
Interview
14.01.26
Nicolas Capaldo: „Wir haben uns verbessert und eine gute Entwicklung hingelegt“
Bei Nicolas Capaldo lässt sich festhalten, dass er sich ein halbes Jahr nach seinem Wechsel zum Hamburger SV sehr gut eingelebt hat. Der Leistungsträger spricht im HSV.de-Interview über die erste Saisonhälfte und die neue Rolle als Abwehrspieler. Zudem blickt die Nummer 24 auf die Absage der Partie gegen Bayer 04 Leverkusen.
HSV.de: Capi, wann und wie wurde dem Team die Spielabsage kommuniziert?
Nicolas Capaldo: Wir waren im Hotel und saßen beim Essen. Dann wurde uns mitgeteilt, dass das Spiel abgesagt wurde. Wir haben das natürlich nicht erwartet, aber am Ende steht die Sicherheit über allem. Für die Fans ist es am ärgerlichsten. Ich war als Kind selbst Fan und bin in Argentinien teils 600 Kilometer zu einem Spiel gereist.
Wie hat sich die Spielabsage auf dich ausgewirkt?
Am Spieltag waren wir gegen 17 Uhr beim Essen. Für mich als Argentinier ist das nicht typisch. Deswegen hatten meine Freundin und ich zu einem späteren Zeitpunkt ein Dinner. (lacht)
Wie einfach lässt sich der Schalter umlegen mit Blick aufs kommende Spiel gegen Borussia Mönchengladbach?
Wir müssen die Situation so annehmen, wie sie ist. Unser Fokus liegt jetzt voll und ganz auf der Partie gegen Gladbach.

Sollte die Partie stattfinden: Wie groß ist die Vorfreude aufs erste Heimspiel im Jahr 2026?
Wir freuen uns sehr darauf, die Fans wieder zu sehen! Wir haben die meisten unserer Punkte zu Hause geholt, deswegen sind die Heimspiele für uns sehr wichtig. Wir werden alles versuchen, die drei Punkte wieder einzufahren.
Eigentlich wäre die Hinrunde des HSV zum jetzigen Zeitpunkt beendet gewesen. Wohl wissend, dass ein Spiel noch aussteht, wie fällt dein Fazit nach der ersten Saisonhälfte aus?
Ich bin der Meinung, dass wir in ein paar Spielen Punkte liegen gelassen haben. Durch sie hätten wir besser in der Tabelle dastehen können. Wir hatten einen schweren Start in die Saison, weil es für alle eine neue Herausforderung war. Aber wir haben uns verbessert und eine gute Entwicklung hingelegt.
Was war dein schönster Moment in der Hinrunde?
Natürlich der Derbysieg gegen Werder Bremen zu Hause! Die Stimmung, die Freude der Leute … das war einfach überragend.
Der HSV holte 14 seiner 16 Punkte vor heimischem Publikum im Volksparkstadion. Welche Erklärung hast du dafür?
Es ist jedes Mal etwas Besonderes. Wenn man sich die Spiele ansieht, haben wir immer bis zum Schluss Energie. Die Fans helfen uns enorm, weil sie uns zu jeder Zeit unterstützen. Das ist auch ein Signal an die anderen Mannschaften. Viele große Teams waren hier und haben sich schwergetan. Beispielsweise haben wir gegen den VfB Stuttgart gewonnen und Borussia Dortmund hatte es nicht leicht.

