzung einer besonderen Geschichte wieder aufleben – einer Geschichte, die fast zu kitschig ist, um wahr zu sein und in dieser Form wohl nur im Sport zu finden ist. „Ich liebe diesen Club ein bisschen zu sehr. Ich empfinde so viel Liebe für den Verein, die Spieler, den Staff, die Fans“, gab der geliehene Spieler nach seinem letzten Heimspiel viel Liebe zurück. „Hamburg ist mein zweites Zuhause geworden.“
Jenes Zuhause war dem jungen Luka durch seinen Bruder bereits bestens bekannt. Dass er sich angesichts diverser Möglichkeiten im vergangenen Sommer überhaupt für den Aufsteiger HSV entschied, hatte auch damit zu tun, dass er Verantwortliche, Trainer und Spieler im Club bereits kannte, die Bedingungen in Hamburg als ideal für seine Weiterentwicklung ansah und eine ganz besondere Mission hatte. „Wir haben eine ganz besondere Verbindung. Luka und meine Zusammenarbeit hat sich nicht darüber definiert, dass wir jeden Tag Stunden über Fußball gesprochen haben, sondern wir wussten beim Blick in die Augen, was der andere von einem braucht und will“, verrät Polzin. „Es war sehr viel Vertrauen da und das Gefühl, dass wir beide unseren Job erfüllen: Er wollte Mario zum Bundesliga-Spieler machen und ich den HSV in der Bundesliga halten. Das war von Beginn an klar und deshalb war es eine ganz besondere Zusammenarbeit.“

„Wir motivieren uns gegenseitig gleichermaßen“
Seinen Job erfüllte Luka Vuskovic dabei wie angesprochen auf herausragende Art und Weise. Das Drehbuch seiner HSV-Zeit wäre im Vorhinein wohl als überzeichneter Hollywood-Streifen abgetan worden, doch letztlich hat es die Realität so geschrieben. „Ich möchte ihm keine Grenzen setzen. Wenn du mit 19 Jahren so eine Führungsrolle innehast und sportlich so durch die Decke gehst, traue ich ihm alles zu“, sagt Polzin mit Blick auf den weiteren Karriereweg des Innenverteidigers, für den bereits das nächste Karriere-Highlight bevorsteht. So wurde er unter der Woche als jüngster Spieler in den 26-köpfigen WM-Kader seines Heimatlandes Kroatien berufen. „Ich wünsche ihm für den Sommer maximalen Erfolg und möglichst viele Spiele in Amerika“, sagt Polzin. Wohl wissend, dass auch in der kommenden Spielzeit wieder ein Vuskovic mit der Rückennummer 44 in der HSV-Kabine sitzen wird.
Und dieser Mario Vuskovic blickt mit Stolz auf seinen jüngeren Bruder. „Seine Performance über die komplette Saison hinweg war großartig. Ich bin sehr glücklich – nicht nur über seine Leistung, sondern auch über die des gesamten Clubs. Die Unterstützung der Trainer, seiner Mitspieler und letztlich der Fans hat ihm dabei sehr geholfen. Ohne sie wäre das nicht möglich gewesen“, so der 24-Jährige. „Luka hat mit dieser Saison nicht nur mich, sondern unsere ganze Familie stolz gemacht. Uns bedeutet der Club als Familie bekanntlich enorm viel. Am meisten macht es mich stolz, wie viel Arbeit und Einsatz er Tag für Tag investiert, um seine Ziele zu erreichen. Das ist für mich eine große Motivation, weiterhin und vor allem genauso hart zu arbeiten wie er. Wir motivieren uns gegenseitig gleichermaßen.“
