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Nachbericht

24.07.21

Mut ja – Euphorie nein

Nach dem Auftaktsieg gegen Schalke 04 ordnet Trainer Tim Walter die Leistung objektiv ein und betont hart weiterzuarbeiten.

Müde, aber glücklich. So lässt sich der Gemütszustand der HSV-Verantwortlichen am Tag nach dem 3:1-Sieg gegen Schalke 04 zum Zweitligaauftakt am Freitagabend (23. Juli) beschreiben. Erst spät in der Nacht um 4:12 Uhr rollte der Rautenexpress mit Spielern und Trainern auf das Gelände am Volksparkstadion, um 11 Uhr am Sonnabendvormittag (24. Juli) stand dann schon wieder das Spielersatz- bzw. Regenerationstraining auf dem Programm. Im Gepäck aus Gelsenkirchen brachten die Rothosen aber gleich im ersten Spiel die ersten drei Punkte der Saison mit. Das erleichtert nicht nur die Beine, sondern auch den Kopf. Und was fast genauso wichtig ist: Die 90 Minuten auf Schalke brachten eine Menge interessanter Erkenntnisse. 

Zunächst waren es die Rahmenbedingungen. Zum ersten Mal seit rund einem Jahr (damals in der 1. Runde des DFB-Pokals in Dresden) gab es wieder ein HSV-Spiel vor großer Kulisse. „Es war extrem schön, wieder vor Zuschauern zu spielen. Dass Menschen dabei sind, die dir zujubeln, egal, ob es positiv oder negativ ist, verursacht eine Stimmung, die man so ja gar nicht mehr kennt“, schwärmte Cheftrainer Tim Walter schon direkt nach dem Schlusspfiff. Auch am Tag danach war ihm die Freude über diese Emotionen der 19.770 Fans noch deutlich anzumerken, auch wenn er zugeben musste, dass seine Spieler davon ein wenig überrascht waren. „Die unfassbare Stimmung hat man meiner Mannschaft gleich zu Beginn angemerkt. Das ist aber ganz menschlich. Sie haben es trotzdem gut gemacht und sich immer wieder rausgelöst. Das erste Tor entsteht durch einen individuellen Fehler von uns“, analysierte der Coach.

"Die Rückschläge waren unser Startschuss"

Doch Fehler passieren und es wird sicher nicht der letzte unachtsame Moment in dieser Saison gewesen sein. Viel wichtiger ist, und das betont auch Walter: Seine Mannschaft soll sich davon nicht beeindrucken lassen. Und das tat sie an diesem Abend trotz des 0:1-Rückstands durch Simon Terodde in der achten Spielminute und den verschossenen Foulelfmeter durch Robert Glatzel in der 28. Minute auch nicht. „Wir fordern immer wieder ein, dass sie mutig bleiben, auch wenn wir wie gestern Rückschläge erlitten haben. Die Rückschläge waren unser Startschuss. Das hat ergeben, dass alle noch mutiger sein mussten“, erklärt Walter. 

Und wer viel investiert und arbeitet, der wird auch belohnt. Vielleicht nicht immer. Aber gestern. Zunächst erzielte Glatzel per Abstauber nach tollem Freistoß von Tim Leibold den Ausgleich (53.), in der Schlussphase schlugen erst der eingewechselte Moritz Heyer (86.) nach schöner Vorarbeit der ebenfalls ins Spiel gekommenen Sonny Kittel und Maximilian Rohr und in der Schlussminute Bakery Jatta (90.) zu. Der HSV hatte mehr zuzusetzen und war williger, Schalke wirkte nicht mehr so gefestigt, wie noch in Hälfte eins. Dazwischen hielt Daniel Heuer-Fernandes die Rothosen mit seinen fulminanten Paraden im Spiel und erhielt dafür auch ein Sonderlob des Trainers (siehe Bericht), der vor allem aber dem gesamten Team ein gutes Zeugnis ausstellte.   

„Wenn du merkst, dass deine Arbeit Früchte trägt, die Jungs zusammenwachsen, dass sie viel miteinander tun wollen, dann ist es ein Zeichen von Vertrauen. Die Jungs vertrauen sich untereinander, wir vertrauen ihnen. Das ist die Basis“, sagt Walter. Den Sieg möchte er aber keinesfalls überbewerten. „Klar ist es schön, aber es war der erste Spieltag. Da sind wir gut beraten, entspannt und hart weiterzuarbeiten. Wir wissen, dass wir noch eine Menge Arbeit vor uns haben. Das nehmen die Jungs auch brutal an“, so der Fußball-Lehrer. Sonntag in einer Woche, am 1. August, wartet das erste Heimspiel auf den HSV, bei dem auch bis zu 17.100 Fans (Jetzt Tickets sichern) mit dabei sein dürfen. Zu Gast im Volksparkstadion ist dann Dynamo Dresden. Wie unangenehm der Aufsteiger sein kann, haben die Rothosen in der ersten DFB-Pokalrunde des letzten Jahres am eigenen Leib zu spüren bekommen. „Ich habe keine Befürchtung, dass jemand abhebt, weil der Charakter der Mannschaft gut ist. Wir arbeiten weiter und dann schauen wir mal, was am Sonntag dabei herauskommt“, so Walter.