Warum gestaltet sich die Punktejagd auswärts bislang so schwierig und wie soll es in der Rückrunde besser laufen?
Das ist schwer zu erklären und es gibt sicherlich nicht nur den einen Grund. Es waren viele kleine Dinge, die nicht für uns gelaufen sind. Die Gelb-Rote Karte und der Elfmeter gegen uns in derselben Aktion in Freiburg steht sinnbildlich dafür. Am Ende haben wir einfach zu wenig Punkte auswärts geholt und daran müssen wir arbeiten. Wenn wir das schaffen, kann es eine gute Rückrunde für uns werden.
In dieser Saison ist das Ziel natürlich der Klassenerhalt, und auf dem Weg dorthin hat sich der HSV einen leichten Vorsprung auf die Abstiegszone erarbeitet. Wie schätzt du die Situation in der unteren Tabellenregion ein?
Ich bin überzeugt davon, dass wir uns mehr von der Abstiegszone distanzieren können, wenn wir weiter so auftreten wie bisher. Wir waren in den meisten Spielen mindestens ebenbürtig. Manchmal fehlte ein kleines bisschen, aber beispielsweise in Freiburg haben wir bis zum Schluss gekämpft. Diese Art und Weise gibt mir ein gutes Gefühl.
Rund um deinen Wechsel zum HSV hattest du dich im Interview als Bundesliga-Experten bezeichnet. Wie hat dir das Vorwissen in den bisherigen Spielen geholfen und wie ist generell dein Eindruck vom deutschen Fußball-Oberhaus?
Mir waren einige Namen geläufig, und als ich gegen sie gespielt habe, war es lustig. Die Bundesliga ist eine der besten Ligen der Welt, in der jedes Team schwer zu schlagen ist. Du weißt, dass dir jedes Wochenende ein echter Kampf bevorsteht. Hier herrscht ein wirklich guter Wettbewerb. Es wird interessant, wie die Tabelle am Saisonende aussehen wird.

Wie hast du dich nach einem halben Jahr beim HSV und in Hamburg eingelebt?
Ich bin sehr glücklich und mag den Verein sehr. Sei es das Stadion, die Infrastruktur oder die Stimmung – der HSV ist auf mehreren Ebenen ein großer Club. Unter anderem aus diesen Gründen bin ich hierher gewechselt. Zudem ist Hamburg eine schöne Stadt, aber mit dem aktuellen Wetter habe ich zu kämpfen, ich bin mehr für den Sommer und die Sonne gemacht. (lacht) Meine Freundin und ich sind oft in der Innenstadt oder auf dem Isemarkt.
Mit wem aus dem Team verstehst du dich besonders gut?
Mit Fadli und Miro! Wir machen viele Dinge gemeinsam. Beide wollen Spanisch lernen, aber sie sind noch nicht so weit. (lacht) Wegen der Sprache verstehe ich mich natürlich gut mit Gui und Fabio. Zudem hatte ich einen engen Draht zu Daniel Peretz, dem ich viel Erfolg in Southampton wünsche.
Obwohl du eigentlich im Mittelfeld beheimatet bist, spielst du nach der schweren Verletzung von Warmed Omari seit dem 6. Spieltag in der Abwehr. Wie denkst du heute über die zunächst ungewohnte Rolle?
Es war eine neue Erfahrung für mich, weil ich auf dieser Position noch nie gespielt habe. Aber das Team kann immer auf mich zählen, egal, wo ich gebraucht werde. Mir hat es sehr geholfen, dass mir das Trainerteam das Vertrauen entgegengebracht hat. Zudem hat das 4:0 gegen Mainz im ersten Spiel sein Übriges getan. Das hat mich darin bestärkt, in der Abwehr weiterzumachen. Und mit der Zeit fühlte ich mich immer wohler.

Als Stellvertreter hast du mehrfach die Kapitänsbinde von Yussuf Poulsen übernommen. Was bedeutet dir dieses Amt?
Es ist eine Ehre für mich, die Kapitänsbinde zu tragen und die Mannschaft führen zu dürfen. Mit diesem Amt geht eine große Verantwortung einher. Aber es geht nicht um den Einzelnen, schließlich haben wir unsere Leadership-Gruppe, die das restliche Team vorantreiben will. Wir unterstützen uns gegenseitig.
Abschließend, was sind deine persönlichen Ziele fürs Jahr 2026?
Wir müssen versuchen, so viel zu gewinnen, wie wir können. Deshalb wünsche ich mir, dass wir die Siegermentalität im Team aufrechterhalten.
